Ab­spe­cken oder doch ka­pi­tu­lie­ren?

Zu­kunft des In­door-Mee­tings ist in Ge­fahr

Der Sonntag (Mittelbaden) - - Sport - Ha­rald Lin­der

Der Spar­kurs, den sich die Stadt Karls­ru­he ver­ord­net hat, be­trifft un­ter an­de­rem auch das re­nom­mier­te In­doorMee­ting, das da­durch mög­li­cher­wei­se vor dem Aus steht. Der Haupt­aus­schuss der Stadt, der den Wirt­schafts­plan der Karls­ru­her Event Gm­bH (KEG) be­schließt, die das Mee­ting fe­der­füh­rend ver­an­stal­tet, hat der Ver­an­stal­tung ei­nen so dras­ti­schen Spar­kurs ver­ord­net, dass dies mög­li­cher­wei­se das En­de der letz­ten in­ter­na­tio­na­len Sport­ver­an­stal­tung be­deu­tet, die Karls­ru­he zu bie­ten hat. Da­bei war die­ses Mee­ting 30 Jah­re lang ei­ne „ge­sun­de“Ver­an­stal­tung und ist erst

Um­zug in die Mes­se war der Knack­punkt

seit dem er­zwun­ge­nen Um­zug vor zwei Jah- ren von der Eu­ro­pa­hal­le in die Mes­se in die Kos­ten­fal­le ge­ra­ten. Dort sind die Auf­wen­dun­gen für das Mee­ting von rund 470 000 Eu­ro (in der Eu­ro­pa­hal­le), „die durch den Kern­zu­schuss der Stadt und durch Spon­so­ren im­mer ge­deckt wa­ren“, wie KEGGe­schäfts­füh­rer Mar­tin Wa­cker be­tont, auf rund 800000 Eu­ro ge­stie­gen. Und zwar trotz der Tat­sa­che, dass Mee­ting-Di­rek­tor Alain Blon­del die Ga­gen für die Ver­pflich­tung von To­p­ath­le­ten in den ver­gan­ge­nen Jah­ren „um gut 20 Pro­zent re­du­zie­ren“konn­te, wie er sagt. Als „Sport in der Mes­se“wur­de das Mee­ting nach dem Aus der Eu­ro­pa­hal­le sei­ner­zeit vom Ge­mein­de­rat ein­stim­mig be­schlos­sen, in­klu­si­ve des Kaufs ei­ner Rund­bahn und ei­nes In­fiel­ds für rund 300000 Eu­ro. Ei­ne „Zu­kunfts­in­ves­ti­ti­on“nann­te Ober­bür­ger­meis­ter Frank Men­trup die­sen Kauf. Ei­ne Zu­kunft, die durch die Auf­nah­me des In­door Mee­tings in den er­lauch­ten Kreis der „World In­door Tour“der „Sport­stadt Karls­ru­he“zu­sätz­li­chen Glanz zu ver­lei­hen schien, denn da­mit spiel­te man mit Städ­ten wie Stock­holm, Glas­gow und Bos­ton in ei­ner Li­ga. Die­se Zu­kunft ist ak­tu­ell ge­fähr­det, weil die Kür­zun­gen durch den Ge­mein­de­rat nur schwer zu kom­pen­sie­ren sein wer­den. Mar­tin Wa­cker ver­weist dar­auf, dass nicht das Mee­ting teu­rer wur­de, son­dern die Um­stän­de in der Mes­se die Kos­ten in die Hö­he trei­ben. „Dort muss die kom­plet­te In­fra­struk­tur wie Tri­bü­nen oder Vi­deo­wän­de ge­mie­tet wer­den. Al­lei­ne der Auf-und Ab­bau kos­tet uns schon viel Geld. Wenn bei­spiels­wei­se di­rekt nach En­de des Mee­tings al­les ab­ge­baut wer­den muss, weil die Hal­le am an­de­ren Tag für ei­ne an­de­re Ver­an­stal­tung prä­pa­riert wird, muss in der Nacht durch­ge­ar­bei­tet wer­den und so et­was geht na­tür­lich auch ins Geld“, so Wa­cker. Der will den­noch ver­su­chen, das Mee­ting trotz der mas­si­ven Ein­spa­run­gen durch den Ge­mein­de­rat zu ret­ten. „Wir sind da­bei, zu­sätz­li­che Spon­so­ren zu ge­win­nen, ein Freun­des­kreis ist eben­falls ak­tiv und zu­dem hat uns die IAAF si­gna­li­siert, dass die Worl­dIn­door-Tour durch wei­te­re TV-Ver­mark­tung den Ver­an­stal­tern die­ser Mee­tings wei­te­re Ein­nah­men er­mög­li­chen kann. Ich bin über­zeugt da­von, dass wir die Kos­ten von der­zeit 800 000 Eu­ro, die der Ge­mein­de­rat in die­ser Hö­he nicht mehr be­wil­li­gen kann, auf rund 500000 Eu­ro her­un­ter­fah­ren kön­nen“, meint Wa­cker. Bis­her wa­ren die Spon­so­ren bei den In­door-Mee­tings mit rund 200 000 Eu­ro mit im Boot. Die­sen Be­trag will man nach Mög­lich­keit eben­falls stei­gern. Auch da­mit hofft KEG-Ge­schäfts­füh­rer Mar­tin Wa­cker mög­lichst schnell die wirt­schaft­li­chen Vor­aus­set­zun­gen zu schaf­fen, um das tra­di­ti­ons­rei­che Karls­ru­her In­door-Mee­ting auch in den kom­men­den Jah­ren fort­set­zen zu kön­nen.

Kann Lo­kal­ma­ta­dor Ju­li­an Ho­ward auch künf­tig beim In­door-Mee­ting auf Wei­ten­jagd ge­hen? Durch die von der Stadt an­ge­kün­dig­ten Kür­zung von Zu­schüs­sen müs­sen die Or­ga­ni­sa­to­ren kräf­tig spa­ren. Fo­to: GES/Prang

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.