Als Eth­no­lo­gin im Na­tio­nal­park

Su­san­ne Berz­born fragt sich: Wie neh­men die Men­schen die Na­tur wahr?

Der Sonntag (Mittelbaden) - - Die Region - Patri­cia Klatt

Im Um­feld des Na­tio­nal­parks fin­det ein Wan­del statt und wir ver­su­chen, die­sen Pro­zess zu be­glei­ten. Wir fra­gen und wir hö­ren zu, wie wirkt der Na­tio­nal­park auf die Men­schen und die Wirt­schaft der Re­gi­on? Wel­che Er­war­tun­gen oder Vor­stel­lun­gen hat die Be­völ­ke­rung, wie nimmt sie die Na­tur wahr?“Su­san­ne Berz­born ist pro­mo­vier­te Eth­no­lo­gin und ar­bei­tet im So­zi­al­wis­sen­schaft­li­chen Fach­be­reich des Na­tio­nal­parks Schwarz­wald in den Sach­be­rei­chen „Tou­ris­mus und Er­ho­lung“so­wie „Ak­zep­tanz, Par­ti­zi­pa­ti­on und Kom­mu­ni­ka­ti­on“. Aber: Was ge­nau macht ei­ne Eth­no­lo­gin im Nord­schwarz­wald? Sind Eth­no­lo­gen nicht Völ­ker­kund­ler, die Kul­tu­ren au­ßer­halb Eu­ro­pas er­for­schen? „Das ist vor ein paar Jahr­zehn­ten noch so ge­we­sen, aber mitt­ler­wei­le hat sich das Ar­beits­feld ge­wan­delt“, er­klärt Berz­born. Die Eth­no­lo­gie be­schäf­tigt sich mit ge­gen­wär­ti­gen Kul­tu­ren und Ge­sell­schaf­ten welt­weit und der Ar­beits­markt für Eth­no­lo­gen hat sich aus­ge­wei­tet auf Be­rei­che wie zum Bei­spiel Tou­ris­mus, Or­ga­ni­sa­ti­ons­be­ra­tung, Mar­ke­ting und Me­di­en. „Für Eth­no­lo­gen hängt al­les mit­ein­an­der zu­sam­men und man denkt ganz­heit­lich. Wir ge­hen wert­frei an ver­schie­de­ne Kul­tu­ren oder An­sich­ten und Le­bens­wei­sen her­an, es gibt da­bei kein bes­ser oder schlech­ter“, so Berz­born. Kul­tu­rel­le Zu­sam­men­hän­ge wer­den mit den Ar­beits­me­tho­den der Eth­no­lo­gie ana­ly­siert und man fragt hier zum Bei­spiel sehr kon­kret: „Was be­deu­tet der Na­tio­nal­park in der Re­gi­on für die ein­zel­nen Leu­te, be­ur­teilt ihn die äl­te­re Ge­ne­ra­ti­on an­ders als die jun­ge Ge­ne­ra­ti­on? Wie neh­men die Men­schen die Na­tur wahr? Wie sah der All­tag im Wald frü­her aus und wie heu­te“? Ei­ne Be­son­der­heit der Eth­no­lo­gen ist da­bei ih­re Fä­hig­keit zum Per­spek­tiv­wech­sel. Bei der ei­nes Er­eig­nis­ses wer­ten und be­ur­tei­len Eth­no­lo­gen nicht, son­dern sie ver­set­zen sich in die La­ge des „An­de­ren“, um das Den­ken und das Han­deln des Ge­gen­übers „von in­nen her­aus“zu ver­ste­hen. Die­ser Per­spek­tiv­wech­sel er­mög­licht es, un­ter­schied­li­che Sicht­wei­sen zu be­grei­fen und zu ver­glei­chen. Die Wert­frei­heit in der Her­an­ge­hens­wei­se sei sehr wich­tig, ge­ra­de wenn ein Pro­jekt so emo­tio­nal gesehen wer­de wie der Na­tio­nal­park, er­klärt Berz­born. Die Be­tei­li­gung der An­woh­ner an der Gestal­tung des Na­tio­nal­parks ist ei­ner der Ar­beits­be­rei­che des so­zi­al­wis­sen­schaft­li­chen ForBe­trach­tung schungs­be­rei­ches und da­mit auch von Su­san­ne Berz­born. Wann und in wel­chen Be­reichen funk­tio­niert ein Bür­ger­work­shop, wann ei­ne On­li­ne-Be­tei­li­gung? „Die Art und Wei­se, wie die Be­tei­li­gungs­pro­zes­se im Na­tio­nal­park gestal­tet wer­den, ist et­was Be­son­de­res“, so Berz­born, „aber sie ver­lan­gen ei­nem auch viel ab. Wir wol­len die Be­völ­ke­rung trans­pa­rent in­for­mie­ren und die Aus­ge­stal­tung des Na­tio­nal­parks ver­bes­sern, in­dem wir Ide­en und Wün­sche im Rah­men der ge­setz­li­chen Mög­lich­kei­ten in­te­grie­ren.“Das letz­te Wort hat dann be­kann­ter­ma­ßen der Na­tio­nal­parkrat. „Neh­men Sie zum Bei­spiel die Fra­ge, ob die­ser oder je­ner Weg er­hal­ten blei­ben soll. Da dis­ku­tie­ren dann die Lo­kal­po­li­ti­ker, die Tou­ris­mus­fach­leu­te, Ju­gend­grup­pen, Moun­tain­bi­ker, die Berg­wacht, der Schwarz­wald­ver­ein, wei­te­re In­ter­es­sens­ver­tre­ter und auch Pri­vat­leu­te.

„Im Um­feld fin­det ein Wan­del statt“

Nun kann man na­tür­lich sa­gen, mein Gott, was für ein Auf­wand we­gen ei­nes We­ges. Man kann aber auch sa­gen, schön, dass ich hier be­tei­ligt war“, er­klärt Su­san­ne Berz­born. Und das ist viel­leicht auch tatsäch­lich das Be­son­de­re an den Be­tei­li­gungs­pro­zes­sen in die­sem Na­tio­nal­park. Das ers­te und ein­zi­ge Frau­en­team, ei­ne So­zio­lo­gin, Psy­cho­lo­gin und Eth­no­lo­gin, das es so und in die­ser Form in kei­nem an­de­ren Na­tio­nal­park in Deutsch­land gibt, führt hier mit ih­ren dis­zi­plin-ei­ge­nen Per­spek­ti­ven und Me­tho­den Er­geb­nis­se zu­sam­men, um das best­mög­li­che Re­sul­tat zu er­zie­len. Und viel­leicht er­zählt in 20 Jah­ren ja ein­mal je­mand aus Bai­ers­bronn sei­nen En­kel­kin­dern: „Dass die­ser Weg im Na­tio­nal­park er­hal­ten wur­de, dar­an bin ich auch be­tei­ligt ge­we­sen. Wir ha­ben hart um je­den Meter ge­run­gen“.

Es geht auch mal um ei­nen Wan­der­weg

Foto: Berz­born

Die Eth­no­lo­gin Su­san­ne Berz­born be­schäf­tigt sich mit ge­gen­wär­ti­gen Kul­tu­ren und Ge­sell­schaf­ten – auch im Na­tio­nal­park und sei­nem Um­feld.

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