Der Tag für die Müt­ter

An­de­re Län­der, an­de­re Sit­ten / Auch in Afri­ka wird ge­fei­ert

Der Sonntag (Mittelbaden) - - Sonntagskinder - Tan­ja Ka­sisch­ke

Heu­te ist Mut­ter­tag. In Deutsch­land gibt es ihn seit 1922. Je­des Jahr fällt er auf den zwei­ten Sonn­tag im Mai. Ob­wohl das Da­tum kein rich­ti­ger Fei­er­tag ist, un­ter­neh­men vie­le Fa­mi­li­en et­was Be­son­de­res. Emi­lia und Mar­ta ha­ben mit dem Han­dy ei­nen Film ge­dreht und Glück­wün­sche für ih­re Ma­mas ge­sam­melt. Da­zu ver­klei­de­ten sich die Mäd­chen als Pro­mis. Je­de film­te die an­de­re: Mar­ta als Hei­di Klum, Emi­lia als An­ge­la Mer­kel, Emi­lia als La­dy Ga­ga, Mar­ta als Eis­kö­ni­gin El­sa. Sie sind ge­spannt, wie ihr Film an­kommt. Mar­tas Pa­pa soll als Über­ra­schungs-Gra­tu­lant am Schluss des Clips auf­tre­ten: Für ihn ha­ben die Mäd­chen ein Fo­to des Schau­spie­lers Jan-Jo­sef Lie­fers aus dem In­ter­net aus­ge­druckt. „Den mö­gen un­se­re Müt­ter bei­de. Sein Ge­sicht soll sich Pa­pa wie ei­ne Mas­ke auf­set­zen und dann was sa­gen.“Hof­fent­lich macht er mit! Mut­ter­tag gab es zu­erst in Groß­bri­tan­ni­en (1644) und den USA (1908). In Groß­bri­tan­ni­en war es ein kirch­li­ches Fest, das die Fa­mi­li­en mit der Zeit im­mer per­sön­li­cher ge­stal­te­ten. Der Be­zug zur Kir­che brach ir­gend­wann ganz ab. In den USA über­leg­te sich An­na Jar­vis aus Phil­adel­phia, zum To­des­tag ih­rer Mut­ter ein Fest zu fei­ern. Sie woll­te die Er­in­ne­rung an sie le­ben­dig hal­ten. Die er­wach­se­ne Toch­ter lud al­le ein, die ih­re ge­kannt und ge­mocht hat­ten. Sie or­ga­ni­sier­te au­ßer­dem ei­nen Ge­denk­got­tes­dienst in ih­rer Kir­chen­ge­mein­de und schenk­te je­dem Be­su­cher ei­ne ro­te Nel­ke. Ro­te Nel­ken wa­ren die Lieb­lings­blu­men ih­rer Mut­ter ge­we­sen. Schnell ver­brei­te­te sich die Idee, Müt­tern am Mut­ter­tag Blu­men zu schen­ken. Aus dem Ge­denk­tag wur­de ein Fa­mi­li­en­fest. Im Me­xi­ko ist Mut­ter­tag am 10. Mai. Das kann folg­lich auch ein Wo­chen­tag sein. Des­halb fei­ern die Kin­der, in­dem sie ih­re Ma­mas in die Schu­le ein­la­den, dort für sie tan­zen und Ge­schen­ke bas­teln. Abends or­ga­ni­sie­ren ei­ni­ge Fa­mi­li­en ei­ne Li­veBand, die zu Eh­ren der Mut­ter auf­tritt. In der Do­mi­ni­ka­ni­schen Re­pu­blik exis­tiert so­gar ei­ne Mut­ter­tags-Hym­ne. Ge­schrie­ben und kom­po­niert hat die „Him­no a las madres“die Ehe­frau ei­nes ehe­ma­li­gen Prä­si­den­ten des mit­tel­ame­ri­ka­ni­schen Lan­des. Je­des Kind lernt das Lied in der Schu­le. In un­se­ren Nach­bar­län­dern Bel­gi­en und Frank­reich wer­den Mut­ter­tags­ge­schen­ke eben­falls in der Schu­le ge­bas­telt. Der Fei­er­tag für die bel­gi­schen Ma­mas ist der 14. Mai. Fran­zö­sin­nen müs­sen sich bis zum 28. Mai ge­dul­den. 2016 ha­ben sie Glück: Das Da­tum fällt nicht mit Pfings­ten zu­sam­men. Ist das der Fall, müs­sen die Ma­mas noch ei­ne Wo­che län­ger Ge­duld ha­ben. Bis An­fang Ju­ni. Da­für be­kom­men sie ei­nen Mut­ter­tags­ku­chen in Form ei­nes Blu­men­strau­ßes ge­ba­cken. Grie­chi­sche Kin­der schmü­cken die ge­sam­te Woh­nung für ih­re Ma­ma und ba­cken ei­nen Ho­nig­ku­chen. In den Nie­der­lan­den, die zeit- gleich mit Deutsch­land den Mut­ter­tag heu­te im Ka­len­der ste­hen ha­ben, brin­gen die Kin­der ih­ren Müt­tern das Früh­stück ans Bett. In Ser­bi­en schlei­chen sie sich am Mor­gen des Mut­ter­tags ins El­tern­schlaf­zim­mer und bin­den Ma­mas Fü­ße zu­sam­men. Ehe sie ih­ren Eh­ren­tag ge­nie­ßen kann, muss die Mut­ter den Sohn oder die Toch­ter mit Sü­ßig­kei­ten be­ste­chen, sie wie­der frei­zu­las­sen. In Spa­ni­en geht die Fa­mi­lie be­reits am ers­ten Sonn­tag im Mai im Re­stau­rant es­sen. In Schwe­den schen­ken Kin­der ih­ren Müt­tern Kunst­blu­men. Die bas­teln sie nicht selbst, son­dern kau­fen sie. Das Geld wird für wohlMut­ter tä­ti­ge Zwe­cke ge­spen­det. Auch in Ja­pan schen­ken die Kin­der zum Mut­ter­tag Blu­men. Dies­mal sind es wie­der ech­te. Wich­tig: Weiß darf der Strauß nicht sein. Sonst brin­gen die Blu­men Un­glück. Ro­te Nel­ken sind be­son­ders be­liebt. Das er­in­nert an die Blu­men, die An­na Jar­vis am Ur-Mut­ter­tag in den USA ver­teil­te. Min­des­tens ge­nau­so wich­tig ist den Ja­pa­nern ei­ne Glück­wunsch­kar­te, auf der steht: Ok­aa­san, ari­ga­to. Das heißt: Dan­ke, Ma­ma! Auch in Ja­pan ist der heu­ti­ge zwei­te Mai­sonn­tag Mut­ter­tag. Haupt­säch­lich fei­ert man Mut­ter­tag in Län­dern, in de­nen El­tern und Kin­der den Kern der Fa­mi­lie aus­ma­chen. In Asi­en, Süd­ame­ri­ka oder Afri­ka funk­tio­nie­ren Fa­mi­li­en an­ders. Kommt ein Ba­by auf die Welt, küm­mern sich nicht nur die El­tern um das Kind, son­dern zu­sätz­lich Groß­müt­ter, Ge­schwis­ter, Tan­ten, Cou­sins und Cou­si­nen oder Nach­ba­rin­nen. Groß­müt­ter sind dort meis­tens die­je­ni­gen, die al­len an­de­ren das Kom­man­do ge­ben. Die Vä­ter wer­den in ei­ni­gen Fäl­len so­gar aus­ge­schlos­sen. Sie tref­fen ih­ren Nach­wuchs erst nach ei­ni­gen Wo­chen! Tra­di­tio­nell le­ben­de Stäm­me in Afri­ka ge­ben den Kin­dern dann auch erst ei­nen Na­men. In meh­re­ren afri­ka­ni­schen Län­dern hat sich die west­li­che Mut­ter­tags-Tra­di­ti­on mitt­ler­wei­le durch­ge­setzt. Ein Bei­spiel ist Äthio­pi­en. Statt im Mai wer­den Ma­mas dort zu Be­ginn der Re­gen­zeit ge­ehrt, im Herbst. Dann trifft sich die gan­ze Fa­mi­lie zu Hau­se und fei­ert gleich meh­re­re Ta­ge lang. Die Söh­ne be­sin­gen ih­re Ma­mas. Sie ha­ben es ver­dient!

In Grie­chen­land gibt’s ei­nen Ho­nig­ku­chen

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