Jun­ger Kom­po­nist: Ent­spann­tes Spiel mit Klang­wel­ten

Klei­ne Kom­po­nis­ten: Ex­per­ten plä­die­ren für ent­spann­te­ren Um­gang von Kin­dern mit der Mu­sik

Der Sonntag (Mittelbaden) - - Erste Seite - Micha­el Win­de

Da­vid Vor­ra­ber ist zwölf und tut et­was, das kaum je­mand in sei­nem Al­ter tut: Er kom­po­niert Mu­sik. Wenn es nach zu­stän­di­gen Ver­bän­den geht, soll­ten viel mehr Kin­der kom­po­nie­ren. Sie wol­len, dass mehr Her­an­wach­sen­de mit No­ten spie­len. Bil­der zu ma­len, sei für Kin­der ganz nor­mal, sagt Phil­ipp Van­dré vom Ver­band Jeu­nes­ses Mu­si­ca­les Deutsch­land (JMD), ei­ner Or­ga­ni­sa­ti­on zur mu­si­ka­li­schen För­de­rung jun­ger Men­schen. Der Um­gang mit Mu­sik hin­ge­gen be­schrän­ke sich meist auf das Spiel nach No­ten oder die In­ter­pre­ta­ti­on von Mu­sik­stü­cken. Kom­po­niert wird fast nir­gends. Denn beim Mu­si­zie­ren kom­me es spä­tes­tens mit Er­ler­nen ei­nes In­stru­ments auf rich­tig oder falsch an, sagt Van­dré. Da­durch steigt die Hemm­schwel­le. „Kei­ner kä­me auf die Idee, ei­nem Kind das Ma­len zu ver­bie­ten, weil es kein Pi­cas­so ist.“Er wünscht sich ei­nen ent­spann­te­ren Um­gang mit Kin­dern, die Mu­sik er­fin­den – egal, ob falsch oder rich­tig. Auch der Ver­band deut­scher Mu­sik­schu­len (VdM) möch­te das Fach an sei­nen Ein­rich­tun­gen stär­ken. „Kom­po­nie­ren ge­hört zur Mu­sik, ist ein we­sent­li­cher Teil der Mu­sik“, sagt Fried­rich-Koh Dol­ge, der auch Schul­lei­ter der städ­ti­schen Mu­sik­schu­le in Stuttgart ist. Für Da­vid ist das Kom­po­nie­ren selbst­ver­ständ­lich. Der Jun­ge aus Zel­lin­gen bei Würz­burg, des­sen El­tern Be­rufs­mu­si­ker sind, mu­si­ziert seit sei­nem vier­ten Le­bens­jahr. Vier Jah­re spä­ter hat er be­gon­nen, auf Kla­vier und Lap­top mit Tö­nen zu spie­len. Seit er neun ist, ab­sol­viert er ein Früh­stu­di­um an der Würz­bur­ger Mu­sik­hoch­schu­le. An­fangs ha­be er No­ten – et­wa von Mo­zart – ab­ge­schrie­ben, „um zu schau­en, wie der das ge­macht hat“. Heu­te läuft das an­ders: „Ich pro­bie­re erst mal ir­gend­was aus am Flü­gel und wenn ich den­ke, das klingt gut, schrei­be ich das auf.“Manch­mal kommt so in zwei St­un­den ein Takt zu­stan­de, manch­mal 30 Tak­te in ei­ner St­un­de. Mit sei­ner „Toc­ca­ta“hat Da­vid den

Rich­tig oder falsch soll kei­ne Rol­le spie­len

För­der­preis des JMD-Wett­be­werbs „Ju­gend kom­po­niert“in der Al­ters­grup­pe der Zwölf­bis 13-Jäh­ri­gen ge­won­nen. Phil­ipp Van­dré ge­rät ins Schwär­men, wenn er übers Kom­po­nie­ren spricht. „Kaum et­was ist für die Per­sön­lich­keits­bil­dung so wert­voll wie das Mu­si­k­er­fin­den.“. Ei­ne äs­the­ti­sche Re­fle­xi­on dür­fe man von Kin­dern nicht er­war­ten, sagt Van­dré. „Aber be­wuss­te Klang­vor­stel­lun­gen ent­wi­ckeln und die in Zu­sam­men­hang stel­len – das kön­nen Kin­der schon.“Da­vid be­schreibt sei­nen ei­ge­nen Stil als rhyth­misch und mo­dern mit schrä­gen Me­lo­di­en. Er mag die Kom­po­nis­ten Frédé­ric Cho­pin und Ro­bert Schu­mann, aber auch Aram Chat­scha­tur­jan oder Ge­or­ge Gershwin. Nach­ah­men möch­te er de­ren Stil aber nicht – er macht sein ei­ge­nes Ding. Und hat auch schon ein Stück für das Strei­cher-Orches­ter sei­ner Schu­le kom­po­niert. Was es da­zu braucht? „Man muss hö­ren kön­nen und Lust ha­ben, mit Klang­wel­ten zu spie­len“, sagt Phil­ipp Van­dré. Ei­gent­lich wür­den Kin­der da­mit ganz von selbst be­gin­nen. „Erst in dem Mo­ment, wenn sie ein In­stru­ment in die Hand krie­gen, geht es um rich­tig oder falsch. Dann ist kein Platz mehr für den frei­en, krea­ti­ven Be­reich.“Der Ver­band der Mu­sik­schu­len möch­te das än­dern – und gab dem Lehr­plan, der En­de April er­schie­nen ist, ei­nen neu­en Na­men. Statt wie bis­her „Mu­sik­theo­rie“heißt der Lehr­plan für die Mu­sik­schu­len jetzt „Mu­sik­theo­rie und Kom­po­si­ti­on“. „Es wä­re ein gro­ßer Fort­schritt, wenn wir an je­der öf­fent­li­chen Mu­sik­schu­le das Fach Kom­po­nie­ren an­bie­ten kön­nen“, sagt Dol­ge. Ihm zu­fol­ge ist die Zahl der Kom­po­si­ti­ons­schü­ler seit 1998 auf kon­stant nied­ri­gem Ni­veau. Da­vid woll­te frü­her mal Di­ri­gent wer­den, jetzt denkt der Zwölf­jäh­ri­ge über ein Le­ben als Leh­rer nach – das sei si­che­rer. Und was wird aus sei­nen Kom­po­si­tio­nen? „Die sol­len mög­lichst auf gro­ßen Büh­nen auf­ge­führt wer­den“, sagt Da­vid. Das Kom­po­nie­ren bleibt ein Hob­by – aber sei­ne Mu­sik soll be­kannt wer­den.

Fo­to: avs

Mo­dern mit schrä­gen Me­lo­di­en – das ist sein Stil: Da­vid Vor­ra­ber hat den För­der­preis des JMDWett­be­werbs „Ju­gend kom­po­niert“in der Al­ters­grup­pe der Zwölf- bis 13-Jäh­ri­gen ge­won­nen.

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