Le­se­stoff

Der Sonntag (Mittelbaden) - - TIPPS & THEMEN - Avs

An ei­nem lau­en Som­mer­abend ver­lässt Tho­mas Frau und Kin­der. Ein­fach so, wie ne­ben­bei, als ob es das Selbst­ver­ständ­lichs­te von der Welt wä­re. „Tho­mas stand auf und ging auf dem schma­len Kies­weg am Haus ent­lang. An der Ecke an­ge­langt, zö­ger­te er ei­nen Au­gen­blick, dann bog er mit ei­nem er­staun­ten Lä­cheln, das er mehr wahr­nahm als emp­fand, zum Gar­ten­tor ab“, schreibt Pe­ter Stamm in sei­nem Ro­man „Weit über das Land“. Ein Ver­schwin­den, dem kein Streit vor­aus­ging, das von kei­nem Ab­schieds­brief und kei­nen Trä­nen be­glei­tet wird, ein Ver­schwin­den, das rät­sel­haft und un­er­klär­lich scheint. Es wird auch im Wei­te­ren nicht groß er­klärt. Pe­ter Stamm geht es nicht dar­um, die Ver­gan­gen­heit des Ehe­paa­res zu ent­hül­len, die mög­li­chen Grün­de auf­zu­de­cken, die zu dem plötz­li­chen Ab­tau­chen von Tho­mas führ­ten. Ihn in­ter­es­siert nicht so sehr das Da­vor, son­dern das Da­nach. Wie er­lebt Tho­mas sei­ne Flucht und wie geht sei­ne Frau As­trid mit dem Ver­schwin­den, der plötz­li­chen Leer­stel­le in ih­rem Le­ben um? Im Wech­sel er­zählt Stamm aus Tho­mas’ und aus As­trids Per­spek­ti­ve. In die­sem sorg­fäl­tig kom­po­nier­ten Buch er­scheint nur der Schluss all­zu mär­chen­haft.

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