Al­le lie­ben Ma­ren Ade

Karls­ru­her Re­gis­seu­rin be­geis­tert beim Fes­ti­val in Can­nes

Der Sonntag (Mittelbaden) - - Erste Seite - avs/SO

So et­was hat es beim Film­fes­ti­val in Can­nes schon seit lan­ger Zeit nicht mehr ge­ge­ben: Ein deut­scher Film im Wett­be­werb be­geis­tert die in­ter­na­tio­na­len Kri­ti­ker so sehr, dass sie sich vor Eu­pho­rie über­schla­gen. „Die muss et­was ge­win­nen“, war ges­tern dann auch im­mer wie­der zu hö­ren, „ein kla­rer Fa­vo­rit“. Die Re­de ist von der aus Karls­ru­he stam­men­den Re­gis­seu­rin Ma­ren Ade und ih­rem Film „To­ni Erd­mann“: ein klu­ges, be­rüh­ren­des und zu­gleich sehr ko­mi­sches Werk über die Kon­flik­te zwi­schen El­tern und ih­ren Kin­dern, stark be­setzt mit der Deut­schen San­dra Hül­ler und dem Ös­ter­rei­cher Pe­ter Si­mo­ni­schek. „To­ni Erd­mann“er­zählt von Win­fried und Ines, Va­ter und Toch­ter, die sich im Lau­fe der Jah­re ent­frem­det ha­ben. Die bei­den könn­ten kaum un­ter­schied­li­cher sein: Hier Win­fried, der le­bens­lus­ti­ge Mu­sik­leh­rer, da die kon­trol­lier­te Ines, En­de 30, die als Un­ter­neh­mens­be­ra­te­rin Kar­rie­re macht und sich in der Män­ner­welt durch­setzt. Als Win­frieds Hund stirbt, be­sucht er Ines kurz ent­schlos­sen bei ih­rem ak­tu­el­len Pro­jekt in Ru­mä­ni­en. Es kommt zum Eklat, Win­fried reist ab und kommt als „To­ni Erd­mann“ver­klei­det wie­der zu­rück – schie­fe Zäh­ne, zau­se­li­ge Pe­rü­cke, im­mer et­was zu laut. Sel­ten zu­vor muss­te man bei so schmerz­haf­ten Er­eig­nis­sen auf der Lein­wand auch so herz­haft la­chen. Wie schon in ih­ren Vor­gän­ger­fil­men lässt Ade auch hier ih­re Haupt­dar­stel­ler bril­lie­ren – an „To­ni Erd­mann“und dem Team da­hin­ter scheint bei der Preis­ver­ga­be am kom­men­den Sonn­tag kein Weg vor­bei zu füh­ren. Der Film war schon vor sei­ner Pre­mie­re ein gro­ßer Er­folg für Ade, denn mit ihm hat sie es ge­schafft, je­des ih­rer bis­he­ri­gen Wer­ke in ei­nem welt­be­rühm­ten Wett­be­werb zu zei­gen. „Der Wald vor lau­ter Bäu­men“lief 2005 auf dem Sun­dance Fes­ti­val in den USA und er­hielt dort den Spe­zi­al­preis der Ju­ry. „Al­le an­de­ren“lief 2009 im Wett­be­werb der Ber­li­na­le und brach­te Ade den gro­ßen Preis der Ju­ry und ih­rer Haupt­dar­stel­le­rin Bir­git Mi­nich­mayr ei­nen Sil­ber­nen Bä­ren ein. Ma­ren Ade wur­de 1976 in Karls­ru­he ge­bo­ren. Mit 21 ging sie als Stu­den­tin nach Mün­chen, grün­de­te ih­re Pro­duk­ti­ons­fir­ma Kom­pli­zen Film und zog schließ­lich nach Ber­lin, wo sie heu­te lebt.

Fo­to: AFP

Von Karls­ru­he über Ber­lin nach Can­nes: Die Re­gis­seu­rin Ma­ren Ade be­geis­tert mit ih­rem Film „To­ni Erd­mann“die in­ter­na­tio­na­len Kri­ti­ker.

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