„Bür­ger­meis­ter für al­le Lon­do­ner“

Die Auf­stiegs­ge­schich­te des Sa­diq Khan

Der Sonntag (Mittelbaden) - - Tipps & Themen - Ro­bin Mil­lard

Aus ei­ner So­zi­al­woh­nung ins Lon­do­ner Rat­haus: Der 45-jäh­ri­ge Sa­diq Khan, Sohn ei­nes Bus­fah­rers aus Pa­kis­tan, ist neu­er Bür­ger­meis­ter der bri­ti­schen Haupt­stadt. Ges­tern wur­de der Mus­lim in der Lon­do­ner Sou­thwar­kKa­the­dra­le ver­ei­digt. Der 45-jäh­ri­ge La­bour-Po­li­ti­ker hat­te sich bei der Wahl am Don­ners­tag klar ge­gen den kon­ser­va­ti­ven Kan­di­da­ten Zac Golds­mith, ei­nen Mil­li­ar­därs­sohn, durch­ge­setzt. Für die bri­ti­sche Haupt­stadt, die stolz ist auf ihr Image als Schmelz­tie­gel und die da­mit ver­bun­de­nen so­zia­len Auf­stiegs­chan­cen, war Khan der per­fek­te Kan­di­dat. Ge­bo­ren wur­de Khan 1970 in Lon­don, sei­ne El­tern wa­ren erst kurz zu­vor aus Pa­kis­tan ein­ge­wan­dert. Zu­sam­men mit sie­ben Ge­schwis­tern wuchs Khan in ei­ner So­zi­al­woh­nung im Mul­ti­kul­ti-Stadt­teil Too­ting in Süd­lon­don auf. Bis er 24 war, schlief Khan in ei­nem Dop­pel­stock­bett. Sein Va­ter war Bus­fah­rer und steu­er­te – wie Khan im­mer wie­der ger­ne er­zählt – die be­rühm­ten ro­ten Dop­pel­de­cker­bus­se. Khans Mut­ter ar­bei­te­te als Nä­he­rin, ei­ner sei­ner Brü­der wur­de Au­to­me­cha­ni­ker. Als Khan zur Schu­le ging, in­ter­es­sier­te er sich für Na­tur­wis­sen­schaf­ten und woll­te Zahn­arzt wer­den. Ein Leh­rer ent­deck­te aber sein Ta­lent für ar­gu­men­ta­ti­ve Aus­ein­an­der­set­zun­gen – und über­zeug­te ihn von ei­nem Ju­ra-Stu­di­um. Nach dem Stu­di­um an der Uni­ver­si­ty of North Lon­don ar­bei­te­te Khan zu­nächst als Rechts­an­walt und dann drei Jah­re lang für die bri­ti­sche Men­schen­rechts­grup­pe Li­ber­ty. Be­reits mit 15 Jah­ren trat er der La­bourPar­tei bei, mit Mit­te 20 wur­de er in den Stadt­rat des Lon­do­ner Be­zirks Wands­worth ge­wählt, 2005 zog er für den Wahl­kreis Too­ting ins bri­ti­sche Un­ter­haus ein. Drei Jah­re spä­ter wur­de er Ver­kehrs­mi­nis­ter – und war da­mit der ers­te Mus­lim in ei­ner bri­ti­schen Re­gie­rung. Zu­sam­men mit sei­ner Frau Saa­diya, die eben­falls An­wäl­tin ist, und den bei­den Töch­tern lebt Khan im­mer noch in Too­ting. In sei­ner Dan­kes­re­de ver­sprach Khan, ein „Bür­ger­meis­ter für al­le Lon­do­ner“zu sein. „Ich hät­te es nicht im Traum für mög­lich ge­hal­ten, dass je­mand wie ich zum Bür­ger­meis­ter von Lon­don ge­wählt wer­den könn­te“, sag­te er. Er be­dank­te sich bei al­len Wäh­lern, die „das Un­mög­li­che heu­te mög­lich ge­macht ha­ben“. Sei­ne ver­stor­be­ner Va­ter wä­re „so stolz“auf ihn ge­we­sen. Im Lon­do­ner Rat­haus war­ten nun gro­ße Her­aus­for­de­run­gen auf den Ma­ra­thon-Läu­fer und Bo­xer. Er will die stei­gen­den Mie­ten und Im­mo­bi­li­en­prei­se be­gren­zen, die Ver­schmut­zung be­kämp­fen, den chro­nisch über­las­te­ten Nah­ver­kehr mo­der­ni­sie­ren und für mehr und bes­ser be­zahl­te Jobs sor­gen. „Ich möch­te, dass je­der ein­zel­ne Lon­do­ner die Mög­lich­kei­ten be­kommt, die un­se­re Stadt mir und mei­ner Fa­mi­lie ge­ge­ben hat“, sag­te Khan: „Die Mög­lich­keit, nicht nur zu über­le­ben, son­dern gut und er­folg­reich zu le­ben.“

Sa­diq Khan wur­de ges­tern als ers­ter mus­li­mi­scher Bür­ger­meis­ter von Lon­don ver­ei­digt. Fo­to: AFP

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