In Wahr­heit ei­ne run­de Sa­che

Die bes­te Re­gen­bo­gen-Zeit ist nach­mit­tags oder am frü­hen Abend

Der Sonntag (Mittelbaden) - - Sonntagskinder - Tan­ja Ka­sisch­ke

Ein klei­nes grü­nes Männ­chen ist je­dem Iren ein Be­griff. Ge­meint ist kein Mars­mensch, son­dern der Lei­pre­achán (aus­ge­spro­chen: Läp­re­korn). Die­ser Ko­bold hat ma­gi­sche Kräf­te, „die er dem zur Ver­fü­gung stellt, der ihn gut be­han­delt“, sagt Ái­ne. „Am En­de des Re­gen­bo­gens be­wacht er ei­nen Topf voll Gold. Ist das Wet­ter ru­hig und kein Re­gen­bo­gen am Him­mel, der Gold­su­cher an­lo­cken könn­te, wan­dert Lei­pre­achán durch die Dör­fer. Ei­ne Gold­mün­ze aus sei­nem Schatz hat er da­bei, und wer ihn freund­lich auf­nimmt, dem lässt er sie da.“Ái­ne, der Na­me spricht sich aus wie „An­ja“, ist dem Zwerg noch nie be­geg­net. Dass es ihn gibt, dar­an zwei­felt die Irin nicht. Sie weiß au­ßer­dem: „Wer die Mün­ze aus Lei­pre­acháns Gold­schatz mit an­de­ren teilt, zu dem kehrt sie zu­rück. Das be­deu­tet, er wird im­mer so viel Geld ha­ben, wie er zum Le­ben braucht. Gleich­zei­tig kann er an an­de­re den­ken und ih­nen et­was kau­fen oder schen­ken.“Den kom­plet­ten Schatz über­lässt der Ko­bold den Men­schen aber nicht. „Da­zu ist er zu gei­zig. Des­halb tau­chen Re­gen­bö­gen im­mer nur kurz auf und ver­schwin­den dann wie­der. Da­mit nie­mand das Ver­steck des Gol­des fin­det.“Noch so ei­ne schö­ne Le­gen­de über die Ent­ste­hung des Re­gen­bo­gens stammt aus Chi­na: Dort er­klär­ten sich die Men­schen die far­bi­ge Er­schei­nung da­mit, dass der Him­mel bei ei­nem star­ken Ge­wit­ter ei­nen Riss be­kam. Die Göt­tin Nüwa sam­mel­te far­bi­ge St­ei­ne und re­pa­rier­te da­mit den Scha­den. Bei­de Ge­schich­ten, die irische und die chi­ne­si­sche, zei­gen, dass sich die Men­schen lan­ge Zeit nicht er­klä­ren konn­ten, wie Re­gen­bö­gen ent­ste­hen. In­zwi­schen macht das die Phy­sik ganz ein­fach: Ein Re­gen­bo­gen er­scheint am Him­mel, wenn das Son­nen­licht durch Re­gen­trop­fen ab­ge­lenkt wird. Man sagt da­zu: Das Licht wird ge­bro­chen. Das lässt sich nach ei­nem Ge­wit­ter leicht nach­voll­zie­hen. Wäh­rend es noch reg­net, reißt der Him­mel auf und die Son­ne scheint. Son­nen­strah­len sind Licht, das auf den Bo­den fällt. Son­nen­licht se­hen wir als wei­ßes Licht. Tatsäch­lich ist es bunt. Am stärks­ten ver­tre­ten sind die Far­ben Rot, Blau und Grün. Son­nen­strah­len brei­ten sich gleich­mä­ßig nach al­len Sei­ten aus. Bei Re­gen muss das Licht den Trop­fen durch­que­ren, er zer­legt die Son­nen­strah­len in ih­re Ein­zel­far­ben und re­flek­tiert sie. Das Er­geb­nis schim­mert bunt – als Re­gen­bo­gen in den Far­ben Rot, Oran­ge, Gelb, Grün, Blau und Li­la. Die bes­te Re­gen­bo­gen-Zeit im Som­mer ist nach­mit­tags oder am frü­hen Abend, wenn die Son­ne Kraft hat und der Him­mel nach ei­nem Ge­wit­ter schnell auf­klart. Je tie­fer die Son­ne steht, des­to bes­ser ist der Bo­gen sicht­bar. Die Re­gen­wol­ken sind dann wei­ter oben. Vor­aus­set­zung ist, dass der Be­trach­ter die Son­ne im Rü­cken hat und den Re­gen wie ei­nen Schlei­er vor sich. Ein Som­mer­ge­wit­ter kurz vor Son­nen­un­ter­gang, bei dem sich ein Re­gen­bo­gen bil­det, deu­ten die Me­teo­ro­lo­gen als Zei­chen für an­hal­tend gu­tes Wet­ter – oder für ei­ne Wet­ter­bes­se­rung, wenn es vor­her schlecht war. Denn Ge­wit­ter­wol­ken fal­len zu die­ser Ta­ges­zeit oft in sich zu­sam­men. Zwar kühlt ein Ge­wit­ter die Luft kurz­zei­tig ab, da­hin­ter schie­ben sich aber meist tro­cke­ne­re Luft­mas­sen nach. Von der Er­de be­ob­ach­tet, sieht der Re­gen­bo­gen im­mer wie ein Bo­gen aus. Tatsäch­lich ist er ein Kreis! Wir kön­nen ihn bis zum Ho­ri­zont ver­fol­gen, dann ist die Er­de im Weg. Aus dem Flug­zeug be­trach­tet, könn­te man sei­nem Ver­lauf wei­ter fol­gen. Zu­min­dest so­lan­ge es reg­net. Oh­ne Re­gen­trop­fen bricht sich das Son­nen­licht nicht mehr. Der Re­gen­bo­gen ver­schwin­det. Ein wirk­li­ches En­de des Re­gen­bo­gens wie in der iri­schen Sa­ge gibt es nicht. Lei­pre­achán hat folg­lich kei­nen Grund zur Sor­ge, dass je­mand sei­nen Schatz ent­de­cken und ab­trans­por­tie­ren könn­te. Die Iren be­hel­fen sich mit ei­nem Trick, ver­rät Ái­ne: „Um ei­nem Men­schen ei­ne Freu­de zu ma­chen, ver­ste­cken wir ein Ge­schenk un­ter ei­nem künst­li­chen Re­gen­bo­gen.“Was­ser­fäl­le oder Spring­brun­nen ha­ben den­sel­ben Ef­fekt wie Ge­wit­ter­re­gen.

Sie tau­chen kurz auf und ver­schwin­den wie­der

Foto: avs

Re­gen­bö­gen ent­ste­hen meist dann, wenn nach ei­nem Re­gen­schau­er der Him­mel schnell auf­klart und die tief ste­hen­de Son­ne das Nie­der­schlags­ge­biet be­leuch­tet. Manch­mal er­scheint über ei­nem kräf­ti­gen Haupt­re­gen­bo­gen so­gar ein schwä­che­rer Ne­ben­re­gen­bo­gen mit um­ge­kehr­ter Farb­fol­ge.

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.