Die Stro­mer kom­men

Der Hy­pe um den Tes­la nutzt ver­mut­lich auch an­de­ren Elek­tro­mo­bil-An­bie­tern

Der Sonntag (Mittelbaden) - - Die Region - Wolf­gang We­ber

Es ist ein Hy­pe, den man sonst nur von den Prä­sen­ta­tio­nen neu­er App­le-Mo­del­le kennt: Als neu­lich in Los An­ge­les das neu­es­te Mo­dell des Elek­tro­au­to-Kon­zerns Tes­la vor­ge­stellt wur­de, stan­den zahl­rei­che Fans schon am Vor­abend Schlan­ge, um an­dern­tags bloß nichts zu ver­säu­men. Und als Tes­la-Chef Elon Musk dann die Büh­ne be­trat, ju­bel­te die Meu­te dem Self­made-Mil­li­ar­där fre­ne­tisch zu. Das Mo­del 3 ist Tes­las drit­ter Streich und soll end­lich das preis­wer­te mas­sen­taug­li­che Mit­tel­klas­se­au­to mit Elek­tro­an­trieb sein, auf das die Welt seit vie­len Jah­ren war­tet. Al­lei­ne in den ers­ten 24 St­un­den fan­den sich welt­weit an­geb­lich 115 000 Käu­fer in den Tes­la-Sto­res ein, die ein Mo­del 3 or­der­ten – für rund 35 000 Dol­lar (30 000 Eu­ro). Sze­nen­wech­sel. Ein Park­haus in der Karls­ru­her In­nen­stadt. Das Car­sha­ring-Un­ter­neh­men „Stadt­mo­bil“hat zum „Schnup­per­kurs“in Sa­chen Elek­tro­au­tos ge­la­den, 20 bis 30 In­ter­es­sier­te sind ge­kom­men und las­sen sich über Reich­wei­te („Ach, so we­nig“), Preis („Oh, so teuer“) und Mög­lich­kei­ten des „Strom-Tan­kens“(„Das geht aber lang­sam“) be­ra­ten. Wer möch­te, darf in dem knuffi­gen BMW i3 oder dem ty­pi­schen „Frau­en­au­to“Re­nault Zoe ein paar Run­den dre­hen. „Vor­sicht beim Gas­ge­ben“, ruft Stadt­mo­bil-Elek­tro­ex­per­te Tho­mas Graf ei­nem Pär­chen nach, als die­ses los­fährt. „Die Be­schleu­ni­gung ist ein biss­chen so wie bei ei­nem Renn­wa­gen.“Sechs Elek­tro­fahr­zeu­ge von „Stadt­mo­bil“sind mitt­ler­wei­le in der Fä­cher­stadt un­ter­wegs, „Geld ver­die­nen kön­nen wir da­mit noch nicht“, gibt Anja Orth, Mar­ke­ting­lei­te­rin des Car­sha­ring-Un­ter­neh­mens, of­fen­her­zig zu. „Aber wir se­hen uns als Vor­rei­ter und möch­ten un­se­ren Mit­glie­dern zu­min­dest zei­gen, wie so ein um­welt­freund­li­ches Au­to funk­tio­niert.“Die Stadt­mo­bil-Elek­tro­au­tos ha­ben ei­ne Reich­wei­te von un­ge­fähr 120 Ki­lo­me­tern, sind für Fern­stre­cken al­so nicht ge­eig­net. An be­tref­fen­den Sta­tio­nen be­fin­den sich La­de­säu­len, an der das Fahr­zeug nach je­der Bu­chung an­ge­schlos­sen und auf­ge­la­den wird. Das kann, je nach La­de­art und -sta­ti­on, auch mal meh­re­re St­un­den dau­ern. Raus aus dem Park­haus, rein ins Karls­ru­her „eMo­bi­li­täts­zen­trum“in der Ost­stadt, in dem un­ter an­de­rem das Un­ter­neh­men „Oran­geBi­keCon­cept“sei­nen Sitz hat. Ge­schäfts­füh­rer Stef­fen Kloiber zeigt stolz sei­ne be­ein­dru­cken­de Aus­wahl an in­no­va­ti­ven Elek­tro-Zwei- und Drei­rä­dern. Ob Pe­del­ec, Fun-Scoo­ter, Elek­tro-Drei­rad, Elek­tro-Ve­s­pa, E-Bi­ke, Elek­tro-Mo­tor­rä­der von Ze­ro Motor­cy­cles oder Speed-Pe­del­ecs: Hier gibt nichts, was es nicht gibt. „Der Hy­pe um Tes­la hilft auch uns“, sagt Kloiber. „Man wird jetzt ganz an­ders wahr­ge­nom­men. Frü­her ha­ben ei­ni­ge Au­to­bau­er über Tes­la ge­lacht, jetzt krie­gen sie plötz­lich Angst, weil sie se­hen, dass es funk­tio­niert.“Ge­grün­det wur­de das eMo­bi­li­täts­zen­trum Karls­ru­he im Sep­tem­ber 2011 als zen­tra­ler Be­stand­teil der Initia­ti­ve „Smar­ter Ci­ty“. „Da in der Re­gi­on nicht nur ei­ne her­aus­ra­gen­de For­schungs­in­fra­struk­tur exis­tiert, son­dern auch zahl­rei­che wich­ti­ge und in­no­va­ti­ve Un­ter­neh­men aus die­sem Be­reich an­säs­sig sind, ist Karls­ru­he als Stand­ort für ein eMo­bi­li­täts­zen­trum prä­des­den ti­niert“, sagt Oli­ver Wit­ze­mann von der „Wirt­schafts­för­de­rung Karls­ru­he“, die das Zen­trum ge­mein­sam mit den Stadt­wer­ken be­treibt. Die Zu­stän­dig­kei­ten schei­nen im Mo­ment noch nicht ein­deu­tig ge­re­gelt, „letzt­lich ist es aber im In­ter­es­se al­ler, dass ein sol­ches Zen­trum exis­tiert. Wer dies al­ler­dings mit wel­chen per­so­nel­len und fi­nan­zi­el­len Res­sour­cen künf­tig lei­ten wird, wird eben ge­ra­de in­tern dis­ku­tiert“, sagt Wit­ze­mann. Drau­ßen fährt in die­sem Mo­ment ein wei­ßer Tes­la vor. Mit al­len Ex­tras kos­tet der Wa­gen rund 150 000 Eu­ro, in der Gr­und­aus­stat­tung er­heb­lich we­ni­ger. Ian Kast­ner, Tes­la-Ver­trees ter für Karls­ru­he, bit­tet zur Pro­be­fahrt in dem Lu­xus­wa­gen, der sanft und voll­kom­men ge­räusch­los da­hin­glei­tet wie ein Lu­xus­wa­gen der ab­so­lu­ten Ober­klas­se, gleich­zei­tig aber be­schleu­nigt wie ein For­mel-1-Wa­gen. In den nächs­ten Ta­gen wird ein sol­ches Tes­la-Mo­dell auch im „eMo­bi­li­täts­zen­trum“aus­ge­stellt, In­ter­es­sen­ten für ei­ne Pro­be­fahrt gibt es schon jetzt sehr vie­le, es wer­den mit Si­cher­heit noch mehr wer­den, man rich­tet sich auf ei­nen gro­ßen An­sturm ein. Ob es im Au­to­bau­er­land Deutsch­land al­ler­dings je­mals ei­nen sol­chen Hy­pe wie in den USA ge­ben wird, darf den­noch be­zwei­felt wer­den.

Ei­ne der (we­ni­gen) Öko-Strom-Tank­stel­len in Karls­ru­he. Hier in der Tief­ga­ra­ge des ZKM kön­nen Elek­tro­au­tos „tan­ken“. Foto: Ar­tis

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