Le­se­stoff

Der Sonntag (Mittelbaden) - - Tipps & Themen - Sp

Das Bü­ro ist der Kampf­platz der Mo­der­ne. Es ist zum Sinn­bild ei­nes stan­dar­di­sier­ten, ent­frem­de­ten Le­bens ge­wor­den und der Bü­ro­ar­bei­ter zum Pro­to­typ des durch­ge­tak­te­ten, ent­seel­ten Men­schen. In­so­fern ist es nicht ver­wun­der­lich, dass das Bü­ro auch ein wich­ti­ger Schau­platz in der Li­te­ra­tur ist und der Bü­roro­man qua­si ei­ne ei­ge­ne Gat­tung dar­stellt. Franz Kaf­ka ist hier der Klas­si­ker. Jo­nas Karls­son (45), der schwe­di­sche Au­tor und Schau­spie­ler, ist kein Kaf­ka, doch sein Ro­man „Das Zim­mer“er­in­nert viel­fach an die­ses Vor­bild. Das Buch ist ein be­ein­dru­cken­des Stück Pro­sa über die Ab­sur­di­tät der mo­der­nen Ar­beits­welt: Die An­ge­stell­ten sind klei­ne Räd­chen im Ge­trie­be, die ih­ren im­mer gleich­för­mi­gen All­tag ab­spu­len. Ar­beits­pro­zes­se wer­den nicht hin­ter­fragt, son­dern als gott­ge­ge­ben hin­ge­nom­men. In Karls­sons Ro­man ist der Ich-Er­zäh­ler Björn der Ein­dring­ling und Au­ßen­sei­ter, der die Bü­ro­welt ins Wan­ken bringt. Er ent­deckt ne­ben der Toi­let­te ein rät­sel­haf­tes Zim­mer, des­sen Exis­tenz von den Kol­le­gen aber ge­leug­net wird. Wem soll man am En­de glau­ben, ihm oder den Kol­le­gen? Der Au­tor lässt den Le­ser ab­sicht­lich ge­fan­gen in sei­nen Zwei­feln.

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