Das Wort zum Sonn­tag

Der Sonntag (Mittelbaden) - - DIE REGION - von Ga­b­rie­le Hug, Pfar­re­rin an der Chris­tus­kir­che Karls­ru­he

Kan­ta­te! Singt! Das ist der Leit­ge­dan­ke des heu­ti­gen Sonn­tags. Und wäh­rend ich die­se Zei­len schrei­be, leuch­tet ein tief­blau­er Him­mel wie frisch ge­putzt über knall­ro­sa ja­pa­ni­schen Kir­schen und dem auf­blü­hen­den Flie­der – ein Wetter in der Tat zum Ju­bi­lie­ren, um laut­hals fröh­li­che Lie­der zu sin­gen und sich an all der ver­strö­men­den Kraft des Früh­lings zu freu­en, so wie in dem schö­nen Lied „Geh aus, mein Herz und su­che Freud in die­ser lie­ben Som­mer­zeit an dei­nes Got­tes Ga­ben“. Ich weiß um die Sor­gen und Nö­te der Welt, um trau­ri­ge oder gar ver­zwei­fel­te Men­schen, de­nen in ih­rem Schmerz und ih­rer Be­dro­hung die Pracht der er­wa­chen­den Na­tur nicht wei­ter hilft. Aber vi­el­leicht die Mu­sik. Wie vie­le Ge­schich­ten ken­nen wir, von ge­sun­ge­nen Cho­rä­len in Ge­fäng­nis­zel­len und in La­gern, an Kran­ken­bet­ten und in Ster­be­zim­mern. Ge­ra­de dann kann die Mu­sik, kön­nen Lie­der ih­re ganz ei­ge­ne, kaum zu be­schrei­ben­de Kraft ent­fal­ten. Sie trös­ten, rich­ten auf, über­schrei­ten das Jetzt und Hier und stär­ken die ver­wun­de­ten See­len. Wie oft ha­be ich er­lebt, dass ein Lied den letz­ten schwie­ri­gen Ab­schied ei­nes Men­schen al­le be­ru­higt, den Ster­ben­den eben­so wie die An­ge­hö­ri­gen. Über die ver­bin­den­de Wir­kung der Mu­sik ist schon so viel ge­sagt wor­den, un­ter Ge­ne­ra­tio­nen und Völ­kern und über­haupt. Um­so trau­ri­ger fin­de ich die re­gel­mä­ßig wie­der­keh­ren­den Nach­rich­ten, dass im­mer we­ni­ger ge­sun­gen wird – und dem gilt es, die Macht der Tö­ne selbst ent­ge­gen­zu­set­zen. Al­so sin­ge ich: mit den Kin­dern im Kin­der­gar­ten, in der Schu­le, im Se­nio­ren­kreis – und na­tür­lich mit vie­len an­de­ren im Got­tes­dienst. Zum Lob Got­tes und dem Wohl von uns Men­schen.

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