Das Wort zum Sonn­tag

Der Sonntag (Mittelbaden) - - Die Region - von Pfar­rer Wal­ter Bo­ës, evan­ge­li­sche Lu­kas­ge­mein­de Karls­ru­he

Pünkt­lich zur Fuß­ball-EM hat Stif­tung Wa­ren­test Bea­mer ver­gli­chen. Wer zur EM nicht nach Frank­reich fah­ren will, und wem das klei­ne Bild des Fern­se­hers nicht ge­nügt, der greift zum Bea­mer. Der pro­ji­ziert das klei­ne Fern­seh­bild über­le­bens­groß an die Wohn­zim­mer­wand, oder bes­ser noch: an die Lein­wand im Gar­ten. Ich fra­ge mich: Was machen wir da ei­gent­lich? Was pro­ji­zie­ren, was ver­grö­ßern wir da ei­gent­lich? Wirk­lich Fuß­ball? Oder nicht et­was ganz an­de­res? Pro­ji­zie­ren wir nicht den Wunsch nach Aus­ge­las­sen­heit? Den Wunsch nach Sorg­lo­sig­keit? Den Wunsch nach Glück? Den Wunsch da­nach, dass al­les gut sei? Ich muss an Lud­wig Feu­er­bach den­ken. Gott sei nur ei­ne Pro­jek­ti­on un­se­rer Wün­sche, sagt er. Gott, ei­ne mensch­li­che Wunsch­vor­stel­lung, die da­her kommt, dass wir un­voll­kom­me­nen We­sen uns nach Voll­kom­men­heit seh­nen. Un­ser Gott nicht mehr als ei­ne Pro­jek­ti­on. Ver­mut­lich hat Feu­er­bach an an­de­res ge­dacht als an Fuß­ball­göt­ter. Den­noch wer­de ich nach­denk­lich. Zer­rinnt nicht der Fuß­bal­lgott, wenn die ei­ge­ne Mann­schaft ver­liert? Zer­platzt das Trug­bild nicht, wenn sich der Glanz des Spie­les im Ei­ner­lei des nächs­ten Ar­beits­ta­ges ver­liert? Pro­ji­zie­ren wir nicht Un­er­füll­ba­res in die­ses Sport­er­eig­nis? „Ach, Feu­er­bach“, den­ke ich, „du ver­dirbst mir den gan­zen Spaß!“Aber ist es nicht ge­ra­de an­ders­her­um? Nicht wir pro­ji­zie­ren et­was auf Gott, son­dern Gott pro­ji­ziert et­was durch uns! Et­was von sei­ner Welt. Durch die Men­schen lässt er et­was von sei­ner voll­kom­me­nen Welt hin­durch­leuch­ten – viel­leicht ja auch, wenn sie Fuß­ball spie­len. Mor­gen kau­fe ich mir ei­nen Bea­mer!

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