Mo­der­ne Spiel­leu­te

Die Rock­band Sal­ta­tio Mor­tis aus Karls­ru­he be­geis­tert die Mas­sen

Der Sonntag (Mittelbaden) - - Erste Seite - Wolf­gang We­ber

In Wa­cken wa­ren sie schon – wo die Mu­si­ker um Schlag­zeu­ger Ti­mo Gleich­mann ali­as Las­ter­balk der Läs­ter­li­che noch ger­ne auf­tre­ten wür­den,

Es ist schon ein biss­chen ei­gen­ar­tig: Da gibt es ei­ne Band, die sich in 16 Jah­ren kon­ti­nu­ier­lich nach oben ge­spielt hat, die be­reits zwei Num­mer-1-Al­ben ver­öf­fent­licht hat, die übe­r­all in Deutsch­land in aus­ver­kauf­ten Hal­len spielt, die beim größ­ten Hea­vy-Me­tal-Fes­ti­val der Welt in Wa­cken vor 8 5000 Zu­schau­ern be­geis­ter­te – doch aus­ge­rech­net in ih­rer Hei­mat­stadt füh­len sich Sal­ta­tio Mor­tis im­mer noch ein biss­chen wie der Pro­phet, der im ei­ge­nen Lan­de nichts gilt: „Seit vie­len Jah­ren be­wer­ben wir uns im­mer wie­der bei den Ver­an­stal­tern von ,Das Fest‘“, sagt Ti­mo Gleich­mann ali­as Las­ter­balk der Läs­ter­li­che, Schlag­zeu­ger und Song­wri­ter der Band. „Und seit Jah­ren gibt es im­mer wie­der Ab­sa­gen. Be­grün­dung: Wir wür­den nicht ins Pro­gramm pas­sen.“Wer weiß, vi­el­leicht än­dert sich das ja bald. Sven Var­sek, Pro­jekt­lei­ter von „Das Fest“, sag­te auf Nach­fra­ge des „SONN­TAG“, er be­ob­ach­te die Band schon seit län­ge­rer Zeit, und wer­de recht­zei­tig vor dem „Fest“im kom­men­den Jahr mit der Band Kon­takt auf­neh­men. Könn­te al­so durch­aus sein, dass der Wunsch der Karls­ru­her Ro­cker, end­lich mal vor dem hei­mi­schen Hü­gel auf­zu­tre­ten, doch noch in Er­fül­lung geht. Der­zeit sind Sal­ta­tio Mor­tis auf gro­ßer Deutsch­land­tour­nee, das Karls­ru­her Kon­zert am kom­men­den Frei­tag im Subs­ta­ge ist seit lan­gem aus­ver­kauft, am 17. De­zem­ber tre­ten Sal­ta­tio Mor­tis dann beim „Knock­ou­tFes­ti­val“in der Schwarz­wald­hal­le er­neut in ih­rer Hei­mat­stadt auf. „Un­se­re Ba­sis ist ganz klar Karls­ru­he“, sagt Ti­mo Gleich­mann im Ge­spräch mit dem „SONN­TAG“. „Hier le­ben ei­ni­ge von uns im­mer noch und un­ser Pro­ben­raum ist im Karls­ru­her Rhein­ha­fen.“1990 war Gleich­mann ali­as Las­ter­balk Mit­be­grün­der des Mit­tel­al­ter­ver­eins Ba­di­sche Sch­wert­spie­ler. Ziel des Ver­eins war es, mit­tel­al­ter­li­che Mu­sik zu ma­chen und da­zu zu tan­zen. Auf Mit­tel­al­ter­märk­ten traf man sich mit Gleich­ge­sinn­ten und ei­nes Tages, so er­zählt Du­del­sack­spie­ler „Falk Ir­men­fried von Ha­sen-Müm­mel­stein“ali­as Gun­ter Kopf, „be­geg­ne­te ich auf ei­ner Burg ein paar Men­schen, die ähn­li­che In­stru­men­te spiel- ten wie ich, aber al­le oh­ne Band wa­ren.“Das war im Jahr 2000, dem Ge­burts­jahr von Sal­ta­tio Mor­tis (was la­tei­nisch ist und To­ten­tanz be­deu­tet). Die Band ver­öf­fent­lich­te an­schlie­ßend ein Al­bum nach dem an­de­ren und trat im­mer häu­fi­ger nicht mehr nur auf Mit­tel­al­ter­kon­zer­ten, son­dern auch auf Rock-Fes­ti­vals oder in mit­tel­gro­ßen Hal­len auf. Für „nor­ma­le“Be­ru­fe blieb ir­gend­wann kei­ne Zeit mehr. Falk, der zu­vor zehn Jah­re lang Ge­schäfts­füh­rer ei­nes Karls­ru­her Co­mic-La­dens ge­we­sen war, gab die­sen Job auf und wid­me­te sich nur noch der Mu­sik. Und auch Ti­mo Gleich­mann merk­te, nach­dem er zu­nächst BWL und dann Psy­cho­lo­gie stu­diert hat­te, dass er ei­gent­lich viel lie­ber als Mu­si­ker ar­bei­ten wür­de - was er mit gro­ßer Freu­de tut. Groß ge­wor­den ist Gleich­mann als Ju­gend­li­cher mit Mu­sik von Queen, Ma­no­war, Me­tal­li­ca und Guns’n’Ro­ses. Wä­re er da­mit ein­ver­stan­den, wenn man die Mu­sik von Sal­ta­tio Mor­tis „ir­gend­wo zwi­schen den To­ten Ho­sen und den Po­gues“ein­ord­ne­te? „Durch­aus“, sagt er, „das kommt hin.“Die Tex­te stam­men zu et­wa 95 Pro­zent aus sei­ner Fe­der. „Schon die Spiel­leu­te im Mit­tel­al­ter hat­ten ei­ne po­li­ti­sche Funk­ti­on“, sagt der sym­pa­thi­sche Zwei-Me­ter-Mann mit den lan­gen Haa­ren. „Sie spra­chen in ih­ren Lie­dern Din­ge aus, die sich sonst nie­mand zu sa­gen trau­te.“Sich und sei­ne Band sieht er als „mo­der­ne Spiel­leu­te, die eben­falls den Mund auf­ma­chen.“Sang man zu Be­ginn der Kar­rie­re noch vie­le his­to­ri­sche Tex­te, be­han­deln die ak­tu­el­le­ren Lie­der vor­nehm­lich auch ak­tu­el­le Pro­ble­me. Im

Vom Mit­tel­al­ter­markt zum rie­si­gen Fes­ti­val

Lied „Wachs­tum über al­les“, ei­ner Per­si­fla­ge der Na­tio­nal­hym­ne, heißt es: „Wachs­tum, Wachs­tum über al­les, über al­les in der Welt, da­nach lasst uns al­le stre­ben, bis der letz­te Gro­schen fällt. Ei­tel­keit und Gier und Ego, sind es, was die Welt er­hält.“Dass an­schlie­ßend ein Lie­der­ma­cher wie Kon­stan­tin We­cker das da­zu­ge­hö­ri­ge Vi­deo in sei­nem Blog als Emp­feh­lung ver­link­te, kam schon fast ei­ner Ade­lung gleich. Wird man in Zei­ten von Down­loads und Strea­m­ing als Mu­si­ker mit Num­mer-1-Al­ben ei­gent­lich im­mer noch zum Groß­ver­die­ner? Ti­mo Gleich­mann lacht. „Aber nein, die­se Zei­ten sind vor­bei. Wir lie­gen weit un­ter dem Durch­schnitts­ein­kom­men der Deut­schen, Geld ver­die­nen kann man höchs­tens noch mit Live-Kon­zer­ten oder Mer­chan­di­sing.“Das sind ja durch­aus gu­te Aus­sich­ten für die Fans. So schnell wer­den Sal­ta­tio Mor­tis al­so nicht von den Büh­nen die­ser Welt ab­tre­ten.

Kon­stan­tin We­cker ou­te­te sich als Fan

Foto: Ro­bert Ei­kel­poth/Dirk Ru­dolph/Mon­ta­ge: SO

Foto: Ro­bert Ei­kel­poth

Ein biss­chen Zir­kus, ein biss­chen Sün­de und je­de Men­ge Mu­sik: Das sind Sal­ta­tio Mor­tis. Hin­ten links Schlag­zeu­ger Ti­mo Gleich­mann ali­as Las­ter­balk der Läs­ter­li­che, der fast al­le Tex­te der Band schreibt. Ih­re Al­ben „Das Schwar­ze 1 x 1“und „Zir­kus Zeit­geist“er­reich­ten Platz 1 in den deut­schen Charts.

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