133 Jah­re oh­ne Durch­hän­ger

Mit Jo­hann Au­gust Rö­bling stammt der „Er­fin­der“der Brook­lyn Bridge aus Deutsch­land

Der Sonntag (Mittelbaden) - - Sonntagskinder - Tan­ja Ka­sisch­ke

Emi­ly Roeb­ling war die ers­te Per­son, die am 24. Mai 1883 die neue Brücke über den East Ri­ver in New York be­trat. Sie über­quer­te sie zu Fuß. Die 1,8 Ki­lo­me­ter lan­ge Brücke führt vom New Yor­ker Stadt­teil Brook­lyn nach Man­hat­tan. Des­halb nennt man sie Brook­lyn Bridge (Brook­lyn-Brücke). Ame­ri­ka fei­er­te das Bau­werk als Sen­sa­ti­on, es war vor 133 Jah­ren die längs­te Hän­ge­brü­cke der Welt. Ih­re Fahr­bahn schweb­te an 40 Zen­ti­me­ter di­cken Draht­sei­len über dem Was­ser. Die Sei­le wa­ren an den bei­den 40 Me­ter ho­hen Brü­cken­pfos­ten be­fes­tigt. Dass Emi­ly zu­erst über die Brücke ging, war kein Zu­fall. Die Bau­in­ge­nieu­rin hat­te die Ar­bei­ten an der be­ein­dru­cken­den Fluss­que­rung ge­lei­tet. Trotz­dem liest man als Er­bau­er der Brook­lyn Bridge im Le­xi­kon oder im In­ter­net ei­nen Män­ner­na­men: Jo­hann Au­gust Rö­bling. Das war Emi­lys Schwie­ger­va­ter. Von ihm stamm­ten tat­säch­lich die Plä­ne zu der Brücke. Vor 150 Jah­ren hat­te er mit den Ar­bei­ten be­gon­nen, zog sich da­bei aber ei­ne schwe­re Ver­let­zung zu und starb kur­ze Zeit spä­ter. Sein Sohn Washington, Emi­lys Mann, über­nahm den Brü­cken­bau. Doch auch er hat­te ei­nen Un­fall. Washington muss­te in­fol­ge­des­sen im Roll­stuhl sit­zen und konn­te die Ar­bei­ten auf der Bau­stel­le nicht mehr per­sön­lich ver­fol­gen. Emi­ly rück­te auf und mach­te wei­ter. Das hat ge­klappt. Lo­gisch, dass ihr dann die Eh­re zu­teil­wur­de, die Brook­lyn-Brücke ein­zu­wei­hen. Ehe sie das tat, schick­ten die New Yor­ker ei­ne Grup­pe Zir­ku­se­le­fan­ten über die Brücke. Um zu be­wei­sen, dass sie ei­ni­ges an Ge­wicht ver­trug. Das stimm­te. Die Brook­lyn Bridge hat die ver­gan­ge­nen 133 Jah­re gut über­stan­den. Ak­tu­ell wird sie sa­niert und aus­ge­bes­sert, da­mit sie min­des­tens wei­te­re 133 Jah­re hält. Täg­lich über­que­ren 120000 Au­tos und 4 000 Fuß­gän­ger die Brücke.

Ein Mann aus Thü­rin­gen ent­warf die Plä­ne

Mit Jo­hann Au­gust Rö­bling stammt der Ide­en­ge­ber des New Yor­ker Wahr­zei­chens aus Deutsch­land! Er war ge­bür­ti­ger Thü­rin­ger, wan­der­te aber 1831, 25-jäh­rig, in die USA aus. Da­zu gibt es ei­ne be­mer­kens­wer­te Ge­schich­te: Rö­bling ge­hör­te zu ei­ner deut­schen Aus­wan­de­r­er­grup­pe, die zu­nächst nicht in New York, son­dern im US-Bun­des­staat Penn­syl­va­nia lan­de­te. Sie grün­de­ten so­gar ih­ren ei­ge­nen Ort, Ger­ma­nia. Der Na­me er­in­ner­te an ih­re Hei­mat Deutsch­land (Eng­lisch: Ger­ma­ny). Mitt­ler­wei­le heißt der Ort Sa­xon­burg, aber es gibt ihn im­mer noch. Sei­ne deut­sche Part­ner­stadt ist seit 2008 Mühl­hau­sen in Thü­rin­gen, der Ge­burts­ort von Jo­hann Au­gust Roeb­ling. Sei­nen Na­men schrieb er statt mit ö mit oe, seit­dem er in den USA leb­te. Dort kennt man kei­ne Um­lau­te. Roeb­ling war Bau­in­ge­nieur und in­ter­es­sier­te sich be­son­ders für Brü­cken. Ehe er die Plä­ne für die Brook­lyn Bridge an­fer­tig­te, kon­stru­ier­te er ei­ni­ge klei­ne­re Bau­wer­ke, dar­un­ter ei­ne 250 Me­ter lan­ge Hän­ge­brü­cke un­ter­halb der Nia­ga­ra­fäl­le. Hän­ge­brü­cken wa­ren vor rund 200 Jah­ren die neu­es­te tech­ni­sche Er­run­gen­schaft. Ihr Fan Jo­hann Au­gust Roeb­ling feil­te in­ten­siv an den zu­ge­hö­ri­gen Draht­sei­len. Es ge­lang ihm, im­mer sta­bi­le­re Sei­le an­zu­fer­ti­gen. Nach dem Tod des Va­ter über­nah­men Roeb­lings Söh­ne die Pro­duk­ti­on von Draht- und Stahl­sei­len und be­lie­fer­ten al­le da­mals wich­ti­gen Hän­ge­brü­cken­pro­jek­te Nord­ame­ri­kas. Die be­kann­tes­te Brücke mit Roeb­ling-Sei­len ist – ne­ben der Brook­lyn Bridge – die Gol­den Ga­te Bridge in San Fran­cis­co. Sie ist dop­pelt so lang wie die Brook­lyn-Bridge und führt nicht über ei­nen Fluss, son­dern über ei­ne Mee­res­bucht. Die heißt Gol­de­nes Tor (Gol­den Ga­te). Von ihr lei­tet sich der Na­me Gol­den Ga­te Bridge ab. Ge­mes­sen an den mo­der­nen Brü­cken­pro­jek­ten des 21. Jahr­hun­derts, sind die Brook­lyn Bridge und die Gol­den Ga­te Bridge Mi­nia­tu­ren. 2011 er­öff­ne­te in Chi­na die bis­lang längs­te Mee­res­brü­cke der Welt. Auf 42,5 Ki­lo­me­tern ver­bin­det sie die Städ­te Qing­dao und Huang­do und über­brückt die Jiaoz­haoBucht. Sie ist aber kei­ne Hän­ge­brü­cke, son­dern ver­läuft auf 5 000 Pfei­lern. Den Län­gen­re­kord wird sie vor­aus­sicht­lich noch ein Jahr lang hal­ten. 2017 soll die Hong­kong-Ma­cao-Brücke fer­tig sein, die über das Del­ta des Perl­flus­ses führt. Sie wird 50 Ki­lo­me­ter lang. Das ent­spricht un­ge­fähr der Ent­fer­nung von Karls­ru­he nach Hei­del­berg.

Die Brook­lyn Bridge in New York Ci­ty ist ei­ne der äl­tes­ten Hän­ge­brü­cken in den USA. Sie über­spannt den East Ri­ver und ver­bin­det die Stadt­tei­le Man­hat­tan und Brook­lyn mit­ein­an­der. Zum Zeit­punkt ih­rer Fer­tig­stel­lung 1883 war sie die längs­te Hän­ge­brü­cke der Welt. Fo­to: Ima­go

Von Jo­hann Au­gust Rö­bling stamm­ten die Plä­ne für die Brook­lyn Bridge. Fo­to: Tou­rist­in­fo Mühl­hau­sen

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.