Finn­bo­ga­son macht Hoff­nung

Is­län­der sorgt für Augs­burgs 1:0-Sieg

Der Sonntag (Mittelbaden) - - Sport - Diet­mar Fuchs Mar­co Mader

Ein­tracht Frank­furt ver­liert im­mer mehr die Hoff­nung auf den Klas­sen­er­halt in der Bundesliga. „Wir ha­ben jetzt vier End­spie­le“, kom­men­tier­te Trai­ner Ni­ko Ko­vac die Si­tua­ti­on nach dem 0:3 (0:0) bei Cham­pi­ons-Le­ague-An­wär­ter Bay­er Leverkusen, der mit dem fünf­ten Er­folg in Se­rie oh­ne Ge­gen­tor an Her­tha BSC vor­bei­zog und auf Rang drei rück­te. Mit 27 Punk­ten sind die Hes­sen wei­ter Ta­bel­len-17. – doch weil die Kon­kur­renz in­klu­si­ve Bre­men (3:2 ge­gen Wolfsburg) durch­weg ge­wann, ist der Rück­stand auf Wer­der und den Re­le­ga­ti­ons­platz auf vier Zäh­ler an­ge­wach­sen. „Wir ste­hen ab­so­lut mit dem Rü­cken zur Wand“, be­merk­te der schei­den­de Ein­tracht-Vor­stands­chef He­ri­bert Bruch­ha­gen. Mehr und mehr müs­sen sich die Frank­fur­ter mit dem fünf­ten Ab­stieg nach 1996, 2001, 2004 und 2011 an­freun­den. „Jetzt müs­sen wir schau­en, dass wir am letz­ten Spiel­tag ein End­spiel krie­gen“, sag­te Ein­tracht-Ka­pi­tän Mar­co Russ. Bay­er da­ge­gen ist oben­auf. „Jo­ker“Ke­vin Kampl bei sei­nem ers­ten Ball­kon­takt in der 70. Mi­nu­te, Ju­li­an Brandt (76.) und Ka­rim Bel­la­ra­bi (90.) sorg­ten ges­tern für die Ein­stel­lung des Ver­eins­re­kords von fünf Er­fol­gen nach­ein­an­der oh­ne Ge­gen­tref­fer. Und für Kee­per Bernd Le­no be­deu­ten 564 Mi­nu­ten „zu null“den per­sön­li­chen Re­kord. „To­tal är­ger­lich“und „bru­tal“sei das Gan­ze, „weil al­le an­de­ren Kon­kur­ren­ten ge­punk­tet ha­ben“, be­merk­te Ein­tracht-Sport­di­rek­tor Bru­no Hüb­ner. Die Ein­tracht gab nach Kam­pls 1:0 nicht auf und hat­te durch Sz­abolcs Husz­ti und Da­vid An­gel Abra­ham zwei gu­te Aus­gleichs­chan­cen. Doch Brandt und Bel­la­ra­bi mach­ten mit dem 2:0 und 3:0 dann für Leverkusen al­les klar. Bruch­ha­gen in­des ver­sprach: „Wir wer­den die ge­rin­gen, aber noch vor­han­de­nen Chan­cen mit al­ler Macht zu nut­zen ver­su­chen.“

Mar­kus Wein­zierl hüpf­te über den Platz wie ein klei­nes Kind bei der Be­sche­rung, sein Kol­le­ge Jür­gen Kram­ny wand­te sich mit Grau­sen ab. Zwar hat Wein­zierls FC Augs­burg nach dem 1:0 (1:0) im zehn­ten Schwa­bender­by wie Kram­nys VfB Stutt­gart 33 Punk­te, die un­ter­schied­li­che Ge­fühls­la­ge der bei­den Trai­ner aber hat­te gu­te Grün­de. „Wenn man die an­de­ren Er­geb­nis­se sieht, war das ein ele­men­ta­rer Sieg“, sag­te Wein­zierl, der nach dem ers­ten Heim­sieg 2016 wie­der op­ti­mis­ti­scher in sei­ne wohl letz­ten vier Spie­le als FCA-Coach geht: „Die Jungs sind in­takt, das stimmt mich zu­ver­sicht­lich für die ent­schei­den­den Wo­chen.“Kram­ny da­ge­gen war be­dient. „Jetzt“, sag­te der VfB-Trai­ner, wäh­rend ein Augs­bur­ger Be­treu­er Land­jä­ger und Bröt­chen in die FCAKa­bi­ne trug, „jetzt geht“s um die Wurst.“Stutt­gart ist ei­ner der gro­ßen Ver­lie­rer des 30. Spiel­tags, nach nur ei­nem Sieg in den ver­gan­ge­nen neun Spie­len so­wie fünf Be­geg­nun­gen oh­ne Drei­er rutsch­te der fünf­ma­li­ge Meis­ter von Platz zwölf auf 15 ab. Sport­vor­stand Ro­bin Dutt schimpf­te über ei­ne „ab­so­lut in­ak­zep­ta­ble Leis­tung“. Kram­nys Plan, Augs­burg mit zwei Stür­mern an­zu­lau­fen und so in Pres­sing­si­tua­tio­nen zu kom­men, schlug fehl. Der FCA ent­zog sich durch ge­schick­tes Ver­la­gern dem Zu­griff. Win­ter­zu­gang Al­f­red Finn­bo­ga­son be­lohn­te den cou­ra­gier­ten Auf­tritt nach ei­nem schwe­ren Pat­zer von Ge­org Nie­der­mei­er mit sei­nem fünf­ten Tref­fer (36.) zum sieb­ten Sieg ge­gen Stutt­gart hin­ter­ein­an­der. „So“, pol­ter­te Dutt, „darf man sich nicht hän­gen las­sen.“Das sa­hen auch die VfB-Fans so, die ih­re Mann­schaft nach dem Spiel mit gel­len­den Pfif­fen emp­fin­gen. Ge­gen Dort­mund am kom­men­den Sams­tag, be­ton­te Dutt, sei der VfB so „oh­ne je­de Chan­ce“. Da­nach ste­hen noch Gast­spie­le in Bre­men und Wolfsburg an, am vor­letz­ten Spiel­tag kommt Mainz. „Der Trai­ner muss jetzt kla­re Wor­te fin­den“, for­der­te Dutt. We­gen der Aus­fäl­le von Ke­vin Groß­kreutz, Ge­off­roy Se­rey Die, Da­ni­el Ginc­zek und in Augs­burg auch Lu­kas Rupp müs­se das Team „en­ger zu­sam­men­rü­cken“. Kram­ny selbst will nach dem „Auf­we­cker“für Stutt­gart wie­der „Feu­er rein­brin­gen“. Kram­nys Kol­le­ge Wein­zierl kann sich über man­geln­de Auf­merk­sam­keit nicht be­schwe­ren, zu­letzt war der heiß be­gehr­te Coach im­mer wie­der in den Schlag­zei­len. Sein Ab­schied zum Sai­son­en­de scheint trotz Ver­tra­ges bis 2019 si­cher. Er sprach am Sams­tag da­von, er wol­le in Augs­burg „noch vier Spie­le po­si­tiv

Beim VfB Stutt­gart geht wie­der die Angst um

ge­stal­ten“. Dann ist er weg. Dass er Augs­burg als Bun­des­li­gist ver­lässt, da­für spricht nach zwei Sie­gen in Se­rie so man­ches – auch we­gen Finn­bo­ga­son. Der coo­le Is­län­der brauch­te nur zehn Spie­le für sei­ne fünf To­re und zwei Vor­la­gen.

Hat der Ka­pi­tän schon re­si­gniert? Mar­co Russ nach der Frank­fur­ter 0:3-Plei­te in Leverkusen. Der Rück­stand zu Re­le­ga­ti­ons­platz 16 ist in­zwi­schen auf vier Punk­te an­ge­wach­sen. Foto: avs

Schein­bar rat­los: Alex­an­dru Ma­xim steckt mit dem VfB Stutt­gart tief im Ab­stiegs­kampf. Foto: avs

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