Er war der Größ­te

Mu­ham­mad Ali hat den Ring ver­las­sen

Der Sonntag (Mittelbaden) - - Erste Seite - Tho­mas Wei­te­kamp

Er war DER Bo­xer. Ein Äs­t­het im Ring. Ein My­thos. Sei­ne groß­spu­ri­gen Sprü­che mach­ten ihn zu­dem zum En­ter­tai­ner. Vor erns­ten Themen duck­te sich Mu­ham­mad Ali aber auch nicht weg. Am Frei­tag ist er ge­stor­ben. Un­ver­ges­sen blei­ben sei­ne Leis­tun­gen und sein Cha­ris­ma.

Der größ­te Bo­xer der Ge­schich­te hat den Ring ver­las­sen: Mu­ham­mad Ali ist am Frei­tag­abend in Pho­enix ge­stor­ben, „the Grea­test“wur­de 74 Jah­re alt. „Nach ei­nem 32 Jah­re lan­gen Kampf mit der Par­kin­son-Krank­heit ist Mu­ham­mad Ali von uns ge­gan­gen“, teil­te sein Spre­cher Bob Gun­nell am Sams­tag­mor­gen deut­scher Zeit mit. „Un­ser Va­ter war ein be­schei­de­ner Rie­se“, schrieb Alis Toch­ter Ha­na bei Twit­ter: „Und nun ist er heim zu Gott ge­gan­gen. Gott seg­ne dich, Dad­dy. Du bist die Lie­be mei­nes Le­bens.“Der frü­he­re Schwer­ge­wichts­welt­meis­ter war am Don­ners­tag we­gen Atem­pro­ble­men in ei­ne Kli­nik in Pho­enix im US-Bun­des­staat Ari­zo­na ein­ge­lie­fert wor­den, im Lau­fe des Frei­tag­abends ver­dich­te­ten sich Be­rich­te über ei­ne ra­pi­de Ver­schlech­te­rung sei­nes Zu­stan­des. Ali, ge­bo­ren als Cas­si­us Mar­cel­lus Clay Jr. in Louis­vil­le/Ken­tu­cky, war seit 1984 an Par­kin­son er­krankt. 1981 hat­te er sei­ne Kar­rie­re be­en­det. „Gott hat sei­nen Cham­pi­on zu sich ge­holt“, schrieb der frü­he­re Welt­meis­ter Mi­ke Ty­son auf Twit­ter. Für Weg­be­glei­ter Don King wird Alis „Geist für im­mer le­ben“, sag­te der Pro­mo­ter. Ali war schon zu Leb­zei­ten zur Le­gen­de ge­wor­den. „The Grea­test“, drei­mal „un­dis­pu­ted Cham­pi­on“al­ler Ver­bän­de, hat­te den Box­sport ge­prägt wie kein Sport­ler vor oder nach ihm. Das In­ter­na­tio­na­le Olym­pi­sche Ko­mi­tee (IOC) wähl­te ihn 1999 zum Sport­ler des Jahr­hun­derts. Alis Box­stil ging in die Ge­schich­te ein, „schwe­be wie ein Schmet­ter­ling, stich wie ei­ne Bie­ne“, lau­te­te das Mot­to des po­la­ri­sie­ren­den Sport­lers. Mit nie ge­se­he­ner Ele­ganz ge­wann Ali die ganz gro­ßen Kämp­fe, und mit wohl ein­zig­ar­ti­gem Selbst­be­wusst­sein kom­men­tier­te er sei­ne Sie­ge. „Ich bin der bes­te Kämp­fer al­ler Zei­ten“, sag­te Ali nach dem ers­ten WM-Sieg 1964 ge­gen Son­ny Lis­ton: „Ich muss der Größ­te sein. Ich bin der Kö­nig der Welt.“Un­ver­ges­sen sind vor al­lem sei­ne Kämp­fe ge­gen Joe Fra­zier und Fo­re- man. Im „Rum­ble in the Jung­le“am 30. Ok­to­ber 1974 in Kinsha­sa wur­de er vom Fa­vo­ri­ten Fo­re­man run­den­lang schwer ge­trof­fen, ehe er den bis da­hin in 40 Fights un­ge­schla­ge­nen K.o.-Kö­nig in der ach­ten Run­de auf die Bret­ter schick­te. „Mu­ham­mad gab mir ei­ne Über­do­sis von der gro­ßen Rech­ten“sag­te Fo­re­man spä­ter. Nach Nie­der­la­ge und Sieg ge­gen Fra­zier im Ma­di­son Squa­re Gar­den kam es am 1. Ok­to­ber 1975 zu­dem zum „Thril­la in Ma­ni­la“. Nach der 14. Run­de wa­ren Fra­ziers Au­gen zu­ge­schwol­len. Trai­ner Ed­die Futch warf das Hand­tuch. Kurz da­nach brach Ali mit ei­nem Kreis­lauf­kol­laps zu­sam­men – er hat­te 440 Tref­fer kas­siert, die meis­ten am Kopf. Vie­le sa­hen in dem selbst­mör­de­ri­schen Akt die Ur­sa­che für sei­ne spä­te­re Par­kin­son-Er­kran­kung. Trotz sei­ner Groß­spu­rig­keit wur­de Ali auch au­ßer­halb des Rings für Mil­lio­nen zum Vor­bild. Mit un­ge­heu­rem Cha­ris­ma und gro­ßer Über­zeu­gungs­kraft, mit re­li­giö­ser und po­li­ti­scher Ge­rad­li­nig­keit durch­brach er un­zäh­li­ge Wi­der­stän­de, vor al­lem für al­le Afro­ame­ri­ka­ner. Zwei Ta­ge nach sei­nem WM-Sieg über Lis­ton kon­ver­tier­te Ali zum Is­lam und leg­te den „Skla­ven­na­men“Cas­si­us Clay ab. Er ver­wei­ger­te den Kriegs­dienst in Viet­nam und nahm da­für in Kauf, dass er 1967 den WM-Titel ver­lor und für drei Jah­re ge­sperrt wur­de. „Er ver­zich­te­te auf Ruhm, Mil­lio­nen von Dol­lars, um für das ein­zu­ste­hen, was sein Be­wusst­sein ihm rät“, sag­te Mar­tin Lu­ther King. Seit sei­ner Er­kran­kung zog sich Ali mehr und mehr zu­rück. Sein so­zia­les En­ga­ge­ment setz­te er fort, auch zu po­li­ti­schen Themen sag­te er wei­ter sei­ne ge­wich­ti­ge Mei­nung. „Mu­ham­mad Ali hat die­ses Land ver­wan­delt und die gan­ze Welt mit sei­nem Geist be­ein­flusst“, sagt der lang­jäh­ri­ge Pro­mo­ter Bob Arum über den „Größ­ten der Welt“: „Sein Ver­mächt­nis wird für im­mer Teil un­se­rer Ge­schich­te sein.“

Der „Thril­la in Ma­ni­la“– 1975 schlug Mu­ham­mad Ali (rechts) sei­nen Ri­va­len Joe Fra­zier. Des­sen Coach Ed­die Futch hat­te nach 14 Run­den das Hand­tuch ge­wor­fen, Ali brach di­rekt da­nach mit ei­nem Kreis­lauf­kol­laps zu­sam­men. Die cha­ris­ma­ti­sche Box-Le­gen­de mit dem un­ver­wech­sel­ba­ren Kampf­stil hat­te in die­sem Box­kampf ins­ge­samt 440 Tref­fer kas­siert, die meis­ten da­von am Kopf.

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