„Hel­din des All­tags“

93-Jäh­ri­ge pflegt seit 70 Jah­ren schwer­be­hin­der­ten Sohn

Der Sonntag (Mittelbaden) - - AKTUELL - Avs/SO

Am En­de des Zwei­ten Welt­kriegs trifft das Schick­sal Emi­lie Bau­er er­bar­mungs­los. Der Mann ist als Sol­dat an der Front und sie flieht al­lein mit zwei klei­nen Kin­dern aus Bes­sa­ra­bi­en Rich­tung Wes­ten. Auf der Flucht er­kran­ken der zwei­ein­halb­jäh­ri­ge Sohn und die ge­ra­de mal sechs Mo­na­te al­te Toch­ter an ei­ner lebensbedrohlichen Hirn­haut­ent­zün­dung. Ärz­te und Me­di­ka­men­te feh­len, ihr Sohn wird schwer be­hin­dert. Emi­lie Bau­er pflegt ihn seit­her al­lein da­heim. Seit 70 Jah­ren – oh­ne frem­de Hil­fe oder staat­li­che Un­ter­stüt­zung. Sie selbst ist mitt­ler­wei­le 93. Mi­nis­ter­prä­si­dent Win­fried Kret­sch­mann ehr­te Emi­lie Bau­er ges­tern als „Hel­din des All­tags“Für ih­re Ver­diens­te für das Land Ba­denWürt­tem­berg hat Kret­sch­mann ins­ge­samt 22 Men­schen mit den Ver­dienst­or­den aus­ge­zeich­net. Die Aus­zeich­nung wur­de eben­so pro­mi­nen­ten Vor­bil­dern wie Fuß­ball-Star Sa­mi Khe­di­ra wie auch For­schern, Ver­eins- vor­sit­zen­den, Flücht­lings­hel­fern oder Tier­schüt­zern ver­lie­hen. Trä­ge­rin des Or­dens ist jetzt auch Re­na­te Ra­stät­ter aus Karls­ru­he. Die Stadt­rä­tin, die drei Wahl­pe­ri­oden lang Grü­nen-Ab­ge­ord­ne­te im Land­tag war, wid­met sich un­ter an­de­rem als Mit­glied des Bei­ra­tes der Le­bens­hil­fe Karls­ru­he, Ett­lin­gen und Um­ge­bung, Fra­gen der früh­kind­li­chen Er­zie­hung und der schu­li­schen In­klu­si­on be­hin­der­ter Kin­der. Zu­dem ist sie im Tier­schutz ak­tiv. Der Ver­dienst­or­den wird ein­mal im Jahr bei ei­nem Fest­akt ver­lie­hen – die Zahl der Or­dens­trä­ger ist auf 1 000 le­ben­de Per­so­nen be­grenzt.

Ver­dienst­or­den auch für Re­na­te Ra­stät­ter

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