Des Schwarz­walds kah­le Kup­pen

Die Gr­in­den im Na­tio­nal­park: Schüt­zens­wer­te Schön­heit von Men­schen­hand

Der Sonntag (Mittelbaden) - - Die Region - Patri­cia Klatt

Wei­ße Bir­ken, satt­grü­ne Zwerg­strauch­hei­den, wei­te of­fe­ne Flä­chen und ein atem­be­rau­ben­der Blick ins Rhein­tal – die Gr­in­den im Na­tio­nal­park Schwarz­wald wir­ken so, als ob sie schon im­mer da­ge­we­sen sei­en. Und sie sind so hoch oben und of­fen, dass As­te­rix be­stimmt be­fürch­tet hät­te, hier wür­de ihm der Him­mel auf den Kopf fal­len. „Da­bei sind die Gr­in­den ei­ne Kul­tur­land­schaft und die Fol­ge von jahr­hun­der­te­lan­gem Ein­griff durch den Men­schen“, er­läu­tert Marc För­sch­ler, Lei­ter der Ab­tei­lung für Öko­lo­gi­sches Mo­ni­to­ring, For­schung und Ar­ten­schutz im Na­tio­nal­park. Über die Hö­hen­zü­ge zwi­schen Ba­den-Ba­den und Freu­den­stadt er­streckt sich der Gr­in­den­schwarz­wald, dünn be­sie­delt und Wald pur. Ein Teil da­von und das kom­plet­te Ge­gen­teil da­zu sind die wald­frei­en Berg­kup­pen die­ses Hö­hen­zu­ges, die Gr­in­den (schwä­bisch: Kah­ler Kopf) mit ih­rer fas­zi­nie­ren­den Schön­heit – aber eben mensch­ge­macht. Schon im 14. Jahr­hun­dert wur­den die Hoch­la­gen von den Bau­ern aus den Ge­mein­den der Tä­ler ge­ro­det und mit Rin­dern und mit Zie­gen be­wei­det, der Wald ver­schwand auf die­sen Flä­chen. Freie Flä­chen, ho­he Nie­der­schlä­ge – bis zu 2 200 Mil­li­me­ter Jah­res­nie­der­schlag an der Hor­nis­grin­de – und Bunt­sand­stein als Un­ter­grund, das führ­te im Lau­fe der Jahr­hun­der­te zu ei­ner Ver­saue­rung des Bo­dens, zur Hoch­moor­bil­dung und zur cha­rak­te­ris­ti­schen VeRing­dros­sel. ge­ta­ti­on auf den Gr­in­den. „Der Schutz der Gr­in­den ge­hört zum Kon­zept des Na­tio­nal­parks da­zu und es wird an­ge­strebt, die ein­zel­nen Tei­le ent­lang der B 500 zwi­schen Alex­an­der­schan­ze und Ru­he­stein zu ei­nem Gr­in­den­band zu ver­bin­den“, sagt Marc För­sch­ler. Da­durch sol­le für ein­zel­ne Ar­ten wie zum Bei­spiel Wie­sen­pie­per, Kreuz­ot­ter oder Al­pi­ner Ge­birgs­schre­cke auch wie­der ein Aus­tausch der Po­pu­la­tio­nen mög­lich und die Ge­samt­flä­che der Gr­in­den er­wei­tert wer­den. In frü­he­ren Zei­ten wa­ren über 2 000 Hekt­ar der Gip­fel wald­frei, heu­te ist es nur noch ein Zehn­tel da­von, rund 200 Hekt­ar, die in den let­zen Jahr­zehn­ten auf­wen­dig frei­ge­hal­ten wer­den muss­ten. Seit Mit­te der 1990er Jah­re wei­den dort wie­der Scha­fe und Schwarz­wäl- der Hin­ter­wäl­der-Rin­der. „Zu der Be­wei­dung gibt es ak­tu­ell auch meh­re­re Ba­che­lor- und Mas­ter­ar­bei­ten, die sich mit der Fra­ge be­schäf­ti­gen, wel­chen Ein­fluss die Art der Be­wei­dung auf die Ve­ge­ta­ti­on hat“, so För­sch­ler. „Die Hin­ter­wäl­der kom­men zum Bei­spiel dort oben gut zu­recht und sie ver­ur­sa­chen we­nig Tritt­schä­den. Eben­so wie die Scha­fe fres­sen sie man­che Grä­ser be­vor­zugt ab und schaf­fen da­durch Platz für an­de­re Pflan­zen wie Hei­del­bee­re oder Be­sen­hei­de. Die wie­der­um bie­ten Nah­rung für wei­te­re In­sek­ten, was dann den Vö­geln zu­gu­te kommt und letzt­end­lich wird so durch die Be­wei­dung die Ar­ten­viel­falt in dem Ge­biet er­höht“. Auf den Gr­in­den fin­det man ei­ni­ge sehr sel­te­ne Vo­gel­ar­ten wie Wie­sen­pie­per oder Auch der St­ein­sch­mät­zer nutzt die Gr­in­den wie in al­ten Zei­ten als Rast­platz. „Der Zi­tro­nen­zei­sig ist aber wohl trotz­dem ver­schwun­den“, be­dau­ert För­sch­ler, zu­min­dest ha­be man in die­sem Jahr bis­her nur ei­nen ein­zi­gen am Schliff­kopf ge­se­hen. Die Gr­in­den im Na­tio­nal­park üben ei­ne ganz ei­ge­ne Fas­zi­na­ti­on auf den Be­su­cher aus. Man fühlt sich an Skan­di­na­vi­en er­in­nert oder an die Lü­ne­bur­ger Hei­de – oder auch, wenn der Ne­bel wie­der ein­mal wa­bert, so­gar an die gu­ten al­ten Ed­gar-Wal­lace-Fil­me. „Das Wet­ter dort oben ist eben nicht all­täg­lich, die höchs­ten Nie­der­schlä­ge, star­ker Wind und (noch) viel Schnee füh­ren zu merk­wür­di­gen

Star­ker Wind und die höchs­ten Nie­der­schlä­ge Man sieht so­gar die Ei­ger Nord­wand…

Sa­chen wie quer­wach­sen­den Eis­zap­fen im Win­ter“, sagt Tho­mas Hörn­le. Er ist Vor­sit­zen­der der Na­bu-Grup­pe Bühl/Achern und eh­ren­amt­li­cher Ran­ger im Na­tio­nal­park. Tho­mas Hörn­le ist dort oben viel und ger­ne un­ter­wegs, „bei gu­tem Wet­ter kann man nicht nur die Vo­ge­sen, die Al­pen, den Feld­berg und das Ber­ner Ober­land se­hen, son­dern man er­kennt so­gar die Ei­ger Nord­wand mit blo­ßem Au­ge von der Aus­sichts­stel­le am Gr­in­den­turm“. Die sei Luft­li­nie cir­ca 260 Ki­lo­me­ter ent­fernt, schätzt Hörn­le. Und der per­sön­li­che Tipp des Ran­gers ist der ganz be­son­ders frü­he Mor­gen, dann, wenn die Son­ne über den Gr­in­den auf­geht und die Land­schaft so aus­sieht, als ob sie schon im­mer da­ge­we­sen sei.

Fas­zi­na­ti­on Gr­in­den: Man fühlt sich an Skan­di­na­vi­en er­in­nert oder an die Lü­ne­bur­ger Hei­de – und wenn der Ne­bel wa­bert, so­gar an al­te Ed­gar-Wal­lace-Fil­me. Die­ses Fo­to ent­stand An­fang Mai. Fo­to: Klatt

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