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Der Sonntag (Mittelbaden) - - Tipps & Themen - Bo

Wenn man al­le Welt ge­gen sich und gar kei­nen Freund hat, so ist we­nig Aus­sicht auf Er­folg, aber man muss sich so lan­ge weh­ren, als es geht, sei­ne Pflicht bis zu­letzt tun und end­lich mit Eh­re zu­grun­de ge­hen“, mein­te Kai­ser Franz Jo­seph nach der Nie­der­la­ge Ös­ter­reichs im Krieg ge­gen Preu­ßen. Der letz­te gro­ße Habs­bur­ger­kai­ser wird oft als Re­prä­sen­tant ei­ner „gu­ten al­ten Zeit“ver­klärt. Von sol­cher Nost­al­gie ist je­doch nichts zu fin­den in der bril­lant ge­schrie­be­nen Bio­gra­fie von Michae­la und Karl Vo­cel­ka. Die Au­to­ren schil­dern Franz Jo­seph als Mon­ar­chen, der in ei­ner nach bür­ger­li­cher Teil­ha­be stre­ben­den Zeit durch­drun­gen war vom Ge­dan­ken des Got­tes­gna­den­tums, und als Mann, der im­mer wie­der im Zen­trum schwers­ter Stür­me stand – po­li­ti­scher wie pri­va­ter Art. „Mir bleibt doch gar nichts er­spart auf die­ser Welt“, seufz­te er, als ihm die Er­mor­dung sei­ner trotz vie­ler Span­nun­gen ge­lieb­ten Ge­mah­lin, der le­gen­de­n­um­wo­be­nen Si­si, ge­mel­det wur­de. Da­bei stand ihm die schlimms­te Ka­ta­stro­phe noch be­vor: der Ers­te Welt­krieg, in dem das Habs­bur­ger­reich un­ter­ging. Das bit­te­re En­de hat er frei­lich nicht mehr er­lebt: Franz Jo­seph starb im No­vem­ber 1916 nach fast 68 Re­gie­rungs­jah­ren.

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