Ge­bäck mit in­ne­ren Wer­ten

Glücks­kek­se aus Gon­dels­heim: Wie drei bo­den­stän­di­ge Ge­schwis­ter die Markt­füh­rer wur­den

Der Sonntag (Mittelbaden) - - Aktuell - Tho­mas Liebs­cher

Va­nil­le, ein­deu­tig. Es riecht stark nach Va­nil­le in die­sem Raum, in dem al­le ar­bei­ten­den Men­schen ei­ne Hau­be auf dem Kopf tra­gen. Im Zen­trum des gar nicht so gro­ßen Teils ei­ner Hal­le, fin­det sich das Herz­stück fürs klei­nes, aber mil­lio­nen­fach re­pro­du­zier­tes Glück: Die Back­an­la­ge für die ba­di­schen Glücks­kek­se. Nach­dem der Teig für das Ge­bäck mit Va­nil­le­ge­schmack an­ge­rührt ist, wird er durch Pum­pen in zwei Teil­for­men ge­spritzt. Der Glücks­keks, al­so das Ge­bäck, das ei­ne Bot­schaft auf Pa­pier ent­hält, ent­steht aus ei­ner ge­ba­cke­nen run­den Schei­be. Nach­dem der Teig in die­se Form ge­spritzt ist, wird er ge­ba­cken. Ein Greif­arm legt den Bot­schafts-Zet­tel auf die Teig­plat­te und so­fort wird der Glücks­keks ge­schlos­sen. Fer­tig ist das Spe­zi­al­pro­dukt mit im­mer glei­cher Form.

30 Mit­ar­bei­ter und ein Drei-Schicht-Be­trieb

Sie äh­nelt klei­nen di­cken Flü­geln, ei­nem Huf­ei­sen oder ei­nem Her­zen. In vie­len chi­ne­si­schen Re­stau­rants er­hält man die le­cke­ren Tei­le, mit In­spi­ra­ti­on ge­füll­ten Tei­le, Fir­men wer­ben da­mit für sich und der Le­bens­mit­tel­han­del hat die Glücks­kek­se pa­rat. Die ba­di­schen der Fir­ma Sweet & Lu­cky müs­sen nun noch im nächs­ten Raum mit wei­te­ren Spe­zi­al­ma­schi­nen in Fo­lie ver­packt wer­den. Die ein­ge­schweiß­ten Kek­se wie­der­um wan­dern Kar­ton­ver­pa­ckun­gen und sind ei­ni­ge Mo­na­te halt­bar. 30 Mit­ar­bei­te­rin­nen und Mit­ar­bei­ter sor­gen da­für, dass in drei Schich­ten rund um die Uhr ge­ar­bei­tet wer­den kann. „Wir pro­du­zie­ren jähr­lich Glücks­kek­se in ei­ner zwei­stel­li­gen mitt­le­ren Mil­lio­nen­zahl“, sagt Vik­to­ria Brauch, et­was vor­sich­tig we­gen Ge­schäfts­ge­heim­nis­sen. An die 40 bis 50 Mil­lio­nen Kek­se, darf man über­set­zen. Das sind ei­ni­ge Mil­lio­nen mehr als vor fünf Jah­ren. Die fröh­li­che blon­de Frau ist so et­was wie die Au­ßen­mi­nis­te­rin in der Fa­mi­li­en­re­gie­rung von „Sweet & Lu­cky“. Sie führt das Un­ter­nehGon­dels­heim zu­sam­men mit ih­ren Ge­schwis­tern, Alex­an­dra und Chris­toph. Im Jahr 2001 be­gann man das klei­ne Glück im Kraich­gau-Ort zwi­schen Bruch­sal und Bret­ten, in­zwi­schen hat man sich zum größ­ten deut­schen Her­stel­ler ent­wi­ckelt. Vie­le sü­ße Bot­schaf­ten ge­hen ins eu­ro­päi­sche Aus­land. Zet­tel­sprü­che wie „Mit ih­rer Stär­ke meis­tern sie al­le Auf­ga­ben“wer­den dann in 15 Spra­chen über­setzt. Über 1 000 Weis­hei­ten ent­hält die sprach­li­che Da­ten­bank, um die Kek­se mit Ein­fa­chem bis Hoch­geis­ti­gem zu fül­len. „Man­che Leu­te schi­cken uns Sprü­che zu, die sie gut fin­den für die Kek­se“, er­zählt Vik­to­ria Brauch – Be­triebs­wir­tin des Hand­werks und ei­ne der we­ni­gen Mül­ler­meis­te­rin­nen in Ba­den-Würt­tem­berg. Ihr liebs­ter Satz aus dem ei­ge­nen Pro­dukt lau­tet: „Auf der Jagd nach dem Glück soll­ten wir ein­fach mal in­ne­hal­ten und nur glück­lich sein.“Die 43-jäh­ri­ge Ge­schäfts­füh­re­rin selbst macht nicht den Ein­men druck, dass sie aus­ge­brannt ist vom Weg mit dem Glücks­ding. Da­zu ist sie zu bo­den­stän­dig, aus­ge­gli­chen und so­zi­al den­kend. In „ih­rem“Ver­ein Hu­ma­ni­tas sam­melt sie Spen­den für Kin­der­hei­me In­di­ens, Fi­scher in Sri Lan­ka oder Schu­len in Bur­ki­na Fa­so. Sie schwärmt gern im Dia­lekt von ih­rem Hei­mat­ort und der span­nen­den Ju­gend in ei­ner tra­di­ti­ons­rei­cher el­ter­li­chen Pro­duk­ti­ons­stät­te. Die Ge­schwis­ter stam­men aus ei­ner Fa­mi­lie, die seit Ge­ne­ra­tio­nen ei­ne Müh­le in be­treibt. Dort läuft am nächs­ten Sams­tag, 14. Mai, ab 17 Uhr auch das Müh­len­fest zu­guns­ten des so­zia­len Ver­eins der Glücks­keks-Ma­na­ge­rin. Schaut man fern auf die Ge­mein­de im Saal­bach­tal fällt der mar­kan­te ecki­ge Si­lo der Heck-Müh­le auf. „Als wir Ge­schwis­ter zu­sam­men über­leg­ten, was wir an Ge­schäfts­ide­en zu­sätz­lich in die Müh­le un­se­rer El­tern ein­brin­gen könn­ten und sich ei­ne Ver­bin­dung zu ei­ner ge­ra­de er­wor­be­nen Dru­cke­rei er­gab, stand auf ein­mal die Ver­bin­dung fest – nach­dem wir von Ver­wand­ten aus den USA ei­ne Pa­ckung Glücks­kek­se er­hiel­ten.“So be­schreibt Vik­to­ria Brauch, die nach Haupt- und Han­dels­schu­le lan­ge in ei­ner Spar­kas­se ar­bei­te­te, den Be­ginn der Er­folgs­ge­schich­te. Mitt­ler­wei­le gibt es ei­ne Biound ei­ne Frucht-Li­nie des Ge­bäcks. Mit dem Mehl aus der el­ter­li­chen Müh­le und wei­te­ren re­gio­na­len Pro­duk­ten ließ sich ei­ne Le­bens­mit­tel­pro­duk­ti­on rasch auf­bau­en. Zu­mal die Ge­schwis­ter sich nicht nur bes­tens ver­ste­hen, son­dern auch spe­zi­el­le Fä­hig­kei­ten ein­brin­gen: Alex­an­dra als Groß- und Ein­zel­han­dels­kauf­frau, Chris­toph als Be­triebs­wirt. Zur Fuß­ball-Welt­meis­ter­schaft vor zwei Jah­ren warf man zum be­ste­hen­den gelb­gol­de­nen Keks zwei farb­lich pas­sen­de Ge­schwis­ter auf den Markt – in Schwarz und in Rot. Fer­tig war der Glücks­keks zum Fuß­ball-Schau­en. Na­tür­lich mit sport­li­chen Sprü­chen wie je­nem des En­g­län­ders Ga­ry Li­neker: „Fuß­ball ist ein ein­fa­ches Spiel: 22 Män­ner ja­gen 90 Mi­nu­ten lang ei­nem Ball nach, und am En­de ge­win­nen die Deut­schen.“Für die ab Ju­ni lau­fen­de Eu­ro­pa­meis­ter­schaft in Frank­reich gibt’s frisch ge­ba­cke­ne Na­tio­nal­kek­se – dem­nächst in Su­per­märk­ten oder über den On­li­ne-Shop von „Sweet & Lu­cky.“Er­folg mit Glück – das ha­ben die sym­ba­di­schen Un­ter­neh­mer bis­lang. Bei­des hängt zu­sam­men, kann sich aber auch un­ter­schei­den, wenn man dem Er­fin­der Charles Ket­te­ring folgt, der mein­te: „Be­kom­men, was man sich wünscht, ist Er­folg. Sich wün­schen, was man be­kom­men kann, ist Glück.“

Fo­to: Ar­tis

Sie wer­fen viel klei­nes Glück auf den Markt: Alex­an­dra, Chris­toph und Vik­to­ria Brauch (von links) füh­ren in Gon­dels­heim den größ­ten deut­schen Glücks­kek­se­her­stel­ler „Sweet & Lu­cky“. Vor 15 Jah­ren be­gan­nen Sie mit dem Mehl aus el­ter­li­cher Müh­le die Pro­duk­ti­on.

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