Der Ren­ner im Orches­ter­gra­ben

Beim ge­fei­er­ten Mu­si­cal „Spa­ma­lot“ist Ja­kob Din­kel­acker ein Star oh­ne Wor­te

Der Sonntag (Mittelbaden) - - Die Region - Tho­mas Liebs­cher

Seit ei­nem hal­ben Jahr drängt es das Pu­bli­kum da­nach, Trä­nen zu ver­gie­ßen. In den ver­gan­ge­nen Mo­na­ten wa­ren die Vor­stel­lun­gen des Mu­si­cals „Spa­ma­lot“am Ba­di­schen Staats­thea­ter Karls­ru­he aus­ver­kauft. Und al­le Zu­schau­er er­zähl­ten es wei­ter: Ihr wer­det Trä­nen la­chen. Der mu­si­ka­li­sche Spaß nach der Ko­mö­die „Die Rit­ter der Ko­kos­nuss“ist der­art in­ten­siv, dass man nach Luft schnap­pen muss, stän­dig Na­se und Au­gen trock­nen und die prus­ten­den Nach­barn igno­rie­ren, um das ra­san­te Ge­sche­hen im Gro­ßen Haus wei­ter­ver­fol­gen zu kön­nen. Was die le­gen­dä­re bri­ti­sche Ko­mi­ker­trup­pe Mon­ty Py­thon als Par­odie auf die Ge­schich­te von Kö­nig Ar­tus und sei­ner Ta­fel­run­de kon­zi­pier­te, wird in der Ins­ze­nie­rung von Ing­mar Ot­to mit 150 Ko­s­tü­men, ra­san­ten Sze­nen­wech­seln so­wie höchst ge­for­der­ten sin­gen­den Schau­spie­lern um­wer­fend um­ge­setzt. Das Feu­er für den hö­he­ren Blöd­sinn wird im Orches­ter­gra­ben auf höchs­ter Flam­me er­zeugt. Cle­mens Ryn­kow­ski hat, wie schon bei „Ali­ce“und im „Som­mer­nachts­traum“, ei­ne neun­köp­fi­ge Band mit zwei Schlag­zeu­gern um sich ge­schart, die Ar­ran­ge­ments ih­res auch Pia­no, Key­board und Ak­kor­de­on spie­len­den Chefs mit Lei­den­schaft dem Pu­bli­kum in­ji­ziert. Ei­nem Mann fällt da­bei die Rol­le zu, oh­ne Wor­te be­son­ders auf­zu­fal­len. Ei­ner ist nicht zu über­se­hen, wie er von ei­nem In­stru­ment zum nächs­ten springt, ein paar Schlä­ge an­setzt, zu­rück zum No­ten­pult rennt, neue Stö­cke ab­greift und zum nächs­ten Ein­satz­ort hech­tet. Doch die­ser Schlag­wer­ker meint be­schei­den: „Ich ge­be ei­gent­lich nur die Ge­wür­ze da­zu. Und weil ich da­bei so auf­fal­le, grei­fe ich biss­chen mehr Lor­bee­ren ab“. Ja­kob Din­kel­acker ist der Ren­ner im Orches­ter­gra­ben von „Spa­ma­lot“. Der Schlag­zeu­ger ist für zehn In­stru­men­te zu­stän­dig. Vom Xy­lo­fon übers Glo­cken­spiel, zwei Pau­ken bis zu den Röh­renglo­cken. Und dann bläst er noch zwi­schen­durch mal eben in sein Wald­horn. Mit ihm auf dem Rü­cken reist der 29Jäh­ri­ge für je­de Vor­stel­lung des Mu­si­cals aus sei­nem Wohn­ort Nürn­berg an. Oder aus In­gol­stadt. Oder aus Saar­brü­cken. In die­sen Städ­ten ist er eben­falls frei­er Thea­ter­mu­si­ker. Kann er die ab­rup­ten Ein­sät­ze von ei­nem No­ten­blatt ab­le­sen? Das war viel­leicht in den ers­ten Pro­ben von Spa­ma­lot mög­lich. Mitt­ler­wei­le weiß Din­kel­acker im Schlaf, wel­ches Ge­räusch von wel­chem In­stru­ment in Se­kun­den­schnel­le von ihm ge­fragt ist. „Klar, ei­ne Sa­che der rich­ti­gen Ko­or­di­na­ti­on und manch­mal Im­pro­vi­sa­ti­on, aber ich mag es ja, so ge­for­dert zu sein“. Sein Lieb­lings­song ist die Num­mer neun im Büh­nen­ab­lauf, „Knights of Round Ta­ble“. Das En­sem­ble be­singt die Ta­fel­rit­ter, de­ren Show un­ver­gleich­lich ist, ob­wohl ih­nen Rei­me vor­ge­setzt wer­den, die un­sing­bar sei­en. Für Din­kel­acker ist die Dis­co-La­tin-Num­mer der Me­ga-Spaß in­ner­halb der gro­ßen Sau­se. „Eu­pho­ri­siert und woh­lig er­schöpft“be­schreibt er sei­nen Zu­stand nach sprint­rei­chen Vor­stel­lun­gen. Dass er wäh­rend des Schlag­zeug-Stu­di­ums mit Schwer­punkt Jazz- und Po­pu­lar­mu­sik an der Mu­sik­hoch­schu­le Mann­heim über­haupt in die Thea­ter­sze­ne hin­ein­schlüpf­te, ver­dankt er ei­nem Glücks­fall. „Ich wur­de ge­fragt, ob ich ein­sprin­gen kann, als der Ver­tre­ter ei­nes Ver­tre­ters krank wur­de“, er­zählt der in Tü­bin­gen auf­ge­wach­se­ne Mu­si­ker. Ob­wohl er schon als Kind stän­dig auf Koch­töp­fen trom­mel­te, war sein ur­sprüng­li­ches In­stru­ment das Wald­horn. In sei­nem ei­ge­nen Jazz­pro­jekt „Re­turn to Wha­te­ver“lässt es der Schlag­zeu­ger aber be­sei­te. Im Quar­tett mit zwei Sa­xo­fo­nen und Bass kom­po­niert er ei­ne Art mo­der­nen Be­bop. Das Pen­deln zwi­schen den Sti­len fällt ihm leicht, das Pen­deln zwi­schen den Städ­ten ist da­ge­gen an­stren­gen­de Her­aus­for­de­rung. Für die nächs­te Vor­stel­lung von „Spa­ma­lot“am am 13. Mai gibt es nur noch ei­ne Hand­voll Kar­ten und dann die Steh­plät­ze. Wer Ja­kob Din­kel­acker in Ak­ti­on se­hen will und da­zu ei­nen wun­der­ba­ren Showa­bend der Par­odie er­le­ben: Für den 15. Ju­ni und 30. Ju­ni so­wie am 16. Ju­li gibt es noch Kar­ten. Und der Zweit- oder Dritt­be­such des Mu­si­cals ist dank Wie­der­auf­nah­me in der nächs­ten Spiel­zeit ge­si­chert.

„Ich ge­be ei­gent­lich nur die Ge­wür­ze hin­zu“, meint Ja­kob Din­kel­acker. Am Ba­di­schen Staats­thea­ter küm­mert sich der Schlag­wer­ker in ra­sen­der Ge­schwin­dig­keit um zehn In­stru­men­te im Mu­si­cal „Spa­ma­lot“. Fo­to: lie

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