Die Re­gi­on Karls­ru­her Zoo: Pip­pis Pa­pa­gei im An­flug

Pip­pis Pi­ra­ten-Pa­pa­gei reist per Schiff nach Karls­ru­he

Der Sonntag (Mittelbaden) - - Erste Seite - Avs Tan­ja Ka­sisch­ke

Mit viel Ap­plaus hat der Grü­nen-Par­tei­tag ges­tern den bis­he­ri­gen Mi­nis­ter für den länd­li­chen Raum, Alex­an­der Bon­de, ver­ab­schie­det. Er hat­te nach Ge­rüch­ten um ei­ne au­ßer­ehe­li­che Af­fä­re er­klärt, kein Mi­nis­ter­amt un­ter Grün-Schwarz mehr zu wol­len. Zu sei­ner Bi­lanz als Res­sort­chef sag­te er: „Es hat sich ge­lohnt, sich rein­zu­hän­gen.“Er sei be­reit, künf­tig in der zwei­ten Rei­he für die Grü­nen ein­zu­tre­ten: „Ob ihr mich braucht und wo ihr mich braucht, müsst ihr ent­schei­den. Ihr fin­det mich zu Hau­se im Schwarz­wald.“

Hej då! Hej då!“Pa­pa­gei Dou­glas ruft Lin­da das schwe­di­sche „Tschüss“hin­ter­her. Die jun­ge Frau dreht sich um und lacht. „Als Mäd­chen ha­be ich den Pip­pi-Langs­trumpf-Film ge­liebt, in dem der Pa­pa­gei mit­spiel­te“er­zählt Lin­da. „Ich woll­te Dou­glas noch ein­mal be­su­chen, ehe er nach Karls­ru­he zieht.“Am kom­men­den Mitt­woch, dem 11. Mai, ist es so­weit. Als wüss­te er das, wie­der­holt Dou­glas den Ab­schieds­gruß. Da­zu schlägt der Vo­gel mit den Flü­geln. „Er will zei­gen, dass er der Größ­te ist“, ver­rät Frank Mad­sen, Dou­glas’ Be­sit­zer. Er zwin­kert dem Tier zu: „Du An­ge­ber!“So­fort springt Dou­glas an das Git­ter sei­nes Kä­figs und pickt mit dem Schna­bel nach dem Mann im schwar­zen T-Shirt. Frank Mad­sen macht das Spiel mit und lacht. Er weiß, vie­le Ge­le­gen­hei­ten da­zu hat er nicht mehr. Das Ti­cket für die Fäh­re nach Deutsch­land ist ge­bucht. Ein Tier­arzt wird Frank Mad­sen und Dou­glas be­glei­ten. Die Rei­se­pa­pie­re hat der Be­trei­ber des klei­nen Zoos im Stadt­park von Mal­mö auch schon vor­lie­gen. Als Dou­glas’ Ei­gen­tü­mer steht nun nicht mehr sein Na­me in dem Do­ku­ment, son­dern der des Karls­ru­her Zoos. Vor vier Wo­chen hat­te die Mel­dung welt­weit für Pro­test ge­sorgt, dass Pip­pi Langs­trumpfs Pa­pa­gei ein­ge­schlä­fert wer­den soll­te. Nicht, weil Dou­glas alt oder krank ist. Sein Kä­fig war bei ei­ner Kon­trol­le des Zoos auf­ge­fal­len: Er war zu klein. Frank Mad­sen konn­te je­doch kei­nen grö­ße­ren bau­en. „Ich hät­te ihn ins Au­ßen­ge­län­de ver­le­gen müs­sen. Das macht Dou­glas aber nicht mit, er braucht Wär­me.“Schwe­dens Kli­ma ist dem Vo­gel zu kühl. Der na­tür­li­che Le­bens­raum des Pa­pa­geis ist das tro­pi­sche Bra­si­li­en. 50 Wor­te oder Sät­ze kann der ge­leh­ri­ge Vo­gel wie­der­ho­len, al­le auf Schwe­disch. 1970 war er der tie­ri­sche Star in der Ver­fil­mung der des Kin- der­buchs „Pip­pi in Ta­ka-Tu­ka-Land“. Dou­glas spiel­te den Pi­ra­ten­pa­pa­gei Ro­sa­lin­da, des­sen Be­sit­zer Pip­pi Langs­trumpfs Va­ter ent­führ­te. Der cle­ve­ren Toch­ter ge­lang es na­tür­lich, Pa­pa Ephraim zu be­frei­en! Dass der schrä­ge Vo­gel aus dem be­lieb­ten schwe­di­schen Kin­der­film ein­ge­schlä­fert wer­den soll­te, ent­setz­te Fans von Alas­ka bis Aus­tra­li­en. Frank Mad­sen war ver­blüfft, wie vie­le Zoos ihm das An­ge­bot mach­ten, Dou­glas zu über­neh­men. Die Stadt­ver­wal­tung sei­ner Hei­mat­stadt Mal­mö hat­te er zu­vor auch ge­fragt. „Aber lei­der war dort kein Geld da.“Trau­rig ist der ge­lern­te Tier­pfle­ger schon, dass sein ge­fie­der­ter Freund Schwe­den nun ver­lässt. Statt der sie­ben Welt­mee­re muss er aber nur die Ost­see durch­que­ren. Für Karls­ru­he ent­schied sich Frank Mad­sen, weil er die Stadt von ei­nem Be­such 2015 kann­te. „Der Karls­ru­her Zoo ist ei­ne tol­le An­la­ge. Sie sieht gar nicht wie ein Zoo aus, eher wie ein Fa­mi­li­en­park.“Dass der Karls­ru­her Zoo­di­rek­tor Mat­thi­as Rein­schmidt den Pa­pa­gei­en­park auf Te­ne­rif­fa lei­te­te, ehe er ins Ba­di­sche heim­kehr­te, hat Frank Mad­sen noch mehr da­von über­zeugt, „dass Karls­ru­he das rich­ti­ge neue Zu­hau­se für Dou­glas ist.“2005 hat­te der Schwe­de den Vo­gel von ei­nem pri­va­ten Be­sit­zer über­nom­men. Weil er da­mals kein Geld be­zahl­te, war für ihn klar, dass er Dou­glas auch als Ge­schenk nach Deutsch­land ge­ben wür­de. „Viel­leicht lernt er so­gar Deutsch“, spe­ku­liert Be­su­che­rin Lin­da. Dann wen­det sie sich zum Ge­hen. Dou­glas winkt mit dem Fuß hin­ter­her.

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