Den An­fang mach­ten Ver­ei­ne

Buch der Ba­di­schen Hei­mat über Na­tur­schutz

Der Sonntag (Mittelbaden) - - Die Region - An­net­te Bor­chardt-Wen­zel

Na­tur­lie­be ist die Wur­zel der Va­ter­lands­lie­be“, sag­te im Jahr 1910 Kon­rad Gün­ther, der als ei­ne maß­geb­li­che Fi­gur im ba­di­schen Na­tur­schutz wirk­te. Der Zoo­lo­ge sah den sich da­mals erst eta­blie­ren­den Na­tur­schutz in en­gem Zu­sam­men­hang mit dem Hei­mat­schutz. Bei­de ent­wi­ckel­ten sich un­ter dem Ein­druck von ge­wal­ti­gen Ve­rän­de­run­gen, die mit der In­dus­tria­li­sie­rung ein­her­gin­gen. Es wa­ren bür­ger­li­che Ver­ei­ne, die sich um 1900 für den Na­tur- und Hei­mat­schutz stark mach­ten. Zu ih­nen ge­hör­te auch der Lan­des­ver­ein „Ba­di­sche Hei­mat“. Heu­te ist die „Ba­di­sche Hei­mat“vor al­lem als „Ge­schichts­ver­ein“be­kannt, der flei­ßig zu his­to­ri­schen The­men pu­bli­ziert – doch zu den Ver­eins­zie­len ge­hör­te von An­fang an, „für den Schutz der hei­mi­schen Land­schaft, ih­rer Kunst- und Na­tur­denk­ma­le, ih­rer Tier- und Pflan­zen­welt zu sor­gen“. Jetzt ist in der Schrif­ten­rei­he des Lan­des­ver­eins ein 288 Sei­ten star­ker Band er­schie­nen, in dem sach­kun­di­ge Au­to­ren die Ge­schich­te und Per­spek­ti­ven des Na­tur­schut­zes in Ba­den dar­stel­len. Da­bei wird auch die Rol­le der „Ba­di­schen Hei­mat“bei der Ent­ste­hung des Na­tur­schutz­ge­dan­kens be­leuch­tet – und kei­nes­wegs ver­brämt, dass vie­les, was ih­re Prot­ago­nis­ten for­mu­lier­ten, durch­aus an­schluss­fä­hig an die NS-Ideo­lo­gie war. Deut­lich wird in den Bei­trä­gen, dass die Ge­schich­te des Na­tur­schut­zes in Ba­den von vie­len Rück­schlä­gen be­glei­tet war. Von Po­li­ti­kern wur­de der Na­tur­schutz dem­nach nur wi­der­wil­lig als staat­li­che Auf­ga­be an­er­kannt. Erst 1935 er­fuhr er ei­ne – ideo­lo­gisch mo­ti­vier­te – Auf­wer­tung durch das Reichs­na­tur­schutz­ge­setz. Nach 1945 spiel­te der Na­tur­schutz zu­nächst ei­ne be­schei­de­ne Rol­le. Be­gin­nend mit dem Kampf um die Wut­ach­schlucht wur­de sei­ne Be­deu­tung dann – durch Ver­ei­ne – er­neut be­wusst ge­macht. Seit den 1970er Jah­ren ver­stärk­ten Ver­bän­de, die sich ganz dem Na­tur- und Um­welt­schutz wid­me­ten, durch pro­fes­sio­nel­le Öf­fent­lich­keits­ar­beit den Druck auf die Po­li­tik. In den Pu­bli­ka­tio­nen der Ba­di­schen Hei­mat fand die al­ter­na­ti­ve (und oft als post­links emp­fun­de­ne) Be­we­gung frei­lich kaum Nie­der­schlag. Für Gün­ther Rei­chelt, den Haupt­au­tor des Ban­des – der Pro­fes­sor ist selbst im Lan­des­na­tur­schutz­ver­band so­wie im BUND ak­tiv – steht fest, dass die ei­gent­lich staat­li­chen Auf­ga­ben des Na­tur­schut­zes oh­ne die Mit­wir­kung der Ver­bän­de heu­te kaum mehr be­wäl­tigt wer­den könn­ten. Und dass zum Er­halt der na­tür­li­chen Res­sour­cen ei­ne wie­der zu­neh­men­de Auf­merk­sam­keit mün­di­ger Bür­ger un­ab­ding­bar sei.

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