Die Re­gi­on Lil Wen­de­ler: Die deut­sche Wald­kö­ni­gin

Der Sonntag (Mittelbaden) - - Erste Seite - Tho­mas Liebs­cher

Die­se Kö­ni­gin macht sich gern die Hän­de schmut­zig. Sie freut sich auf Ter­mi­ne, in de­nen sie Er­de aus­bud­delt und, be­klei­det mit Hut und Man­tel, ei­nen jun­gen Baum pflanzt. Am liebs­ten ei­ne Win­ter­lin­de. Drei Blät­ter ei­ner Win­ter­lin­de trägt Lil Wen­de­ler zu­dem als Schmuck an je­dem Ohr. Die 25-jäh­ri­ge Frau und der eher un­be­kann­te Baum – das ge­hört in die­sem Jahr fest zu­sam­men. Die Win­ter­lin­de ist Baum des Jah­res und Lil Wen­de­ler aus dem Land­kreis Karls­ru­he re­prä­sen­tiert den so ge­ehr­ten seit Ok­to­ber 2015 bis Ok­to­ber 2016 als Deut­sche Baum­kö­ni­gin. Da­bei kommt sie viel her­um im gan­zen Land. „Zwei bis fünf Ter­mi­ne sind es schon. Vor zwei Wo­chen war ich im Deut­schen Bun­des­tag und ha­be vor dem Agrar­aus­schuss ge­spro­chen, un­ter an­de­rem dar­über, dass Na­tur­schutz und Forst­wirt­schaft kei­ne Ge­gen­sät­ze sein müs­sen.“Lil Wen­de­ler ist aus dem rich­ti­gen Holz ge­schnitzt, um den kö­nig­li­chen Job gut aus­zu­fül­len: Jung mit Aus­strah­lung, mit ge­nü­gend Fach­wis­sen als Stu­den­tin der Forst­wis­sen­schaft und elo­quent im Ver­mit­teln. „In den Vor­der­grund dräng­le ich mich nicht un­be­dingt, aber auf den Mund ge­fal­len bin ich nicht“, cha­rak­te­ri­siert sie sich. Sie wird nicht un­ge­dul­dig, wenn Men­schen über­haupt erst ein­mal auf­ge­klärt wer­den müs­sen, dass Holz von so et­was wie Bäu­men stammt, die im Wald wach­sen. „Das kommt vor und es gibt Leu­te, die noch nie im Wald wa­ren!“Für Fort­ge­schrit­te­ne hat die Baum­kö­ni­gin den Un­ter­schied zwi­schen Ei­che, Kas­ta­nie oder Tan­nen­baum pa­rat oder er­klärt die zwei Ar­ten der Lin­de: „Die Blät­ter der Win­ter­lin­de sind et­was klei­ner, sie hat mehr Blü­ten, die schon im Ju­li blü­hen.“In der Na­tur hat sich die in Un­ter­grom­bach auf­ge­wach­se­ne Frau schon im­mer gern um­ge­tan. Mit ih­ren El­tern – die Mut­ter ist Leh­re­rin, der Va­ter Bau­pla­ner – und der Schwes­ter, war sie im­mer im Cam­ping­bus un­ter­wegs. „Bei den Ur­lau­ben in Schwe­den fin­gen wir dann fürs Abend­es­sen Fi­sche und sam­mel­ten Pil­ze.“So war es kei­ne Fra­ge, dass sich die ehe­ma­li­ge Schü­ler­spre­che­rin nach dem Abitur ins Stu­di­um der Forst­wis­sen­schaft stürz­te. Sie wähl­te da­für Göt­tin­gen, auch wenn das be­deu­te­te, die Dau­er­kar­te für den KSC nicht mehr nut­zen zu kön­nen. „Da­für konn­te ich vor ei­nem Jahr beim Re­le­ga­ti­ons-Hin­spiel in Ham­burg da­bei sein.“Nun freut sie sich über den Ab­stieg von Han­no­ver, dort kann sie ih­ren ba­di­schen Club nächs­te Sai­son se­hen. Ziem­lich viel un­ter ih­ren Hut aus Lin­den­holz bringt Lil Wen­de­ler der­zeit: Die an­spruchs­vol­le Pha­se des Stu­di­ums, die Rei­sen und Be­geg­nun­gen als Baum­lob­by­is­tin und na­tür­lich das Le­ben mit ih­rer an­dert­halb­jäh­ri­gen Toch­ter. Im Stu­den­ten­wohn­heim. Rauh­haar­da­ckel Rü­be ge­hört eben­falls zum Team. „Sonn­tags sind wir al­le zu­sa­men und mit dem Kind oft zwei St­un­den im Wald un­ter­wegs. Ich ko­che gern je­den Tag und abends schau­en wir den ,Tat­ort‘“. Die Kö­ni­gin kann sich vor­stel­len, als fer­ti­ge Forst­wis­sen­schaft­le­rin in Ver­bän­den oder der Po­li­tik zu ar­bei­ten. Auch dort muss schließ­lich ein­ge­pflanzt wer­den: neue Ide­en bei­spiels­wei­se.

Fo­to: Alà­b­i­so

Als Kro­ne dient ein Hut aus Holz: Ak­tu­el­le deut­sche Baum­kö­ni­gin ist Lill Wen­de­ler. Gern macht sie sich beim Baum­pflan­zen dann Hän­de schmut­zig. Die Stu­den­tin stammt aus dem Land­kreis Karls­ru­he.

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