Wah­re Schät­ze

An­ti­ke – Kel­ten – Kunst­kam­mer: Aus­stel­lung in Stutt­gart

Der Sonntag (Mittelbaden) - - FREIZEIT & AUSFLÜGE - Mt

Kost­ba­re, au­ßer­ge­wöhn­li­che und ar­chäo­lo­gisch wie his­to­risch be­deut­sa­me Ob­jek­te aus über drei Jahr­tau­sen­den eu­ro­päi­scher Kul­tur­ge­schich­te hat das Würt­tem­ber­gi­sche Lan­des­mu­se­um Stutt­gart in ei­ner neu­en Prä­sen­ta­ti­on „Wah­re Schät­ze“dem Pu­bli­kum zu­gäng­lich ge­macht. „An­ti­ke – Kel­ten – Kunst­kam­mer“– so ver­schie­den die drei Aus­stel­lungs­be­rei­che auf den ers­ten Blick auch er­schei­nen mö­gen, so wer­den sie doch durch ei­nen zen­tra­len Aspekt ver­bun­den: Sie sind her­aus­ra­gen­de Bei­spie­le für die Ge­schich­te des Sam­melns am Lan­des­mu­se­um Würt­tem­berg.

Klas­si­sche An­ti­ke

Ei­nen um­fang­rei­chen Blick in die Welt der Hoch­kul­tu­ren des Mit­tel­meer­rau­mes er­laubt die über Jahr­hun­der­te ge­wach­se­ne Samm­lung des Würt­tem­ber­gi­schen Lan­des­mu­se­um zur An­ti­ke. Ih­re An­fän­ge ge­hen auf die her­zog­li­che Kunst­kam­mer zu­rück. Im 19. Jahr­hun­dert gin­gen ver­schie­de­ne Pri­vat­samm­lun­gen in die „Kö­nig­li­che Staats­samm­lung Va­ter­län­di­scher Kunst- und Al­ter­tums­denk­ma­le“über, vor al­lem grie­chi­sche Va­sen und fi­li­gra­ner Gold­schmuck. 1906 schenk­te der Stutt­gar­ter Mä­zens Ernst von Sieg­lin dem Mu­se­um zahl­rei­che Ob­jek­te aus dem grie­chi­sch­rö­mi­schen Ägyp­ten, dar­un­ter Mar­mor­bild­nis­se von Alex­an­der dem Gro­ßen, far­ben­präch­ti­ge Mu­mi­en­por­träts und Mu­mi­en­mas­ken. In der Nach­kriegs­zeit wur­den durch An­käu­fe wei­te­re Kunst­wer­ke er­wor­ben, et­wa Fres­ken aus ei­ner Vil­la am Fu­ße des Ve­suvs. In Stutt­gart sind jetzt cir­ca 280 Ex­po­na­te von der grie­chi­schen Bron­ze­zeit über die Blü­te­zeit Grie­chen­lands und die Etrus­ker bis zum Im­pe­ri­um Ro­ma­num zu se­hen.

Frü­he Kel­ten

Zu den Be­stän­den des Lan­des­mu­se­ums Würt­tem­berg ge­hö­ren mit nicht we­ni­ger als 13 früh­kel­ti­sche Prunk­grä­bern des 7. bis 5. Jahr­hun­derts vor Chris­tus aus der Re­gi­on um den Ho­hen­as­perg, die Heu­ne­burg und aus dem Alb­vor­land. Als Hö­he­punk­te und Mei­len­stei­ne der Prä­sen­ta­ti­on fun­gie­ren mit dem „Fürs­ten­grab“von Eber­din­gen-Hoch­dorf, der Sta­tue des „Krie­gers von Hir­sch­lan­den“und den Fun­den aus dem „Fürs­ten­grab“des Klein­as­perg­le die Schlüs­sel­fun­de der frü­hen Ei­sen­zeit schlecht­hin. Neu ar­ran­gier­te, zum Teil noch nie aus­ge­stell­te Fund­ensem­bles er­gän­zen die­se cir­ca 500 Ex­po­na­te um­fas­sen­de Ge­samt­schau zu Ge­sell­schaft und Kul­tur der früh­kel­ti­schen Eli­ten in Süd­west­deutsch­land und de­ren Ver­net­zung im prä­his­to­ri­schen Eu­ro­pa.

Die Kunst­kam­mer

Die Kunst- und Wun­der­kam­mern der Re­nais­sance ste­hen in der Tra­di­ti­on der mit­tel­al­ter­li­chen Schatz­kam­mern. Die Stutt­gar­ter Kunst­kam­mer zählt zu den größ­ten eu­ro­päi­schen Samm­lun­gen die­ser Art. Sie um­fasst Ob­jek­te aus dem 16. bis 18. Jahr­hun­dert und führt die Viel­falt des Kos­mos im Klei­nen en­zy­klo­pä­disch vor Au­gen. Ne­ben „Wun­dern aus Men­schen­hand“tru­gen die Her­zö­ge auch Na­tu­ra­li­en und Exo­ti­ka aus fer­nen Län­dern zu­sam­men. Mit ih­ren Kunst- und Wun­der­kam­mern, die auch we­gen des ho­hen Ma­te­ri­al­wer­tes und der Schön­heit ih­rer Samm­lun­gen ge­schätzt wur­den, tra­ten die Fürs­ten un­ter­ein­an­der in Wett­streit. 1669 wur­de die würt­tem­ber­gi­sche Kunst­kam­mer im Ober­ge­schoss des ehe­ma­li­gen Lust­hau­ses auf dem heu­ti­gen Schloss­platz auf­ge­stellt. Die neue Prä­sen­ta­ti­on mit cir­ca 1410 Ex­po­na­ten soll die Themen und Ge­sichts­punk­te, nach de­nen ge­forscht, be­staunt und re­prä­sen­tiert wur­de, un­ter dem Aspekt des Sam­melns zei­gen.

Schön­heit aus dem al­ten Ägyp­ten: Um 40 bis 50 nach Chris­tus ent­stand die­ses Mu­mi­en­por­trait der Ei­re­ne, die zu den „Wah­ren Schät­zen“zählt. Fo­to: © H. Zwie­t­asch, Lan­des­mu­se­um Würt­tem­berg, Stutt­gart

Ein Blick in die Kunst­kam­mer: Mit ih­rer Samm­lung von Wun­dern aus Men­schen­hand so­wie Na­tu­ra­li­en und Exo­ti­ka woll­ten die Her­zö­ge von Würt­tem­berg auch an­de­re Fürs­ten be­ein­dru­cken. Fo­to: avs

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