Be­such im „Pan­da Val­ley“

Die Pro­vinz Si­chuan liebt das be­droh­te Wahr­zei­chen Chi­nas

Der Sonntag (Mittelbaden) - - Reise & Urlaue - Mag

Ja­ke Owens ist miss­trau­isch. Ge­ra­de erst sind ihn fran­zö­si­sche Tier­schüt­zer hart an­ge­gan­gen. Da­bei ist Owens da­für da, ei­ne be­droh­te Tier­art zu ret­ten. Der Um­welt­wis­sen­schaft­ler ar­bei­tet im „Pan­da Val­ley“in der chi­ne­si­schen Pro­vinz Si­chuan – und hier fan­gen die Pro­ble­me auch schon an. Die Oper und das Es­sen, das sind die Din­ge, mit de­nen man Si­chuan hier­zu­lan­de in Ver­bin­dung bringt – höchs­tens. Die Ein­hei­mi­schen frei­lich se­hen das an­ders: Si­chuan ist Pan­da-Land – un­über­seh­bar. Im Süd­wes­ten des Rie­sen­reichs, gleich an der Gren­ze zu Ti­bet, sind 80 Pro­zent al­ler Gro­ßen Pan­das zu Hau­se – doch das sind nicht mehr all­zu vie­le. Nach Ro­dun­gen für die Land­wirt­schaft, dem pe­ri­odisch wie­der­keh­ren­den Abst­er­ben der gro­ßen Bam­bus­wäl­der, Wil­de­rei und Pelz­han­del gibt es heu­te nur noch et­wa 2200 Gro­ße Pan­das, ob­wohl die Tie­re be­reits 1939 un­ter Schutz ge­stellt wur­den. Schnell eta­blier­ten sich Auf­zucht­sta­tio­nen – ein ro­tes Tuch für vie­le Tier­schutz­or­ga­ni­sa­tio­nen. Schon das Ein­gangs­por­tal der „Cheng­du Re­se­arch Ba­se of Gi­ant Pan­da Bree­ding“ist in Form ei­nes rie­si­gen Pan­das ge­stal­tet. Zwei Mil­lio­nen Pan­da-Freun­de be­su­chen die Auf­zucht­sta­ti­on na­he Si­chu­ans Pro­vinz­haupt­stadt Cheng­du je­des Jahr, mit 152 Tie­ren die größ­te des Lan­des. „Pan­das sind sehr scheue Tie­re“, gibt For­scher Owens an­ge­sichts der Be­su­cher­mas­sen zu. „Auch ist es hier, zu­min­dest im Som­mer, mit Tem­pe­ra­tu­ren über 30 Grad, ei­gent­lich zu warm für die Pan­das, die nor­ma­ler­wei­se in den Ber­gen le­ben.“Trotz­dem kann der Ame­ri­ka­ner die Auf­re­gung der Tier­schüt­zer nicht ver­ste­hen. Zwölf Ge­bur­ten gab es im ver­gan­ge­nen Jahr al­lein in der „Cheng­du Re­se­arch Ba­se“, wo man auf die Zucht spe­zia­li­siert ist – und das, ob­wohl Pan­daDa­men nur ein paar Ta­ge im Jahr frucht­bar sind und die Art all­ge­mein als sex­faul gilt. Tat­säch­lich be­müht sich die Re­gie­rung in­zwi­schen um den er­klär­ten Na­tio­nal­schatz, der längst zum Aus­hän­ge­schild ge­wor­den ist. Nach der jüngs­ten Zäh­lung des chi­ne­si­schen For­st­am­tes gibt es 1864 Pan­das in frei­er Wild­bahn, Hun­der­te le­ben in na­tio­na­len Auf­zucht­sta­tio­nen und Tier­parks, et­wa 50 sind auf Zoos in al­ler Welt ver­teilt – und das ist ein ein­träg­li­ches Ge­schäft. „Min­des­tens ei­ne Mil­li­on Dol­lar pro Jahr zah­len Zoos der chi­ne­si­schen Re­gie­rung, wenn sie ein Pan­da-Pär­chen be­her­ber­gen dür­fen“, er­klärt Xia Qi­nyun. Das paar­wei­se Pan­da-Lea­sing für bis zu zehn Jah­re ist längst zu ei­nem Po­li­ti­kum ge­wor­den. Chi­na ver­leiht die wert­vol­len Bä­ren an an­de­re Na­tio­nen als Be­loh­nung für Ge­schäfts­ab­schlüs­se, Ko­ope­ra­tio­nen und Frei­han­dels­ab­kom­men. Die Auf­la­gen der Pan­da-Di­plo­ma­tie sind streng: Kli­ma­ti­sier­te In­nen- und gro­ße Au­ßen­ge­he­ge sind Pflicht. Da­zu kommt, dass die drol­li­gen Tie­re den gan­zen Tag nichts an­de­res tun, als ge­müt­lich her­um­zu­sit­zen und fri­schen Bam­bus in sich hin­ein­zu­schie­ben. Von zehn bis 60 Ki­lo­gramm am Tag ist hier die Re­de, die manch ein Zoo teu­er ein­flie­gen las­sen muss. Chi­na nutzt die Ein­nah­men, um Pan­daRe­ser­va­te und Züch­tungs­pro­gram­me zu fi­nan­zie­ren. In den ver­gan­ge­nen zehn Jah­ren ist die Po­pu­la­ti­on der wild le­ben­den Tie­re laut chi­ne­si­scher Be­hör­den um rund 17 Pro­zent ge­wach­sen. Von 67 Schutz­ge­bie­ten be­fin­den sich die meis­ten in Si­chuan. Die Area­le sind un­wirt­lich – selbst für die Pan­das. Seit Be­ginn der Pan­da-Po­li­tik wur­den nur fünf Zucht­tie­re aus­ge­wil­dert, zwei ha­ben die neue Frei­heit nicht über­lebt. „Der Fo­kus lag bis­her auf der Zucht, ver­la­gert sich jetzt aber in Rich­tung Aus­wil­de­rung“, sagt Ja­ke Owens. Die letz­te, die die­ses Über­le­bens­trai­ning bra­vou­rös ab­sol­viert hat, ist Hua Jiao. Im ver­gan­ge­nen No­vem­ber wur­de die zwei­jäh­ri­ge Pan­da-Da­me in die Wäl­der von Si­chuan ent­las­sen. We­ni­ger ge­eig­ne­te Art­ge­nos­sen ge­nie­ßen in die­sem Al­ter noch die letz­ten Ta­ge im Mond- und Son­nen­schein-Kin­der­gar­ten der „Cheng­du Re­se­arch Ba­se“, um­sorgt und be­tüd­delt von zehn Wis­sen­schaft­lern. Doch auch die Kin­der­gar­ten­Pan­das tra­gen ih­ren Teil zur Er­hal­tung der Art bei: Wenn der Vor­hang auf­geht, tap­sen und rob­ben die Neu­ge­bo­re­nen als le­ben­de Fell­knäu­el durch das Stu­ben­bett­chen, um die Be­su­cher hin­ter der Glas­schei­be in Ver­zü­ckung zu ver­set­zen. Ein Un­wet­ter ist ein au­ßer­ge­wöhn­li­cher Um­stand. Ei­ne Air­line muss des­halb kei­ne Ent­schä­di­gung zah­len, wenn ein Flie­ger auf ei­nen an­de­ren Flug­ha­fen aus­wei­chen muss und sich die Rei­se so­mit deut­lich ver­zö­gert. So ur­teil­te das Land­ge­richt Darm­stadt (Az.: 7 S 52/15). In dem ver­han­del­ten Fall war die Klä­ge­rin von Frank­furt nach Kor­fu ge­flo­gen. Be­reits beim Start wuss­te man von ei­nem Ge­wit­ter über der grie­chi­schen In­sel. Die Ma­schi­ne konn­te nicht lan­den und flog nach Athen. Sie er­reich­te Kor­fu mit ei­ner Ver­spä­tung von mehr als vier St­un­den. Die Klä­ge­rin pran­ger­te an, dass das Flug­zeug nicht ge­nug Re­ser­ve­treib­stoff an Bord hat­te, um über Kor­fu War­te­schlei­fen zu flie­gen, bis die Lan­dung mög­lich war. Sie for­der­te da­her ei­ne Aus­gleichs­zah­lung nach EU-Recht. Doch das Ge­richt gab der Flug­ge­sell­schaft recht: Das Ge­wit­ter war ein au­ßer­ge­wöhn­li­cher Um­stand. Des­halb gibt es kei­ne Ent­schä­di­gung.

Drol­li­ge Ge­sel­len: In der chi­ne­si­schen Pro­vinz Si­chuan dreht sich al­les um die schwarz-wei­ßen Bä­ren. Im „Pan­da Val­ley“ver­sucht man, die Art vor dem Auss­ter­ben zu ret­ten. Fo­to: srt

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