Der gu­te Zla­tan

Auf ei­nem Fuß­ball­platz in Mal­mö wol­len Jungs in die gro­ßen Fuß­stap­fen von Ibra­hi­mo­vic tre­ten

Der Sonntag (Mittelbaden) - - SONNTAGSKINDER - Tan­ja Ka­sisch­ke

Am Ein­gang des Spiel­felds sind zwei Fuß­ab­drü­cke in Be­ton ge­gos­sen. Sie sind rie­sig. Gus­taf stellt sei­nen Schuh, Grö­ße 43, da­ne­ben. Er ist deut­lich klei­ner. „Die an­de­ren sind Grö­ße 47“, löst der jun­ge Mann auf. Dann ver­rät er, wem die Fuß­stap­fen ge­hö­ren: Zla­tan Ibra­hi­mo­vic, Schwe­dens Su­per­stür­mer. Der Fuß­ball­platz ist ihm ge­wid­met. Ei­ne Sil­hou­et­te des Spie­lers ziert das Netz. Zla­tan bleibt am Ball. Hier hat­te er als Jun­ge ge­kickt und die An­la­ge als er­wach­se­ner Pro­fi sa­nie­ren las­sen. Je­der darf den Platz nut­zen. Es gibt so­gar ei­ne Zla­tan-Fuß­ball­schu­le. Kin­der sind an die­sem Nach­mit­tag trotz­dem kei­ne da. Gus­tav, ein Stu­dent, der in der Ge­gend je­man­den be­sucht und freund­lich den Weg zum Zla­tans Court (Zla­tan-Fuß­ball­platz) ge­wie­sen hat, spielt selbst nicht Fuß­ball. Trotz­dem weiß er al­les über den Spor­tPro­mi. „Das ist in Mal­mö nichts Be­son­de­res. Hier weiß je­der al­les über Zla­tan oder hat ihn so­gar schon li­ve ge­se­hen. Al­le sind stolz, dass er ei­ner von uns ist. Ob­wohl er oft Straf­zet­tel für Falsch­par­ken oder zu schnel­les Fah­ren kas­siert, wenn er in der Stadt ist.“Schwe­dens mit Ab­stand bes­ter Spie­ler ist ein ei­gen­wil­li­ger Typ. Gus­taf deu­tet in Rich­tung der Häu­ser­blö­cke hin­ter dem Fuß­ball­platz. In ei­nem da­von, im Cron­mans Väg 5 a, ist Zla­tan Ibra­hi­mo­vic auf­ge­wach­sen. „Im fünf­ten Stock“, sagt der jun­ge Schwe­de. Er weiß es wirk­lich ge­nau. Im Ge­gen­satz zu Gustafs Fa­mi­li­en­na­men Ljung­berg, klingt der von Zla­tan Ibra­hi­mo­vic nicht ganz so schwe­disch. Doch je­der in Mal­mö be­tont, „dass er zu 100 Pro­zent Schwe­de ist. Auch er selbst. So hat er das in ei­nem In­ter­view ge­sagt“. Er hat recht. Zla­tan ist Mal­mö­er, am 3. Ok­to­ber 1981 in der süd­schwe­di­schen Stadt ge­bo­ren, im Vier­tel Ro­sen­gård auf­ge­wach­sen. Ro­sen­gård heißt Ro­sen­gar­ten, doch trotz des hüb­schen Na­mens, schön sieht die Wohn­block-Sied­lung nicht aus. Ein paar wand­ho­he Graf­fi­tis sor­gen im­mer­hin für Far­be. Ei­nes zeigt ei­nen breit grin­sen­den Mund. Es heißt „Zla­tans Lä­cheln“. Am Tor des Fuß­ball­plat­zes steht: „Här finns mitt hjär­ta. Här finns min his­to­ria. Här finns mitt spel. Ta det vi­da­re. Zla­tan.“Gus­taf über­setzt: „Hier ist mein Herz. Hier ist mei­ne Ge­schich­te. Hier ist mein Spiel. Bring es wei­ter. Zla­tan.“Der Sohn bos­ni­scher und kroa­ti­scher Ein­wan­de­rer ist Fuß­ball-Mil­lio­när. Als Kind war er über­haupt nicht reich. Sei­ne El­tern leb­ten ge­trennt. Die meis­ten sei­ner Freun­de in Ro­sen­gård hat­ten wie er ei­nen Mi­gra­ti­ons­hin­ter­grund. Fuß­ball schweiß­te sie zu­sam­men. Zla­tans Fuß­ball­platz und Zla­tans Fuß­ball­schu­le knüp­fen dar­an an. Jun­ge Mi­gran­ten ki­cken ge­mein­sam. Ei­nen Ver­ein bil­den sie aber nicht. Doch kom­men äl­te­re Ju­gend­li­che aus dem Vier­tel da­zu und zei­gen den jün­ge­ren Tricks, oder al­le spie­len ge­mein­sam. Sie tre­ten in Zla­tans Fuß­stap­fen. 2007 hat Ibra­hi­mo­vic die Er­neue­rung des Hart­plat­zes be­zahlt. Dass er be­spiel­bar bleibt, dar­um küm­mert sich in­zwi­schen die Stadt Mal­mö. Der Fuß­ball-Star wohnt nicht mehr in Schwe­den. Bis vor kur­zem war Pa­ris sein Zu­hau­se, wo er die ver­gan­ge­nen vier Jah­re beim Ver­ein Pa­ris Saint-Ger­main spiel­te. Ge­ra­de an die­sem Nach­mit­tag mel­den die schwe­di­schen Nach­rich­ten, „dass Zla­tan Pa­ris ver­lässt. Sein Ver­trag läuft aus. Viel­leicht ist des­halb heu­te nie­mand auf dem Platz. Al­le sind im In­ter­net und le­sen nach, was mit ihm pas­siert“, tippt Gus­taf. Ob­wohl „Zig­ge“, so rie­fen sei­ne Freun­de Zla­tan, ehe er, 19-jäh­rig, aus Ro­sen­gård weg­zog, zi­ckig ist, liegt ihm sei­ne Hei­mat am Her­zen. Als sein Ver­ein Pa­ris Saint-Ger­main 2015 in der Cham­pi­ons Le­ague aus­ge­rech­net auf die Mann­schaft aus Mal­mö traf, mie­te­te „Ibra“, so nen­nen ihn die Fans mitt­ler­wei­le, den größ­ten Platz der Stadt. Dort ver­an­stal­te­te er Pu­b­lic Viewing für al­le, die sich kei­ne Ti­ckets für das Spiel kau­fen konn­ten. Da­mit die Mal­mö­er auch bei den EM-Spie­len des schwe­di­schen Na­tio­nal­teams da­bei sein kön­nen, denkt sich Zla­tan be­stimmt et­was Neu­es aus!

Für Su­per­star Zla­tan Ibra­hi­mo­vic wird die EM das letz­te gro­ße Tur­nier. Sechs EM-To­re hat er be­reits er­zielt, 2004, 2008 und 2012 je­weils zwei. Fo­to: avs

In sei­nem al­ten Vier­tel Ro­sen­gård in der schwe­di­schen Stadt Mal­mö ließ Zla­tan Ibra­hi­mo­vic ei­nen Fuß­ball­platz bau­en, den „Zla­tan Court“. Fo­to: Jo­han Pih­le­mark

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