Nicht aus Chi­na

Ur­sprung der Glücks­kek­se liegt wohl in Ja­pan

Der Sonntag (Mittelbaden) - - Aktuell - lie

Glücks­kek­se wer­den häu­fig in chi­ne­si­schen Re­stau­rants zum Ab­schluss ei­nes Es­sens ge­reicht. Stammt al­so der Brauch, im Ge­bäck Ge­schrie­be­nes zu ver­ste­cken, aus dem Fer­nen Os­ten? Geht der Zet­tel im sü­ßen Keks auf ei­nen al­ten chi­ne­si­schen Brauch zu­rück? Die Kul­tur­ge­schich­te der klei­nen Ga­be mit sprach­li­cher Ein­la­ge ist noch nicht voll­stän­dig ge­knackt. Fest steht wohl, dass es nicht Chi­ne­sen, son­dern wohl Ja­pa­ner in den USA wa­ren, die für ei­ne Ver­brei­tung sorg­ten. In al­ten ja­pa­ni­schen Bü­chern sind Glücks­kek­se als Phä­no­men er­wähnt. Ja­pa­ni­sche Aus­wan­de­rer sol­len dann um 1910 in San Fran­cis­co Tee­ge­bäck in ih­ren Re­stau­rants ge­reicht ha­ben, die ei­nen Strei­fen Pa­pier mit Bot­schaft ent­hiel­ten. Die­se Idee soll sich von der West­küs­te der USA in an­de­re Lan­des­tei­le ver­brei­tet ha­ben. Weil Ja­pa­ner häu­fig auch chi­ne­sisch koch­ten und ori­gi­nä­re chi­ne­si­sche Re­stau­rants die Kun­den­be­schen­kung auf­grif­fen, er­hielt die Ges­te den Ruf, et­was „chi­ne­si­sches“zu sein. Tat­säch­lich ope­rier­te man im al­ten Chi­na, wie in an­de­ren Län­dern auch, mit ge­hei­men Bot­schaf­ten in Nah­rungs­mit­teln. Fein­de soll­ten so aus­ge­trickst wer­den. An ei­ne ro­man­ti­sche Va­ri­an­te der Le­gen­de er­in­nern die Gon­dels­hei­mer Glücks­kek­s­pro­du­zen­ten: Die Toch­ter ei­nes rei­chen Herr­schers soll mit ih­rem Ge­lieb­ten, ei­nem ar­men Prin­zen, den sie nicht hei­ra­ten durf­te, Nach­rich­ten in klei­nen Ku­chen aus­ge­tauscht ha­ben. Der Be­ginn ma­schi­nel­ler Fer­ti­gung in den USA wird auf 1964 da­tiert. Nach Eu­ro­pa schwapp­te die Idee spä­ter. Auch Ca­fés, Eis­die­len, über­haupt je­de Art von Fir­men or­dern Glücks­kek­se als klei­ne Auf­merk­sam­keit. Wer den Fin­der fop­pen will, lässt Pech­kek­se mit ne­ga­ti­ven Sprü­chen her­stel­len. Die sind zum Glück nicht weit ver­brei­tet. Denn sie kön­nen mit der Zeit auf den Keks ge­hen.

Fo­to: Ar­tis

Ei­ne ty­pi­sche zwei­tei­li­ge Form ha­ben die sü­ßen Kek­se mit Zet­tel­bot­schaft in­nen­drin. Hier kon­trol­liert Os­man Kal­lu­dra Glücks­kek­se von Sweet & Lu­cky nach dem Ver­pa­cken in Fo­lie.

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