„Jetzt ist es rum“

SPD-Par­tei­chef Nils Schmid geht nun doch

Der Sonntag (Mittelbaden) - - Aktuell - Bet­ti­na Grach­trup

Nun al­so doch. Lan­ge sah es so aus, als ob Nils Schmid als Vor­sit­zen­der der ba­den-würt­tem­ber­gi­schen SPD ein­fach wei­ter­ma­chen woll­te. Da­bei war die Land­tags­wahl am 13. März für die Ge­nos­sen ein Alp­traum. Un­ter Schmids Füh­rung fiel die eins­ti­ge „Volks­par­tei“auf 12,7 Pro­zent der Stim­men ab – nach eben­falls nicht be­rau­schen­den 23,1 Pro­zent bei der Wahl vor fünf Jah­ren. Für die Fort­set­zung der grün-ro­ten Ko­ali­ti­on reich­te es klar nicht mehr. Ges­tern kün­dig­te Schmid an, bei der Vor­stands­wahl im Herbst nicht wie­der für das Amt des Par­tei­chefs an­zu­tre­ten. „Ich ha­be ge­dacht: Jetzt, mit 42 Jah­ren, nach die­ser Ar­beit, las­sen wir es ein­fach mal so ste­hen wie es ist“, er­klär­te er Jour­na­lis­ten, nach­dem er den Kreis­vor­sit­zen­den sei­ne Ent­schei­dung mit­ge­teilt hat­te. Es sei die Zeit ge­kom­men, der SPD nicht nur ei­ne in­halt­li­che und struk­tu­rel­le, son­dern

„Von Schuld will ich nicht re­den“

auch ei­ne per­so­nel­le Er­neue­rung zu er­mög­li­chen. Als Ein­ge­ständ­nis, am Wah­l­er­geb­nis des 13. März mit schuld zu sein, woll­te Schmid das aber nicht ver­stan­den wis­sen. „Von Schuld will ich nicht re­den. Wir ha­ben ge­mein­sam Wahl­kampf ge­macht. Wir ha­ben ge­mein­sam 12,7 Pro­zent ge­holt. Und wir ha­ben auch ge­mein­sam gut re­giert“, mein­te der Noch-Par­tei­chef recht selbst­be­wusst. Ei­ni­ge hat­ten Schmids Rück­zug be­reits di­rekt nach der Land­tags­wahl er­war­tet. Meh­re­re Ge­nos­sen wur­den da in Brie­fen deut­lich. Schmid sei „kein Front­mann, der die Men­schen in sei­nen Bann zieht und be­geis­tert“, hieß es da. „Die­se Ei­gen­schaft fehlt Dir – und das kann man auch nicht ler­nen“, lau­te­te das Ur­teil von SPD-Kom­mu­nal­po­li­ti­kern. An­de­re ver­wie­sen hin­ge­gen dar­auf, dass Schmid es ne­ben dem be­lieb­ten Re­gie­rungs­chef Kret­sch­mann schwer ge­habt ha­be. Schmid er­klär­te, er ha­be die Bro­cken nach der Land­tags­wahl nicht ein­fach hin­wer­fen, son­dern den Pro­zess der Neu­auf­stel­lung ein­lei­ten wol­len. Viel­leicht son­dier­te er auch sei­ne Chan­cen, doch noch Lan­des­chef blei­ben zu kön­nen. In der Par­tei wuchs aber der Un­mut – mög­li­che Ge­gen­kan­di­da­ten lo­te­ten be­reits hin­ter den Ku­lis­sen die La­ge aus. Sei­ne Ent­schei­dung zum Rück­zug sei in den Pfingst­fe­ri­en ge­fal­len, sag­te Schmid. Mög­li- cher­wei­se däm­mer­te es dem 42-Jäh­ri­gen da, dass er bei ei­ner Kampf­kan­di­da­tur schlech­te Kar­ten ha­ben wür­de. Nun ist die Bahn frei für ei­nen Nach­fol­ger – oder ei­ne Nach­fol­ge­rin. Ge­rüch­te über po­ten­zi­el­le Kan­di­da­ten gibt es vie­le. Die bes­ten Chan­cen wer­den Vi­ze-Par­tei­che­fin und Ver­di-Lan­des­che­fin Le­ni Brey­mai­er ein­ge­räumt – wenn sie denn will. Schmid selbst gab sich bei sei­ner Pres­se­kon­fe­renz ges­tern be­tont cool. Er wir­ke ja nicht ge­ra­de wie am Bo­den zer­stört, stell­te ein Jour­na­list fest. „War­um soll­te ich?“, kon­ter­te Schmid. „Mir geht es gut wie im­mer. So ist es halt. Jetzt ist es rum.“

Als an­ge­zählt galt SPD-Lan­des­chef Nils Schmid schon mehr­fach. Nun zieht er die Kon­se­quenz aus dem schlech­ten Ab­schnei­den sei­ner Par­tei bei der Land­tags­wahl – für man­che ein über­fäl­li­ger Schritt.

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