Ein lan­ger Weg bis zur Har­mo­nie

Dres­sur­rei­te­rin Jen­ny Lang-Nob­be in­ves­tiert viel Zeit in ih­re Lei­den­schaft

Der Sonntag (Mittelbaden) - - Sport - Ha­rald Lin­der

Ein sanf­ter Schen­kel­druck, ei­ne klei­ne Ge­wichts­ver­la­ge­rung oder der kaum wahr­nehm­ba­re Ein­satz des Zü­gels und „Dia­mond Song“, der auch auf den Na­men „Di­di“hört und ge­ra­de durch die Reit­hal­le in Dur­lach trabt, wech­selt in ei­nen leich­ten Ga­lopp, was ihm das Lob sei­ner Rei­te­rin ein­trägt. Die heißt Jen­ny Lang-Nob­be und ist als Di­plom-Wirt­schafts­in­ge­nieu­rin im el­ter­li­chen Be­trieb tä­tig. Im Al­ter von 13 Jah­ren kam die heu­te 29-Jäh­ri­ge eher zu­fäl­lig mit Pfer­den in Be­rüh­rung und ist seit­her dem Reit­sport und spe­zi­ell der Dres­sur „ver­fal­len“, wie sie sagt. Ver­bun­den ist die­se Ob­ses­si­on in ers­ter Li­nie mit dem Na­men „Lo­ver­boy“. Ein 16-jäh­ri­ger Hol­stei­ner, der seit 2005 in ih­rem Be­sitz ist und der sich seit­her zu ei­nem Spit­zend­res­sur­pferd ent­wi­ckelt

Im deut­schen B-Ka­der in­ter­na­tio­nal im Ein­satz

hat, wie Jen­ny Lang-Nob­be von dem klei­nen Wal­lach schwärmt, der zu­sam­men mit sei­ner Rei­te­rin im Dres­sur­sport seit Jah­ren für Fu­ro­re sorgt. Kürz­lich erst ge­wan­nen sie wie­der beim 53. Mai­markt-Tur­nier in Mann­heim, ih­ren Lieb­lings­tur­nier, nach Rang zwei im Grand Prix zum vier­ten Mal in Fol­ge den Ti­tel in der Grand Prix Kür. Seit drei Jah­ren ge­hört die Karls­ru­he­rin dem deut­schen B-Ka­der an und wird auch bei in­ter­na­tio­na­len Tur­nie­ren ein­ge­setzt. Wie jetzt an die­sem Wo­che­n­en­de wie­der, an dem sie mit „Lo­ver­boy“als Mit­glied der deut­schen Equi­pe im fran­zö­si­schen Com­pièg­ne da­bei ist, wo ei­ne Etap­pe des Na­tio­nen­prei­ses der Dres­sur­rei­ter aus­ge­tra­gen wird. Am ver­gan­ge­nen Mitt­woch mach­te sie sich mit ih­rer Schwes­ter Chris­tin, die sie stets be­glei­tet und auf den gro­ßen Tur­nier­plät­zen im­mer un­ter­stüt­zend an ih­rer Sei­te ist, auf die Rei­se nach Com­pièg­ne, um zu­sam­men mit Ber­na­det­te Bru­ne, Anna­bel Fren­zen und Cris­to­bal Kath­le­en-Kel­ler Deutsch­land im Na­tio­nen­preis zu ver­tre­ten. Et­was, das ihr viel Spaß macht, denn Jen­ny Lang-Nob­be ver­steht sich als „Te­am­play­er“, wie sie be­tont. „Im Team zu rei­ten, macht un­heim­lich viel Spaß“, freut sie sich auf die Auf­ga­be bei ei­nem der größ­ten Tour-Events im Dres­sur­sport mit ins­ge­samt mehr als 230 Paa­ren vom Po­ny-Le­vel bis zum Grand Pri­x­Ni­veau da­bei zu sein. Rei­ten wird sie da „Lo­das ver­boy“. „Dia­mond Song“war eben­falls im Pfer­de­an­hän­ger da­bei, auch wenn er nicht zum Ein­satz kommt, denn noch kann der Neun­jäh­ri­ge, den sie vor drei Jah­ren über­nom­men hat, nicht al­le Lek­tio­nen so per­fekt, wie sie ein Dres­sur­pferd zei­gen muss, wenn es in ei­nem gro­ßen Wett­kampf be­ste­hen will. „Er muss noch ei­ni­ges ler­nen“, sagt Jen­ny Lang-Nob­be, als sie ihn nach ei­ner Trai­nings­ein­heit aus der Reit­hal­le in den Stall führt, wo sie ihn zu­sam­men mit Schwes­ter Chris­tin ver­sorgt. „Es dau­ert lan­ge, bis man ei­ne Ein­heit mit dem Pferd bil­det und zu­sam­men mit ihm auf den Punkt Höchst­leis­tun­gen brin­gen kann. Und es er­for­dert sehr viel Aus­bil­dungs­ar­beit, bis das Pferd weiß, wel­che Hil­fe und wel­ches Kom­man­do mit wel­cher Lek­ti­on ver­bun­den ist. Ver­trau­en ist da ein wich­ti­ger Punkt. Das Pferd muss mir ver­trau­en und ich muss dem Pferd ver­trau­en. Es ist ein lan­ger Weg, bis die Har­mo­nie zwi­schen Rei­ter und Pferd so da ist, wie es bei­spiels­wei­se mit ‚Lo­ver­boy‘ der Fall ist“, ver­weist sie auf die vie­len Trai­nings­stun­den, die sie ne­ben dem Be­ruf mit ih­ren Pfer­den ver­bringt. „Man muss sich sei­ne Zeit gut ein­tei­len, dann be­kommt man schon hin“, meint die jun­ge Frau, die zu­sam­men mit ih­rer Schwes­ter ger­ne Ten­nis spielt, wenn es sich zeit­lich er­mög­li­chen lässt. Aber das sport­li­che Haupt­au­gen­merk gilt dem Dres­sur­sport und da freut sie sich jetzt schon auf die Über­tra­gung der Olym­pi­schen Spie­le aus Rio, die sie „auf je­den Fall“ver­fol­gen wird, auch wenn sie selbst (noch) nicht zu den Olym­pia­star­tern ge­hört. Aber was nicht ist, kann ja viel­leicht noch wer­den, „denn Olym­pi­sche Spie­le sind für je­den Sport­ler ein­fach das Größ­te.“

Grup­pen­bild mit „Di­di“, der ei­gent­lich „Dia­mond Song“heißt: Jen­ny Lang-Nob­be (rechts) und ih­re Schwes­ter Chris­tin Lang ver­brin­gen sehr viel Zeit mit ih­ren Dres­sur­pfer­den. Der neun­jäh­ri­ge „Di­di“braucht aber noch vie­le Übungs­ein­hei­ten, bis er bei gro­ßen Tur­nie­ren ge­gen die Kon­kur­renz be­ste­hen kann. Fo­to: GES/Prang

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