Ei­ne bis­wei­len be­rau­schen­de Mix­tur

Seit 1957 be­her­bergt das Hei­del­ber­ger Schloss das Deut­sche Apo­the­ken-Mu­se­um

Der Sonntag (Mittelbaden) - - Freizeit & Ausfluge - Mt

Für Ro­man­ti­ker ist es viel­leicht die schöns­te Rui­ne der Welt: das Hei­del­ber­ger Schloss. In sei­nen Mau­ern kann man sich nicht nur auf die Spu­ren von Kur­fürs­ten be­ge­ben, son­dern auch ei­ni­ges über die Ge­schich­te von Arz­nei­en und Apo­the­ker er­fah­ren: Seit 1957 hat im Hei­del­ber­ger Schloss das Deut­sche Apo­the­ken­Mu­se­um sei­ne Hei­mat. Mit sei­nen his­to­ri­schen Ein­rich­tun­gen ist es ein be­son­de­rer Ma­gnet auf dem Schloss: Rund 710000 Be­su­cher ha­ben sich im ver­gan­ge­nen Jahr die Arz­nei­mit­tel­samm­lung, die Tie­gel, Mör­ser, Waa­gen und an­de­re Ra­ri­tä­ten der Phar­ma­zie­ge­schich­te an­ge­schaut. His­to­ri­sche Apo­the­ken­ein­rich­tun­gen, ge­heim­nis­vol­le Ge­rät­schaf­ten wie De­stil­lier­ap­pa­ra­te, Ge­fä­ße aus far­big gla­sier­ter Ke­ra­mik oder bun­tem Glas, Mör­ser und jahr­hun­der­te­al­te, höchst prä­zi­se Waa­gen – das ver­brei­tet nost­al­gi­schen Reiz. Und zwar an ei­nem be­son­de­ren Ort, den ge­wölb­ten Räu­men im Otthein­richs­bau von Schloss Hei­del­berg. Der leich­te Schau­der, der ei­nen an­ge­sichts der oft skur­ri­len Zeug­nis­se der Phar­ma­zie­ge­schich­te an­weht – von ge­trock­ne­ten Kräu­tern bis zum ge­pul­ver­ten Ein­horn und zur mensch­li­chen Schä­del­de­cke – trägt sei­nen Teil zur Fas­zi­na­ti­on bei. Der Mix all die­ser Zu­ta­ten macht das Apo­the­ken-Mu­se­um zu ei­nem der meist­be­such­ten Mu­se­en in Deutsch­land. Aus vier Jahr­hun­der­ten stam­men die Be­stän­de des Mu­se­ums, das 1937 in Mün­chen ge­grün­det wur­de. Nach­dem das Stamm­haus im Zwei­ten Welt­krieg zer­stört wor­den war, kam die Samm­lung über ei­nen Zwi­schen­stopp in Bamberg nach Schloss Hei­del­berg. Hier blüht und ge­deiht sie: Vie­le der über ei­ne Mil­li­on jähr­li­cher Be­su­cher in Schloss Hei­del­berg nut­zen die Ge­le­gen­heit, ei­nen Blick auf die Ge­schich­te der Heil­mit­tel zu wer­fen. Wer tie­fer in die Ma­te­rie ein­stei­gen will, soll­te sich über Füh­rungs­ter­mi­ne des Mu­se­ums-Teams in­for­mie­ren: „Al­rau­ne und Ein­horn“lau­tet der Ti­tel der Über­blicks­füh­rung. Aber es gibt bei­spiels­wei­se auch ei­nen Rund­gang „Von Ro­sen­was­ser und Kon­fekt – Heil­kun­de aus dem Mor­gen­land“. So­gar Kin­der­ge­burts­ta­ge kann man im Apo­the­ken­Mu­se­um fei­ern – und die­ses An­ge­bot ist so be­liebt, dass 2015 kaum ei­ner der Wo­chen­end­ter­mi­ne un­be­legt blieb. So kommt es wohl , dass Eli­sa­beth Hu­wer, die Lei­te­rin des Apo­the­ken-Mu­se­ums, glän­zen­de Er­fol­ge mel­den kann: Seit 15 Jah­ren be­grüßt das Mu­se­um jähr­lich rund 600 000 Be­su­cher und ge­hört da­mit in ei­ne Spit­zen­grup­pe der best­be­such­ten Mu­se­en Deutsch­lands: Nur 0,2 Pro­zent der rund 6300 deut­schen Mu­se­en zäh­len so vie­le Be­su­cher. Noch ver­bes­sert wur­de das Er­geb­nis im Re­kord­jahr 2015, et­wa 710 000 Men­schen ka­men ins Deut­sche Apo­the­ken­mu­se­um.

Skur­ri­le Zeug­nis­se der Phar­ma­zie­ge­schich­te Al­rau­ne, Ein­horn und Ro­sen­was­ser

Das Mu­se­um, das von ei­ner Stif­tung ge­tra­gen wird, fi­nan­ziert sich ganz oh­ne öf­fent­li­che Zu­schüs­se weit­ge­hend aus Ein­tritts­gel­dern, Füh­rungs­ge­büh­ren, Ein­nah­men aus dem Mu­se­ums­shop und aus Spen­den. Für die Staat­li­chen Schlös­ser und Gär­ten Ba­denWürt­tem­berg, die Schloss Hei­del­berg und sei­nen Gar­ten ins­ge­samt be­treu­en, ist die Kom­bi­na­ti­on ide­al: „Die Schau­samm­lung des Deut­schen Apo­the­ken-Mu­se­ums passt gut in die Räu­me im Otthein­richs­bau“, sagt Michael Hörr­mann, der Ge­schäfts­füh­rer der Staat­li­chen Schlös­ser und Gär­ten.

Aus dem 18. Jahr­hun­dert stammt die Bam­ber­ger Hof­apo­the­ke, de­ren Ein­rich­tung man im Deut­schen Apo­the­ken­mu­se­um im Otthein­richs­bau des Hei­del­ber­ger Schlos­ses be­sich­ti­gen kann. Foto: SSG

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