Andrea Berg: Neu­es Al­bum der „Schla­ger-Queen“

Andrea Berg ver­traut auf Alt­be­währ­tes / Die Sän­ge­rin ist die net­te Nach­ba­rin von ne­ben­an

Der Sonntag (Mittelbaden) - - Erste Seite - Te­re­sa Tropf

Deutsch­lands Schla­ger­queen Andrea Berg hat mitt­ler­wei­le fast die Hälf­te ih­res Le­bens im Mu­sik­busi­ness ver­bracht, mehr als ein Dut­zend Alben ver­öf­fent­licht. Berg ist ein Rou­ti­nier, doch Rou­ti­ne mag die 50 Jah­re al­te Sän­ge­rin nicht. „Ich ver­su­che, mein per­sön­li­ches See­len­be­ben je­den Tag ins Gleich­ge­wicht zu brin­gen und kaum ha­be ich es ge­fun­den, wird mir die Rou­ti­ne zu lang­wei­lig“, sagt sie. Mit der Wort­schöp­fung „See­len­be­ben“hat sie des­halb auch ihr neu­es Al­bum be­ti­telt. Und den­noch: Das Werk bie­tet über­ra­schend we­nig Über­ra­schen­des, son­dern über­mä­ßig rou­ti­nier­ten Schla­ger. Das Ge­wohn­te eben. Die Tex­te spie­geln wi­der, was „See­len­be­ben“für Berg be­deu­tet: Un­er­füll­te Lie­be, Lei­den­schaft, Sehn­sucht und un­end­li­ches Glück – The­men wie für das Schla­ger­ge­schäft ge­macht. „Ich will bren­nen, mich und das Le­ben spü­ren. Ich will ge­liebt wer­den, nicht ver­än­dert oder ge­zähmt“, kom­men­tiert Berg eu­pho­risch. Die Plat­ten­fir­ma spricht en­thu­si­as­tisch von Bergs „viel­leicht per­sön­lichs­tem“Al­bum. „Es ist ge­fühlt das, was man beim Film Di­rec­tors Cut nennt“, sagt Berg selbst. Wie zum Be­weis ist die Plat­te erst­mals auf ih­rem ei­ge­nen La­bel „Berg­re­cor­ds“(Ver­trieb: So­ny Mu­sic) ver­öf­fent­licht. Deut­lich hör­bar sind aber auch die Ein­flüs­se der bei­den Pro­du­zen­ten Die­ter Boh­len und Re­né Bau­mann ali­as DJ Bo­Bo. Die Vor­ab-Sing­le „Die­se Nacht ist je­de Sün­de wert“et­wa ist ein klas­si­scher Song aus der Hit­schmie­de des PopTi­ta­nen Boh­len, der sich als Pro­du­zent für Se­mi­no Ros­si, Bea­tri­ce Eg­li und eben Berg seit ei­ni­ger Zeit wie­der ver­mehrt im Schla­ger en­ga­giert: Rhyth­mi­sche Beats ge­paart mit Syn­the­si­zern und der kla­ren, fe­mi­ni­nen Stim­me von Berg sind deut­lich her­aus­zu­hö­ren. Die Boh­len-Kom­po­si­tio­nen auf dem Al­bum ge­hen der­art schnell ins Ohr, dass sie – ob im Bier­zelt, im Au­to oder beim Après-Ski – bald je­der mit­sin­gen kann. Es sind ge­fäl­li­ge Me­lo­di­en mit ein­schmei­cheln­den Re­frains, aber eben kei­ne neu­en mu­si­ka­li­schen Er­run­gen­schaf­ten. Die Songs, die un­ter dem Pro­du­zen­ten Bau­mann ent­stan­den sind, un­ter­schei­den sich in klei­nen Nuan­cen da­von. Auch die Tex­te der Wahl-Ba­den-Würt­tem­ber­ge­rin Berg bie­ten kei­ne bahn­bre­chen­den Über­ra­schun­gen, kei­ne Re­vo­lu­ti­on ih­res Stils. Das ver­ra­ten schon die Ti­tel der 14 neu­en Songs, die et­wa „Ster­nen­träu­mer“oder „Du bist das Feu­er“lau­ten. Das sind Herz­schmerz-Ge­schich­ten, ge­paart mit den schla­ger­ty­pi­schen Ka­len­der­sprü­chen à la „Gib den Traum nicht auf“. Ein „Mut-Ma­cher-Lied“nennt die Plat­ten­fir­ma et­wa den ers­ten Song des Al­bums, „Lust auf pu­res Le­ben“. Was mehr will das Schla­ger­herz? Die ge­lern­te Arzt­hel­fe­rin und Ope­ra- ti­ons­schwes­ter Berg ver­traut ein­mal mehr ih­rem Er­folgs­re­zept, das sie seit Jah­ren an die Spit­ze der Charts ka­ta­pul­tiert. Und der Er­folg der Lieb­ha­be­rin von Lack, Le­der, Strap­sen und High Heels ist ein­drucks­voll: Kom­mer­zi­ell ist sie ne­ben den Kon­kur­ren­tin­nen wie He­le­ne Fi­scher und Bea­tri­ce Eg­li nach wie vor ei­ne der er­folg­reichs­ten deut­schen Künst­le­rin­nen über­haupt. Auf mehr als 900 Wo­chen, das sind mehr als 17 Jah­re, ta­xiert ih­re Plat­ten­fir­ma die Zeit, in der die ge­bür­ti­ge Kre­fel­de­rin schon in den of­fi­zi­el­len Al­bum-Hit­lis­ten ge­stan­den hat. „Du hast mich tau­send­mal be­lo­gen“soll die meist­ge­kauf­te Schla­ger-Sing­le in den Down­load-Shops sein. Da­zu kom­men seit Bergs ers­ter Sing­le im Jahr 1992 gut 100 Gold- und Pla­ti­n­aus­zeich­nun­gen, sechs Echos, Gol­de­ne Hen­nen, Gol­de­ne Stimm­ga­beln und et­li­che wei­te­re Prei­se. Da­zu pflegt die rot­mäh­ni­ge Berg das Image der nah­ba­ren und herz­li­chen Nach­ba­rin von ne­ben­an. Da­für lie­ben sie ih­re zahl­rei­chen Fans, die auch die­ses Jahr im Som­mer wie­der ins schwä­bi­sche As­pach na­he Stutt­gart pil­gern wer­den. Dort be­treibt Berg mit ih­rem zwei­ten Ehe­mann – dem Sport­ma­na­ger und Ho­te­lier Uli Ferber – nicht nur ein Ho­tel. Auch ei­ne Are­na ge­hört zum Berg-Ferber’schen Im­pe­ri­um. Jähr­lich wer­den dort Open-AirKon­zer­te mit im­po­san­ten Büh­nen­shows ze­le­briert.

Fo­to: avs

Andrea Berg (50) ge­hört zu den er­folg­reichs­ten Mu­si­ke­rin­nen Deutsch­lands. Bei ih­rer neu­en CD wur­de sie von Die­ter Boh­len und DJ Bo­bo un­ter­stützt.

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