Rou­ten für Ent­de­cker

Die schöns­ten High­ways der USA lo­cken Au­to­fa­na­ti­ker

Der Sonntag (Mittelbaden) - - Reise & Urlaue - Hans-Wer­ner Ro­dri­an

Die­se Wei­te! Die­se Land­schaft! Das ech­te Ame­ri­ka zeigt sich erst auf sei­nen High­ways. Ei­ne Ah­nung da­von be­kommt, wer die glit­zern­den Wol­ken­krat­zer-Ci­tys ver­lässt und sich auf die Stra­ße be­gibt: vor­bei an im­po­san­ten Fels­for­ma­tio­nen und Na­tio­nal­parks, durch Wes­tern­dör­fer und quir­li­ge Ha­fen­städt­chen. Stress ist „on the Road“ein Fremd­wort, auf den brei­ten High­ways macht das Da­hin­glei­ten mit dem Au­to rich­tig Spaß. Das gilt be­son­ders für die­se Traum­stre­cken:

Rou­te 66

Der Weg ist das Ziel – für kei­ne Rei­se trifft die­ses Mot­to bes­ser zu als für ei­ne Tour ent­lang der „Mo­ther Road“, wie sie die Ame­ri­ka­ner auch lie­be­voll nen­nen. Wer sich heu­te auf die 2500 Mei­len lan­ge Strecke von Chi­ca­go nach Los An­ge­les be­gibt, der fährt zu ei­nem gu­ten Teil auf den le­gen­dä­ren Spu­ren der al­ten Pl­an­wa­gentrecks, wenn auch ein Teil der al­ten Strecke Mit­te der 80er Jah­re durch den In­ter­sta­te High­way über­baut wur­de. Längst ist die Rou­te durch den Mitt­le­ren Wes­ten und über die Ro­cky Moun­ta­ins bis zum Pier von San­ta Mo­ni­ca Kult: In vie­len Or­ten ent­lang des al­ten Stre­cken­ver­laufs war­ten Sou­ve­nir­lä­den, Mu­se­en oder Di­ner-Ca­fés, die mit den 50er Jah­ren as­so­zi­iert wer­den. Eben­so ste­hen noch ehe­ma­li­ge Re­stau­rants, Tank­stel­len und sons­ti­ge Ge­bäu­de aus der Blü­te­zeit der Stra­ße:

Ca­li­for­nia Sta­te Rou­te

Die Stahl­spit­zen der Gol­den Ga­te Bridge glit­zern am frü­hen Mor­gen in der Son­ne. Und im Au­to läuft na­tür­lich Scott McKen­zi­es Hip­pie-Bal­la­de „San Fran­cis­co“. An­ders darf ei­ne Rei­se auf dem High­way Num­ber One ein­fach nicht be­gin­nen. Auf dem Oce­an Dri­ve in Car­mel-by-the-Sea par­ken Har­leys, Old­ti­mer und Sport­flit­zer, am 17-Mi­le-Dri­ve staunt der Be­su­cher über spek­ta­ku­lä­re Vil­len, bei San Si­me­on in­to­nie­ren See­lö­wen am Strand ein viel­stim­mi­ges Kon­zert. Hin­ter der Me­ga­lo­po­lis Los An­ge­les de­mons­trie­ren braun­ge­brann­te Sur­fer die spek­ta­ku­lärs­ten Ma­nö­ver am Hun­ting­ton Beach. Und spä­tes­tens in San Die­go, Ka­li­for­ni­ens süd­lichs­ter Stadt, läuft der nächs­te Ol­die im Au­to: „It Ne­ver Rains In Sou­thern Ca­li­for­nia!“

Val­ley of the Gods

Ei­gent­lich hat man das al­les schon mal gesehen – im Ki­no, im Wer­be­fern­se­hen. Doch wer end­lich selbst mit­ten­drin steht will es kaum wahr­ha­ben. Schwin­del­er­re­gend ist der Blick in den rie­si­gen Grand Can­yon, bi­zarr sind die Farb­spie­le von Ocker bis Vio­lett auf den Sand­stein­fel­sen des Bryce Can­yons. Ame­ri­kas Na­tur­wun­der muss man ein­fach selbst er­le­ben. Ein gu­ter Start­punkt für die­se Rou­te der Su­per­la­ti­ve ist Pho­enix im Wüs­ten­staat Ari­zo­na. Und wenn die Run­de in der neon­blin­ken­den Spie­ler­hoch­burg Las Ve­gas zu En­de geht, weiß man gar nicht, was bes­ser war: der Son­nen­un­ter­gang am Mo­nu­ment Val­ley oder der spek­ta­ku­lä­re Blick durch die na­tür­li­chen St­ein­bö­gen des Arches Na­tio­nal Park.

Gre­at Ri­ver Road

Der My­thos lebt: Zwi­schen Mis­sis­sip­pi und At­lan­tik ge­ben Blues und Di­xie den Ton an. Die al­ten Plan­ta­gen und Ko­lo­ni­al­städ­te we­cken Er­in­ne­run­gen an „Vom Winde ver­weht“. Wer in At­lan­ta star­tet, der ge­langt über die Coun­try-and-Wes­tern-Me­tro­po­le Nash­ville bei Mem­phis zum „Ol’ Man Ri­ver“. Das El­vis-Me­mo­ri­al Gra­ce­land lässt sich na­tür­lich nie­mand ent­ge­hen, ge­nau­so we­nig wie das schöns­te Teil­stück des ge­sam­ten Mis­sis­sip­pis auf dem High­way 61 bis Gre­en­vil­le. Rol­len­de Baum­woll­fel­der und ma­le­ri­sche Schau­fel­rad­damp­fer be­glei­ten den Fluss. Durch his­to­ri­sche Städ­te mit ech­ter Süd­staa­ten-At­mo­sphä­re wie Vicks­burg und Port Gib­son geht es wei­ter zum gro­ßen Fi­na­le: New Or­leans, die Welt­haupt­stadt des Jazz und der kreo­li­schen Kü­che. Bei Ve­nice en­det die Gre­at Ri­ver Road am Golf von Me­xi­ko.

On the Road again

Ba­den und be­sich­ti­gen: Nir­gend­wo in den USA funk­tio­niert die­se er­hol­sa­me Kom­bi­na­ti­on bes­ser als im Sunshi­ne Sta­te Flo­ri­da und am Golf von Me­xi­ko. Fort My­ers ist der per­fek­te Start­punkt für die­se Tour, ga­ran­tiert oh­ne Rum­mel, aber mit lan­gen, brei­ten Strän­den, wie sie ent­lang Flo­ri­das West­küs­te zu­hauf zu fin­den sind. In Saint Pe­ter­sburg dür­fen sich Kunst­fans auf das welt­weit wich­tigs­te Da­li-Mu­se­um freu­en. Hin­ter Ce­dar Key mit sei­nen per­fek­ten Son­nen­un­ter­gän­gen und sym­pa­thi­schen Fi­sch­re­stau­rants be­ginnt dann die stil­le, ver­träum­te Welt des Flo­ri­da Pan­hand­le: je­nes ru­hi­gen Land­strichs, an dem die Halb­in­sel Flo­ri­da wie an ei­nem Pfan­nen­stiel am ame­ri­ka­ni­schen Kon­ti­nent hängt. Kr­ab­ben und Aus­tern sind die Spe­zia­li­tä­ten die­ser Ecke; be­son­ders gut schme­cken sie in den uri­gen Aus­tern-Bars von Apa­la­chi­co­la.

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