Auf­ge­fal­len

Der Sonntag (Mittelbaden) - - AKTUELL - An­net­te Bor­chardt-Wen­zel

Man­cher glaub­te, er hö­re nicht rich­tig. Do­nald Trump, der US-Prä­si­dent­schafts­be­wer­ber mit der ein­drucks­vol­len Fri­sur, hat sich bei ei­ner Wahl­kampf­ver­an­stal­tung ver­bal ver­has­pelt. Und das aus­ge­rech­net in Zu­sam­men­hang mit dem ame­ri­ka­ni­schen Trau­ma vom 11. Sep­tem­ber 2001, kurz 9/11 („ni­ne ele­ven“) ge­nannt. Lo­ben woll­te er sie, die Po­li­zis­ten und Feu­er­wehr­män­ner, „die groß­ar­tigs­ten Men­schen“, die nach den Ter­ror­an­grif­fen am World Tra­de Cen­ter im Ein­satz wa­ren. Nur sprach Trump nicht von „ni­ne ele­ven“, son­dern von „se­ven ele­ven“– und 7-Ele­ven steht für ei­ne der größ­ten Su­per­markt­ket­ten der Welt. War es ei­ne Freud’sche Fehl­leis­tung? Hat sein Un­ter­be­wusst­sein Do­nald Trump ei­nen Streich ge­spielt – wo­mög­lich weil er in der Su­per­markt-Kund­schaft ein be­son­de­res Wäh­ler­po­ten­zi­al ver­mu­tet? Oder hat­te er ge­ra­de sol­chen Hun­ger, dass er am liebs­ten in die nächst ge­le­ge­ne 7-Ele­ven-Fi­lia­le ge­stürmt wä­re? Egal, ver­spro­chen ist ver­spro­chen. Und wenn ein pa­trio­ti­scher Laut­spre­cher wie Do­nald Trump sich ei­nen sol­chen Schnit­zer leis­tet, bleibt der ga­ran­tiert nicht un­kom­men­tiert. So ätz­te et­wa Hol­ly­wood-Star Sal­ma Hay­ek: „Ich bin ei­ne leg­as­the­ni­sche Me­xi­ka­ne­rin, und Eng­lisch ist mei­ne Zweit­spra­che. Trotz­dem ver­wech­se­le nicht ein­mal ich 7/11 mit 9/11“. Kri­tik hin, bis­si­ge Kom­men­ta­re her – im Zwei­fels­fall kann sich Do­nald Trump dar­an auf­rich­ten, dass vor ihm schon an­de­re Po­li­ti­ker in Fett­näpf­chen ge­tre­ten sind, oh­ne dass ih­re Kar­rie­re Scha­den ge­nom­men hät­te. Le­gen­där sind die Ver­spre­cher des Ge­or­ge W. Bush. Der hat­te ja so­gar recht, als er fest­stell­te: „Die gro­ße Mehr­zahl un­se­rer Im­por­te kommt von au­ßer­halb des Lan­des“. Ziem­lich ge­schluckt ha­ben dürf­ten die Zu­hö­rer hin­ge­gen, als der US-Prä­si­dent ei­ne har­te Vor­ge­hens­wei­se im Kampf ge­gen den welt­wei­ten Ter­ro­ris­mus for­der­te und be­teu­er­te: „Da ha­be ich gar kei­nen Zwei­fel, gar kei­nen Zwei­fel, dass wir schei­tern wer­den“. Wie­der­ge­wählt wur­de Bush trotz­dem. Trotz­dem – 7/11 war pein­lich. Doch die Spra­che dürf­te es Trump kaum ver­schla­gen, auch wenn es jetzt heißt, dass sei­ne Be­ra­ter ihm ei­nen Image­wech­sel ver­ord­net ha­ben. Se­riö­ser soll er wer­den, prä­si­dia­ler. Trumps Pro­blem da­bei ist nur, dass sei­ne An­hän­ger ihn ge­ra­de we­gen des Ver­spre­chens, an­ders zu sein, lie­ben. Sie fah­ren auf die Sprü­che ab, die der Kan­di­dat im Kampf ums Wei­ße Haus in die Welt setzt. Sprü­che, die lei­der kei­ne Ver­spre­cher sind.

Ver­spro­chen ist ver­spro­chen

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