Will­kom­men in Lon­don

Sha­ke­speares Spu­ren sind in der Me­tro­po­le all­ge­gen­wär­tig

Der Sonntag (Mittelbaden) - - Reise & Urlaub - Mag

Wil­li­am Sha­ke­speare (1564 bis 1616) hat in Lon­don sein ge­sam­tes Be­rufs­le­ben ver­bracht – auch wenn die meis­ten sei­ner Stü­cke in Ita­li­en spiel­ten. Noch im­mer kann man in der bri­ti­schen Me­tro­po­le auf den Spu­ren des Dra­ma­ti­kers wan­deln, der vor 400 Jah­ren ge­stor­ben ist.

In Sha­ke­speares ori­gi­nal­ge­treu nach­ge­bau­tem Thea­ter am Süd­ufer der Them­se er­lebt man sei­ne Dra­men so, wie sie zu sei­nen Leb­zei­ten auf­ge­führt wur­den: als lär­men­des Spek­ta­kel für al­le Be­völ­ke­rungs­schich­ten.

In die­ser wun­der­schö­nen Kir­che wur­de am 31. De­zem­ber 1607 Sha­ke­speares Bru­der Ed­mund bei­ge­setzt. Es gilt als si­cher, dass auch Wil­li­am hin­ter dem Sarg ein­her­schritt – in bit­te­rer Käl­te. Denn da­mals war die Welt fest im Griff der Klei­nen Eis­zeit.

Der Na­me von Fran­cis Dra­ke muss in Sha­ke­speares Zeit ähn­lich be­kannt ge­we­sen sein wie heu­te der ei­nes Fuß­ball­Stars. Am Süd­ufer der Them­se kann man sich das re­kon­stru­ier­te Schiff an­se­hen, mit dem der Frei­beu­ter um die Welt se­gel­te: die „Gol­den Hin­de“.

Die­se Brü­cke war zur Sha­ke­speare-Zeit die längs­te in ganz Eu­ro­pa – und die ein­zi­ge fes­te Ver­bin­dung über die Them­se, die da­mals noch viel brei­ter war. Sie stand an der­sel­ben Stel­le wie die heu­ti­ge Brü­cke, sah aber ganz an­ders aus: Mehr als 100 Häu­ser dräng­ten sich dar­auf. Das Sü­den­de wur­de von den auf­ge­spieß­ten Köp­fen ent­haup­te­ter Ver­rä­ter ge­schmückt: Will­kom­men in Lon­don!

Der Na­me ist ei­gent­lich ir­re­füh­rend, denn es geht nicht um ei­nen, son­dern um 20 Tür­me. In der Mit­te steht ein Berg­fried, der Whi­te To­wer, in den man sich bei größ­ter Ge­fahr zu­rück­zie­hen konn­te. Der To­wer war schon zu Sha­ke­speares Zei­ten ei­ne Tou­ris­ten­at­trak­ti­on – wo­bei ihn da­ma­li­ge Be­su­cher noch in Be­trieb er­le­ben konn­ten: Je­des Jahr wur­den in Lon­don meh­re­re hun­dert Men­schen hin­ge­rich­tet.

in der Na­tio­nal Por­trait Gal­le­ry: Ihr Va­ter ließ ih­re Mut­ter köp­fen, als sie noch ein Kind war. Ih­re Halb­schwes­ter warf sie ins Ge­fäng­nis und droh­te ihr mit dem Henker. Aber dann blieb sie doch am Le­ben, kam auf den Thron und stell­te als Herr­sche­rin all ih­re männ­li­chen Vor­gän­ger in den Schat­ten: Eliz­a­beth I. In der Na­tio­nal Por­trait Gal­le­ry kann man sich an­schau­en, wie sie aus­ge­se­hen hat.

Wie in ei­ner Zeit­kap­sel ist im Stadt­vier­tel Hol­born ei­ne gan­ze Fach­wer­kHäu­ser­zei­le aus dem 16. Jahr­hun­dert er­hal­ten ge­blie­ben. So sah einst die gan­ze Stadt aus.

Die­ser per­fekt er­hal­te­ne Saal, er­baut von 1563 bis 1572, ent­sprach von sei­ner Funk­ti­on den heu­ti­gen Mehr­zweck­hal­len. Die Leu­te, die dort­hin ka­men, woll­ten sich amü­sie­ren – ob auf rau­schen­den Fes­ten oder bei Thea­ter­auf­füh­run­gen. Am 2. Fe­bru­ar 1602 gas­tier­te hier Sha­ke­speares Schau­spiel­trup­pe, die „Lord Cham­ber­lain’s Men“, mit sei­nem Stück „Was ihr wollt“.

Ori­gi­nal­ge­treu nach­ge­baut: Im Glo­be Thea­ter am Süd­ufer der Them­se geht es bei den Auf­füh­run­gen lär­mend zu – wie zu Sha­ke­speares Zei­ten. Fo­to: Sha­ke­speare’s Glo­be

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