Auf­ge­fal­len

Der Sonntag (Mittelbaden) - - Aktuell - Wolf­gang We­ber

Wer Nach­barn hat, die je­den Mor­gen ab et­wa 6 Uhr ih­re drei leb­haf­ten Hun­de laut bel­lend 20 bis 30 Mi­nu­ten im Gar­ten her­um­tol­len las­sen, der braucht kei­nen We­cker mehr – auch nicht am Wo­che­n­en­de, denn selbst­ver­ständ­lich ha­ben die um­trie­bi­gen Vier­bei­ner auch am Sams­tag und Sonn­tag gro­ße Lust, ih­rem ge­räusch­vol­len Frei­zeit­ver­gnü­gen nach­zu­ge­hen. Ob da gleich ne­ben­an viel­leicht noch Nach­barn schla­fen, ist ne­ben­säch­lich und in­ter­es­siert we­der die Hun­de noch de­ren Be­sit­zer. Doch nicht nur bel­len­de Hun­de kön­nen Men­schen in den Wahn­sinn trei­ben – das schaf­fen auch Häh­ne. In dem Dorf Zitz west­lich von Ber­lin schwelt seit drei Jah­ren ein „Go­ckel­streit“, mit dem sich das Amts­ge­richt der Stadt Bran­den­burg an der Ha­vel aus­ein­an­der­set­zen muss. Der Klä­ger fühlt sich von den tie­ri­schen Ki­ke­ri­ki-Lau­ten be­läs­tigt und will er­rei­chen, dass der be­nach­bar­te Hob­by­züch­ter sei­ne Häh­ne – zeit­wei­se bis zu acht Tie­re – zu be­stimm­ten Zei­ten nicht ins Freie las­sen darf: werk­tags von 20 bis 8 Uhr mor­gens und an Sonn- und Fei­er­ta­gen zu­sätz­lich von 12 bis 15 Uhr. In der üb­ri­gen Zeit sol­len höchs­tens zwei Häh­ne den Stall ver­las­sen. Dar­über hin­aus for­dert der Klä­ger, dass der Züch­ter nur bis zu zwei Häh­ne hal­ten darf, die nicht lau­ter als 55 De­zi­bel krä­hen dür­fen. Man darf ge­spannt sein, wie die Sa­che wei­ter­geht, noch hat das Ge­richt kein Ur­teil ge­spro­chen. Lau­te Tie­re sind üb­ri­gens recht häu­fig ein Fall für die Ge­rich­te. So trie­ben laut quie­ken­de Meer­schwein­chen in ei­ner Zucht­an­la­ge der Uni­ver­si­tät Müns­ter ei­ne An­woh­ne­rin zur Ver­zweif­lung. Das Ver­wal­tungs­ge­richt gab ihr recht: Zwei Me­ter Ab­stand zwi­schen ih­rer Grund­stücks­gren­ze und den Kä­fi­gen sei­en zu we­nig die Na­ger muss­ten um­zie­hen. Und auch krei­schen­de Pa­pa­gei­en sind den Nach­barn nur zwei St­un­den am Tag zu­zu­mu­ten. Das ent­schied das Land­ge­richt Han­no­ver. Ein Mann hat­te ge­gen den Be­sit­zer der Vö­gel ge­klagt, die in ei­ner Au­ßen­vo­lie­re „oh­ren­be­täu­ben­den Lärm“mach­ten. Bleibt zu hof­fen, dass Pip­pi-Langs­trumpfPa­pa­gei Dou­glas, der neue Star im Karls­ru­her Zoo, kei­ne An­woh­ner ver­schreckt und wo­mög­lich auch ein Fall für die Ge­rich­te wird. Zu be­fürch­ten ist dies nicht. Der be­rühm­te Ara scheint sich in sei­ner Se­nio­ren­re­si­denz aus­ge­spro­chen wohl zu füh­len und hat­te bis­lang kei­ner­lei Grund, so laut zu wer­den, dass sich je­mand da­ran stö­ren könn­te.

Wenn Häh­ne zu laut krä­hen ...

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