Wo ist ei­ne Eis­die­le?

In im­mer mehr Städ­ten gibt es Stadt­plä­ne für Kin­der

Der Sonntag (Mittelbaden) - - Reise & Urlaub - Re­bec­ca Kriz­ak

Die we­sent­li­che Fra­ge ist die nach dem Eis. Wo gibt es das nächs­te und wie ge­langt man da­hin? Wäh­rend ge­wöhn­li­che Stadt­plä­ne öf­fent­li­che Ein­rich­tun­gen, Stra­ßen und Parks aus­zeich­nen, kön­nen Kin­der­stadt­plä­ne sehr viel mehr. Sie zei­gen Kin­dern, wo die Stadt et­was für sie zu bie­ten hat. Und das nicht aus der Sicht von Er­wach­se­nen, die beim An­blick ei­nes Ge­büschs so­wie­so nicht so schnell das idea­le Ver­steck dar­in er­ken­nen wür­den. Son­dern aus Sicht von Ex­per­ten, die es wis­sen müs­sen: Den Kin­dern selbst. In vie­len deut­schen Städ­ten ge­hö­ren Kin­der­stadt­plä­ne mitt­ler­wei­le zum An­ge­bot. 20 000 Stück ver­teilt et­wa die Stadt Han­no­ver je­des Jahr. Und oft hat je­der Stadt­teil sei­nen ei­ge­nen Plan. „Kin­der be­we­gen sich ja nicht quer durch die Stadt, son­dern blei­ben in der Nä­he ih­res Zu­hau­ses“, sagt Tho­mas Lei­din­ger, Ver­kehrs­pla­ner in Han­no­ver. „Er­wach­se­ne kön­nen sich viel wei­ter weg­be­ge­ben und zu schö­nen Or­ten oder Freun­den fah­ren. Kin­der sind auf die un­mit­tel­ba­re Um­ge­bung an­ge­wie­sen“, sagt auch der Lud­wigs­bur­ger So­zio­lo­ge Pe­ter Höff­lin. Höff­lin hat in ei­ner Stu­die im Auf­trag des Deut­schen Kin­der­hilfs­werks Wohn­ge­bie­te auf die Spiel­mög­lich­kei­ten für Kin­der hin un­ter­sucht. „Ge­gen den de­mo­gra­fi­schen Wan­del kön­nen die Städ­te nur we­nig tun. Die Stadt­ent­wick­lung kön­nen sie aber be­ein­flus­sen“, sagt er. Und: Es gibt noch viel Po­ten­zi­al. Höff­lin hält es des­halb für wich­tig, Kin­der in den Pro­zess der Stadt­plan­ent­wick­lung ein­zu­be­zie­hen. So macht es auch die Stadt Mün­chen, in der es die Plä­ne für Kin­der 1991 mit als Ers­tes gab. Zwei Jah­re neh­men sich die Päd­ago­gin Eve­lyn Knecht und ihr Team Zeit für den Plan. Mäd­chen und Jun­gen er­kun­den ihr Vier­tel, ge­ben Rück­mel­dung und be­wer­ten An­ge­bo­te. „Die Kin­der dür­fen ihr Wis­sen prä­sen­tie­ren und die El­tern se­hen, wie die Kin­der Sa­chen ein­schät­zen“, er­klärt Knecht. In den Plä­nen sei dann auch schon mal ei­ne Un­ter­füh­rung zum Ska­ten da­bei. „Dann gibt es wil­de Dis­kus­sio­nen, dass das ja nicht in so ei­nen Plan ge­hö­re“, er­zählt sie. „Aber wer meint, dass das nicht gut sei, muss den Kin­dern halt erst­mal et­was an­de­res bie­ten.“Mitt­ler­wei­le hat sich um die Ent­wick­lung von Kin­der­stadt­plä­nen ein Markt ent­wi­ckelt. Die Fir­ma Ko­bra aus Süd­deutsch­land et­wa be­treut ei­gent­lich Bür­ger­be­tei­li­gungs­pro­jek­te. 2001 hat sie da­mit be­gon­nen, Stadt­plä­ne zu ent­wer­fen. 140 ver­schie­de­ne gibt es heu­te. Als Nächs­tes wird es laut Höff­lin dar­um ge­hen, die Idee zu di­gi­ta­li­sie­ren. In vie­len Städ­ten sind die Plä­ne im In­ter­net ab­ruf­bar. „Sys­te­ma­tisch wird da je­doch mo­men­tan noch sehr we­nig ge­macht, aber das wird kom­men“, meint der Ex­per­te. Für ihn zahlt sich die Ent­wick­lung der Kin­der­stadt­plä­ne am En­de nicht nur für die Kin­der selbst aus: „Ein at­trak­ti­ves Wohn­ge­biet für Kin­der ist auch at­trak­tiv für al­le an­de­ren.“

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