Fürst­li­ches Bio­top

Elf Fle­der­maus-Ar­ten sind im Hei­del­berg Schlossare­al be­hei­ma­tet

Der Sonntag (Mittelbaden) - - Die Region - Mt

Schloss Hei­del­berg ist nicht nur ein Kul­tur­denk­mal, son­dern auch ein aus­ge­wie­se­nes Bio­top: Die Rui­ne, die je­des Jahr das Ziel von mehr als ei­ner Mil­li­on Be­su­chern ist, be­her­bergt die größ­te Fle­der­maus­ko­lo­nie Nord­ba­dens. Wie aber kann man die In­ter­es­sen der Men­schen mit den­je­ni­gen der streng ge­schütz­ten Tie­re in der ehe­ma­li­gen kur­fürst­li­chen Re­si­denz in Ein­klang brin­gen? Re­gel­mä­ßig ist die Bio­lo­gin Bri­git­te Heinz von der Ko­or­di­na­ti­ons­stel­le für Fle­der­maus­schutz vor Ort – als Re­fe­ren­tin, die die Mit­ar­bei­ter der Staat­li­chen Schlös­ser und Gär­ten (SSG) schult, und als Füh­re­rin durch die Fle­der­maus­quar­tie­re. „Dass Schloss Hei­del­berg ein so ein­zig­ar­ti­ges Bio­top ist, re­sul­tiert aus

Bau­ar­bei­ten mit Rück­sicht auf die Tie­re

sei­ner Ge­schich­te und ist Teil sei­ner Be­deu­tung“, sagt SSG-Chef Micha­el Hörr­mann: „Da­her ist das auch ein The­ma, das wir den Gäs­ten im Schloss prä­sen­tie­ren.“Für Fle­der­mäu­se ist das Hei­del­ber­ger Schloss das be­deu­tends­te nord­ba­di­sche Win­ter­quar­tier, in den Som­mer­mo­na­ten wird es über­dies ein Treff­punkt für die Zwerg­fle­der­mäu­se der Re­gi­on: Im Ju­li und Au­gust „schwär­men“nachts un­zäh­li­ge Fle­der­mäu­se aus der gan­zen Um­ge­bung ein, um die Jung­tie­re mit den Win­ter­hang­plät­zen ver­traut zu ma­chen. Zu den wich­tigs­ten Über­win­te­rungs­plät­zen zäh­len die Kase­mat­ten so­wie die Kel­ler, Tür­me und Gän­ge. Ins­be­son­de­re im Be­reich des Hirsch­gra­bens und des Al­tans, der West- und Ost­ka­se­mat­te, im Ge­spreng­ten Turm, Tor­turm, Lud­wigs­bau, Glä­ser­nen Saal­bau und Glo­cken­turm so­wie im Eng­li­schen Bau hän­gen die Tie­re in Mau­er­fu­gen und klei­nen De­cken­lö­chern. Um die sen­si­blen Fle­der­mäu­se so we­nig wie mög­lich zu stö­ren, sind die­se Be­rei­che weit­ge­hend für den Pu­bli­kums­ver­kehr ge­sperrt. Um den Le­bens­raum der un­ter Ar­ten­schutz ste­hen­den Tie­re zu schüt­zen, lässt man vie­le Mau­er­spal­ten un­ver­putzt – sie die­nen nicht nur den Fle­der­mäu­sen als Quar­tier, son­dern wer­den auch von Am­phi­bi­en und Rep­ti­li­en ge­nutzt. Das Amt Mann­heim und Hei­del­berg von Ver­mö­gen und Bau Ba­den-Würt­tem­berg plant al­le Bau­ar­bei­ten am Hei­del­ber­ger Schloss so, dass zwi­schen Mit­te Ok­to­ber und Mit­te April Ru­he herrscht: Der Win­ter­schlaf der Fle­der­mäu­se ist stör­an­fäl­lig und muss ge­schützt wer­den. Bei al­len Sa­nie­rungs­maß­nah­men auf dem Schloss­ge­län­de wird Bri­git­te Heinz, die auch für die bio­lo­gi­sche Bau­be­glei­tung zu­stän­dig ist, von den Staat­li­chen Schlös­sern und Gär­ten zu Ra­te ge­zo­gen. Be­reits seit Mit­te des 19. Jahr­hun­derts ist die Be­deu­tung der Hei­del­ber­ger Schloss­an­la­ge als Som­mer- und Win­ter­quar­tier für Fle­der­mäu­se be­kannt. Vor al­lem die Zwerg­fle­der­maus und das Gro­ße Mau­s­ohr ha­ben sich hier an­ge­sie­delt. Die Zwerg­fle­der­maus ist nur we­ni­ge Zen­ti­me­ter groß und passt mit an­ge­leg­ten Flü­geln in ei­ne Streich­holz­schach­tel. Das Leicht­ge­wicht un­ter den ein­hei­mi­schen Fle­der­mäu­sen wiegt nur et­wa so viel wie zwei Stück Wür­fel­zu­cker. Das Gro­ße Mau­s­ohr hin­ge­gen ist mit ei­ner Flü­gel­spann­wei­te von 40 Zen­ti­me­tern die größ­te hei­mi­sche Fle­der­maus­art. Nicht nur in den Ge­mäu­ern, auch im Schloss­gar­ten sind Fle­der­mäu­se zu fin­den, zum Bei­spiel der Abend­seg­ler und die Breit­flü­gel­fle­der­maus, die in Baum­höh­len le­ben. Ins­ge­samt sind im Schlossare­al elf Fle­der­maus­ar­ten be­hei­ma­tet; un­ge­fähr 1 000 Tie­re le­ben nach den Zäh­lun­gen der Fach­leu­te und Na­tur­schüt­zer im Hei­del­ber­ger Schlossare­al.

In Mau­er­fu­gen des Hei­del­ber­ger „hän­gen“Fle­der­mäu­se „ab“. Schlos­ses Fo­to: SSG

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