Som­mer „ret­tet“den Sieg

Schwei­zer set­zen sich ge­gen Au­ßen­sei­ter Al­ba­ni­en mit 1:0 durch

Der Sonntag (Mittelbaden) - - Sport - Carsten Lap­pe

Al­ba­ni­en hat der nerv­li­chen Be­las­tung beim EM-De­büt nicht stand­ge­hal­ten und sich beim 0:1 (0:1) im emo­tio­na­len „Bru­der-Du­ell“ge­gen die Schweiz qua­si selbst ge­schla­gen. Ein Tor­wart­feh­ler und die Gelb-Ro­te Kar­te für Ka­pi­tän Lo­rik Ca­na be­sie­gel­ten ges­tern in Lens die Auf­takt­plei­te für den Au­ßen­sei­ter. Hof­fen­heims Fa­bi­an Schär köpf­te die an­fangs noch deut­lich ner­vö­sen Schwei­zer mit ei­nem frü­hen Tor (5. Mi­nu­te) zum Pflicht­sieg ge­gen den End­run­den-Neu­ling. Da­bei hat­te Al­ba­ni­ens Tor­hü­ter Etrit Be­ri­sha vor 33 805 Zu­schau­ern bö­se da­ne­ben­ge­grif­fen. „Wir ha­ben ein schwie­ri­ges Spiel er­war­tet und hat­ten viel Druck. Das war nicht ein­fach. Wir ha­ben das Spiel nach der Füh­rung aus der Hand ge­ge­ben. Wir müs­sen se­hen, dass wir ei­ni­ge Din­ge kor­ri­gie­ren“, sag­te Tor­hü­ter Yann Som­mer, der sei­nem Team mit ei­ni­gen Pa­ra­den den Er­folg si­cher­te. „Ich bin glück­lich, dass ich der Mann­schaft so hel­fen konn­te“, mein­te der Schluss­mann von Bo­rus­sia Mön­chen­glad­bach. In dem emo­tio­na­len Du­ell hat­ten die Al­ba­ner die Un­ter­stüt­zung von et­wa 20 000 Fans im voll be­setz­ten Sta­de Bo­la­ert-Dele­lis in Lens. Im­mer­hin zehn Spie­ler im Ka­der Al­ba­ni­ens sind in der Schweiz ge­bo­ren oder auf­ge­wach­sen, fünf Schwei­zer ha­ben al­ba­ni­sche Wur­zeln. Der al­ba­ni­sche Ver­band hat­te al­le ehe­ma­li­gen Na­tio­nal­spie­ler zum ers­ten EMSpiel in der Ge­schich­te des klei­nen Lan­des ein­ge­la­den. Vor der Par­tie gab es herz­li­che Be­grü­ßun­gen auch zwi­schen den bei­den Brü­dern Gra­nit und Tau­lant Xha­ka, die erst­mals als Na­tio­nal­spie­ler ge­gen­ein­an­der spiel­ten. Sport­lich setz­ten die fa­vo­ri­sier­ten Schwei­zer, bei de­nen sie­ben Bun­des­li­ga­pro­fis in der Start­elf stan­den, die Ak­zen­te. Beim frü­hen Füh­rungs­tref­fer der Eid­ge­nos­sen half Al­ba­ni­ens Tor­hü­ter Be­ri­sha kräf­tig mit. Nach Ecke von Xher­dan Shaqi­ri kam der bei La­zio Rom un­ter Ver­trag ste­hen­de Schluss­mann zu spät und Schär traf per Kopf in der fünf­ten Mi­nu­te. Für den Hof­fen­hei­mer Ver­tei­di­ger war es im 21. Län­der­spiel be­reits der sechs­te Tor­er­folg. Das 1:0 hät­te dem spie­le­risch deut­lich über­le­ge­nen Team von Trai­ner Vla­di­mir Pet­ko­vic Rü­cken­wind und Selbst­ver­trau­en ge­ben kön­nen. Doch die Mann­schaft wirk­te lan­ge Zeit recht ner­vös. Zu­vor hat­ten die Schwei­zer bei drei EM-End­run­den nie die nächs­te Run­de er­reicht und nur ei­nen Sieg ge­schafft. So­mit war dies­mal der ers­te Schritt auf dem Weg in die K.-o.-Run­de ge­macht. Ble­rim Dze­mai­li hat­te be­reits das 2:0 auf dem Fuß, schei­ter­te in der 15. Mi­nu­te aber an Be­ri­sha. Die kämp­fe­risch star­ken Al­ba­ner hat­ten ih­re ers­te gro­ße Mög­lich­keit nach ei­ner hal­ben St­un­de, doch Ar­man­do Sa­di­ku ver­gab völ­lig frei­ste­hend vor Tor­hü­ter Yann Som­mer. Da­nach spiel­te der Platz­ver­weis für Al­ba­ni­ens Ka­pi­tän Ca­na we­gen Hand­spiels (37.) den Schwei­zern in die Kar­ten. In Über­zahl gab es wei­te­re gu­te Mög­lich­kei­ten, die bes­te ver­gab er­neut Dze­mai­li, der ei­nen Frei­stoß nur an den Pfos­ten setz­te. Auch Ha­ris Se­fe­ro­vic von Ein­tracht Frank­furt hat­te an­schlie­ßend ins­ge­samt drei gu­te Ge­le­gen­hei­ten zur Er­geb­nis­ver­bes­se­rung, Shaqi­ri zwei. Am En­de muss­te sich der Fa­vo­rit we­gen der schwa­chen Chan­cen­ver­wer­tung mit dem knap­pen Er­folg be­gnü­gen und hät­te fast den Aus­gleich durch Sh­kel­zen Ga­shi (88.) kas­siert, was Som­mer ver­hin­der­te. „Er hat über­ra­gend ge­spielt und ist der Mann des Ta­ges“, sag­te der frü­he­re Schwei­zer Na­tio­nal­kee­per Jörg Sti­el im ZDF. Ein Mann, ein Wort, ein Tor – Su­per­star Ga­reth Ba­le hat Wa­les den Weg zum ers­ten EMSieg sei­ner Ge­schich­te ge­eb­net. Der bis­her teu­ers­te Fuß­bal­ler der Welt sorg­te beim ni­veau­ar­men, aber span­nen­den 2:1 (1:0) ge­gen die Slo­wa­kei be­reits in der zehn­ten Mi­nu­te für die Füh­rung. Nach dem Tref­fer des 100-Mil­lio­nen-An­grei­fers von Re­al Ma­drid und dem Aus­gleich durch Ond­rej Du­da (61.)

Au­ßen­sei­ter lan­ge Zeit in Un­ter­zahl

war es dann al­ler­dings „Jo­ker“Hal Rob­sonKa­nu (81.), der den wa­li­si­schen Dra­chen beim Du­ell der EM-De­bü­tan­ten den his­to­ri­schen Sieg be­scher­te. 37831 mehr­heit­lich wa­li­si­sche Zu­schau­er in Bor­deaux sa­hen kein Spiel für Fuß­ball-Fein­schme­cker, da­für zwei EM-Neu­lin­ge, die mit Lei­den­schaft ih­re li­mi­tier­ten spie­le­ri­schen Mit­tel aus­zu­glei­chen ver­such­ten. „Wir wol­len je­des Spiel hier ge­win­nen“, hat­te Ba­le selbst­be­wusst an­ge­kün­digt – und er sorg­te prompt mit da­für, dass „Ba­les“in der Grup­pe B mit den wei­te­ren Kon­kur­ren­ten En­g­land und Russ­land gu­te Chan­cen auf das Er­rei­chen des Ach­tel­fi­nals hat. sid

Der Su­per­star der Wa­li­ser: Ga­reth Ba­le traf schon in der 10. Spiel­mi­nu­te zum 1:0 ge­gen die Slo­wa­kei. Am En­de ge­wann sein Team den EM-Auf­takt mit 2:1. Foto: avs

Fa­bi­an Schär er­ziel­te schon in der 5. Mi­nu­te den ent­schei­den­den Tref­fer. Foto: avs

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