Bier-Ge­schich­ten

Der Sonntag (Mittelbaden) - - Die Region -

Ba­de­ner des Jah­res: Im Jahr 2011 ver­gab der Bund Frei­heit statt Ba­den-Würt­tem­berg, bei dem das ver­schmitz­te Lä­cheln zum Pro­gramm ge­hört, erst­mals den Ti­tel „Ba­de­ner des Jah­res“an ei­ne Fla­sche: das „Tan­nen­zäpf­le“. Das Bier tra­ge näm­lich da­zu bei, den gu­ten Ruf Ba­dens in der gan­zen Welt zu ver­brei­ten, sag­te da­mals Lau­da­tor Mar­tin Wa­cker – was man auch dar­an er­ken­ne, das der ba­di­sche Mun­d­art-Be­griff „Zäpf­le“in „über 150 Ber­li­ner Sze­ne-Kn­ei­pen zum gu­ten Ton der Ge­trän­ke­kar­ten“zäh­le. Das Kult-Bier wird in der Ba­di­schen Staats­braue­rei Rot­haus pro­du­ziert, die 1791 von Be­ne­dik­ti­ner­mön­chen aus St. Bla­si­en im Schwarz­wald ge­grün­det wur­de. Für ei­ne weit­aus jün­ge­re ba­di­sche Bier­tra­di­ti­on steht ein an­de­rer Ba­de­ner des Jah­res: Der aus Bu­sen­bach stam­men­de Brau­er Ru­di Vo­gel er­hielt den Eh­ren­ti­tel im Jahr 2005 – 20 Jah­re nach­dem er mit der Er­öff­nung sei­nes ers­ten „Feucht­bio­tops“in Karls­ru­he die Re­gi­on in die Epo­che des „un­ge­fil­ter­ten Ori­gi­nals“ka­ta­pul­tiert hat­te.

Bier für Kin­der? Um 1910 hat­te man kei­ne Hem­mun­gen, Kin­der als fröh­li­che Ze­cher dar­zu­stel­len. In der Mann­hei­mer BierAus­stel­lung, die sich auch mit den The­ma Sucht be­schäf­tigt, ist un­ter an­de­rem ei­ne Post­kar­te zu se­hen, die ei­nen klei­nen Bub in baye­ri­scher Tracht zeigt. Der viel­leicht vier oder fünf Jah­re al­te Jun­ge schwingt be­geis­tert sei­ne „ers­te Maß“. Aus dem­sel­ben Jahr stammt ein Email­le­schild, das mit dem Hin­weis „Ärzt­lich emp­foh­len“für Tauch­lit­zer Schwarz­bier wirbt. Im Lau­fe des 20. Jahr­hun­derts wuchs das Be­wusst­sein für die mit Al­ko­hol ver­bun­de­nen Ge­fah­ren. So gab es in den 1970er Jah­ren Quar­tett­spie­le mit der Auf­for­de­rung: „Mei­det Al­ko­hol am Steu­er“. Die Fir­ma Play­mo­bil ver­kauf­te al­ler­dings noch zwi­schen 1975 und 1980 ei­nen Bau­stel­len-Bau­satz für Kin­der, zu dem ne­ben Bau­ar­bei­tern, Mör­tel­mi­scher und Schub­kar­re auch ein Plas­tik-Bier­kas­ten ge­hört. In spä­te­ren Jah­ren ver­zich­te­te die Fir­ma dann auf die „Bier­bei­ga­be“– was ein In­di­ka­tor da­für sein dürf­te, dass die Ge­sell­schaft den Al­ko­hol am Ar­beits­platz zu­neh­mend kri­tisch be­trach­te­te. bo

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