Ei­ne neue Chan­ce für al­te Hü­te

Stars von Bo­gart bis Bo­wie tru­gen Bor­sa­li­no-Hü­te aus Nord­ita­li­en – jetzt soll die Mar­ke ein jün­ge­res Image be­kom­men

Der Sonntag (Mittelbaden) - - Mode & Still - Cé­li­ne Cor­nu

Hum­phrey Bo­gart trug ei­nen in „Cas­ablan­ca“, Har­ri­son Ford hat­te als In­dia­na Jo­nes ei­nen auf dem Kopf und auch Micha­el Jack­son und Da­vid Bo­wie lieb­ten sie: Die Filz­hü­te von Bor­sa­li­no. Die Hü­te sind seit Jahr­zehn­ten Kult. Ein Ma­na­ger hät­te das ita­lie­ni­sche Tra­di­ti­ons­un­ter­neh­men je­doch bei­na­he in den Ru­in ge­trie­ben. Un­ter Mar­co Ma­ren­co häuf­te Bor­sa­li­no Mil­lio­nen Schul­den an, schließ­lich tauch­te der we­gen Be­trugs und Steu­er­hin­ter­zie­hung ge­such­te Fir­men­chef un­ter. Ein Jahr nach­dem neue In­ves­to­ren Bor­sa­li­no über­nah­men, scheint die Zu­kunft des be­rühm­ten Hut­ma­chers nun ge­si­chert. Ein Be­such der 159 Jah­re al­ten Fa­b­rik im nord­ita­lie­ni­schen Ales­sandria ist wie ei­ne Rei­se in ver­gan­ge­ne Zei­ten. Zwei der Ma­schi­nen, die die Grün­der­fa­mi­lie Bor­sa­li­no dort 1857 auf­stell­te, sind noch im­mer in Be­trieb. Doch um ei­nen ech­ten Bor­sa­li­no her­zu­stel­len, sind we­ni­ger Ma­schi­nen, als ech­te Hand­werks­kunst nö­tig. „In der Pro­duk­ti­on ar­bei­ten et­wa 80 Leu­te und je­der Hut geht bei der Her­stel­lung durch 80 Paar Hän­de“, sagt Da­nie­la Co­na, ei­ne der Mit­ar­bei­te­rin­nen. 52 Ar­beits­schrit­te sind nö­tig, bis aus bel­gi­schem Ka­nin­chen­haar ein Filz­hut wird. „Das ist kei­ne me­cha­ni­sche Ar­beit wie am Fließ­band“, er­klärt Gio­van­ni Za­mir­ri, der für die end­gül­ti­ge Form der Hü­te ver­ant­wort­lich ist. „Je­der Hut braucht Auf­merk­sam­keit, für mich ist das ei­ne schö­ne Sa­che.“Seit 30 Jah­ren ar­bei­tet Za­mir­ri bei Bor­sa­li­no. In den ver­gan­ge­nen Mo­na­ten muss­ten er und sei­ne 113 Kol­le­gen um ih­re Ar­beits­plät­ze fürch­ten. „Jetzt sind wir auf der Ziel­ge­ra­den“, sagt Edouard Bur­rus, vom In­vest­ment­fonds Hae­res Equi­ta. Von den zwei Mil­lio­nen Hü­ten, die Bor­sa­li­no in den 1920ern jähr­lich her­stell­te, ist das Unternehmen zwar noch mei­len­weit ent­fernt. Doch die Ei­gen­tü­mer rech­nen für die­ses Jahr mit ei­nem Um­satz von 17 Mil­lio­nen Eu­ro – im Ver­gleich zu 15,5 Mil­lio­nen 2015. „Der­zeit pro­du­zie­ren wir 150 000 Hü­te im Jahr, die Nach­fra­ge aber liegt bei 220 000“, sagt Bur­rus. Die meis­ten Kun­den kom­men aus Eu­ro­pa und Ja­pan. Auch un­ter or­tho­do­xen Ju­den sind die Bor­sa­li­no-Hü­te sehr be­liebt, sie ma­chen rund zehn Pro­zent der Käu­fer aus. Die neu­en Ei­gen­tü­mer wol­len auch an­de­re Ziel­grup­pen an­spre­chen: jun­ge Män­ner und Frau­en. „Wir wol­len der Mar­ke ein jün­ge­res Image ver­pas­sen“, sagt Bur­rus. Der­zeit klin­ge Bor­sa­li­no nach „al­ter Schu­le“und Men­schen un­ter 25 Jah­ren wür­den die Mar­ke gar nicht ken­nen. Wer ei­nen Hut wie Alain De­lon oder Je­anPaul Bel­mon­do tra­gen will, muss je nach Mo­dell zwi­schen 200 und 600 Eu­ro aus­ge­ben. Manch­mal wer­de sie ge­fragt, war­um die Hü­te so teu­er sind, sagt Co­na. Durch die vie­le Hand­ar­beit sei­en es eben kei­ne Hü­te wie al­le an­de­ren, ant­wor­tet die Hut­ma­che­rin dann. Manch­mal kommt Co­na ihr Ar­beits­platz selbst vor wie ein Film­set aus den 1950er Jah­ren.

Bei Bor­sa­li­no ist vie­les Hand­werk: 52 Ar­beits­schrit­te sind not­wen­dig, bis aus bel­gi­schem Ka­nin­chen­haar ein Filz­hut ge­wor­den ist. Fo­to: AFP

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