Ge­fähr­li­cher Pilz

Dem Feu­er­sa­la­man­der geht es gar nicht mehr gut

Der Sonntag (Mittelbaden) - - TIPPS & THEMEN - Avs

Es soll ei­ne gu­te Feu­er­sa­la­man­derNacht wer­den – für die Ei­fel ist Re­gen an­ge­kün­digt. Lutz Dal­beck wird kurz vor Ein­bruch der Dun­kel­heit sei­ne Gum­mi­stie­fel pa­cken und raus­fah­ren. Im Licht­ke­gel sei­ner Ta­schen­lam­pe sucht er dann nach Feu­er­sa­la­man­dern. Die Weib­chen set­zen in die­sen Wo­chen in den obe­ren stil­len Be­rei­chen klei­ner Bä­che ih­re Lar­ven ab – mit Vor­lie­be bei war­mem Re­gen­wet­ter. Dal­beck kennt die­se Stel­len in der Ei­fel. Wenn es gut läuft und er vie­le Tie­re fin­det, wird er sich die gan­ze Nacht um die Oh­ren schla­gen. Mit Wat­te­stäb­chen wird er bei so vie­len Tie­ren wie mög­lich über die Haut strei­chen und so Pro­ben für spä­te­re Ana­ly­sen im La­bor ge­win­nen. Aber er be­fürch­tet Übles. Bei sei­nem letz­ten Streif­zug hat er ge­ra­de mal ein ein­zi­ges Tier ge­fun­den, von dem er ei­ne Pro­be neh­men konn­te. Schon im ver­gan­ge­nen Jahr war die Si­tua­ti­on schlecht: „2013 und 2014 hat­ten wir gro­ße und vi­ta­le Po­pu­la­tio­nen, von de­nen schon 2015 nichts mehr zu se­hen war.“Kein Sa­la­man­der, kei­ne Lar­ve. Das be­traf Ge­bie­te ganz in der Nä­he von Bel­gi­en – was die schlim­men Be­fürch­tun­gen der Ex­per­ten nährt. In den Nie­der­lan­den hat der töd­li­che Haut­pilz Ba­tra­choch­y­tri­um sa­la­man­d­ri­vor­ans (Bsal) den Feu­er­sa­la­man­der in den letz­ten Jah­ren bei­na­he aus­ge­rot­tet. In Bel­gi­en ist die Po­pu­la­ti­on völ­lig ein­ge­bro­chen. „Wir be­fürch­ten, dass auch hier in der Ei­fel der Be­stand völ­lig zu­sam­men­bricht“, sagt Dal­beck, Am­phi­bi­en-Ex­per­te der Bio­lo­gi­schen Sta­ti­on Dü­ren. Im ver­gan­ge­nen Jahr war der Pilz zum ers­ten Mal in Deutsch­land an Feu­er­sa­la­man­dern im Frei­land fest­ge­stellt wor­den: in der Ei­fel an der bel­gi­schen Gren­ze. „Es spricht schon ei­ni­ges da­für, dass er sich aus­brei­tet“, sagt auch der Trie­rer Geo­bio­lo­ge Ste­fan Löt­ters. Die Bio­lo­gi­schen Sta­tio­nen Aa­chen und Dü­ren füh­ren mit den Unis Tri­er und Braun­schweig seit 2014 Feu­er­sa­la­man­der-Mo­ni­to­rings in der Ei­fel an der Gren­ze zu Bel­gi­en durch. Die zen­tra­len Fra­gen: Bricht der Be­stand ein oder ist er sta­bil? Da­zu zäh­len die Ex­per­ten die Lar­ven in den Bä­chen. Und der Pilz, brei­tet er sich aus? Da­zu neh­men die For­scher von den schwarz-gelb leuch­ten­den Tie­ren Ab­stri­che von der Haut. Fach­leu­te ge­hen da­von aus, dass der töd­li­che Haut­pilz über den Han­del mit Tie­ren aus Asi­en ein­ge­schleppt wur­de. Der ers­te Fall in Deutsch­land war bei ei­nem Züch­ter be­kannt ge­wor­den, dem die Tie­re im Ter­ra­ri­um weg­star­ben. In Ge­fahr sind nach An­ga­ben des NRW-Um­welt­am­tes nicht nur die präch­ti­gen Feu­er­sa­la­man­der, son­dern auch Schwanzlur­che wie Berg- und Teich­molch. Im bel­gi­schen Grenz­ge­biet hat­ten die Be­hör­den in den letz­ten Jah­ren Wan­de­rer auf Schil­dern er­mahnt, ih­re Schu­he vor ei­ner Wan­de­rung in ei­nem an­de­ren Ge­biet gut trock­nen zu las­sen, um den Pilz nicht zu ver­schlep­pen. Auch in Nord­rhein-West­fa­len hat das Lan­des­um­welt­amt in­for­miert. „Wir do­ku­men­tie­ren, was jetzt pas­siert“, sagt Dal­beck. Er ar­bei­tet seit vie­len Jah­ren im Am­phi­bi­en­schutz. Der Feu­er­sa­la­man­der war vor­her in der Re­gi­on nie ein Sor­gen­kind, wie er sagt. Für den Bio­lo­gen ist es ein fast un­er­träg­li­cher Ge­dan­ke, dass der Mensch den Pilz ein­ge­schleppt hat. „Den Am­phi­bi­en geht es ja ge­ne­rell sehr schlecht. Und dann kommt das noch!“Das macht ihn hör­bar wü­tend.

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