Auf­ge­fal­len Wolf­gang We­ber

Der Sonntag (Mittelbaden) - - Aktuell -

Bei die­ser Eu­ro­pa­meis­ter­schaft wer­de ich erst­mals kei­ne Fuß­ball-Bild­chen sam­meln, tau­schen und ein­kle­ben. Seit der WM 1970 hat­te ich re­gel­mä­ßig die bun­ten Por­traits der Fuß­bal­ler ge­kauft – an­fangs wa­ren das noch post­kar­ten­gro­ße Fotos des sei­ner­zei­ti­gen Markt­füh­rers „Berg­mann Ver­lag Un­na“, seit der Welt­meis­ter­schaft 1974 dann die selbst­kle­ben­den Tü­ten­bil­der des ita­lie­ni­schen Ver­lags Pa­ni­ni. So­bald ein Al­bum voll war, wan­der­te es in ei­ne Schub­la­de, wo es seit­her mit vie­len an­de­ren vol­len Fuß­bal­lal­ben her­um­liegt und äl­ter wird. Was ge­nau mich dar­an hin­dert, mei­ner Sam­mel­lei­den­schaft auch im ho­hen Al­ter zu frö­nen, weiß ich gar nicht ge­nau. Viel­leicht ist es die Tat­sa­che, dass man im­mer we­ni­ger von an­de­ren Sam­melVer­rück­ten um­ge­ben ist. Viel­leicht ist es aber auch der Ver­dacht, dass die Pa­ni­n­iChefs die Bild­chen ab­sicht­lich so un­ge­recht in den Tü­ten ver­tei­len, dass man nie und nim­mer al­le Bil­der auf na­tür­li­chem We­ge sam­meln kann, son­dern letzt­lich im­mer da­zu ge­zwun­gen wird, an­schlie­ßend Dut­zen­de von feh­len­den Por­traits nach­zu­kau­fen. Der Ma­the­ma­tik-Pro­fes­sor und Sta­tis­ti­kEx­per­te Nor­bert Hen­ze vom Karls­ru­her Institut für Tech­no­lo­gie (KIT) hat jetzt ei­ne in­ter­es­san­te Rech­nung ver­öf­fent­licht: „Um das Fuß­ball-Sam­mel­bild­al­bum zur Eu­ro­pa­meis­ter­schaft 2016 zu ver­voll­stän­di­gen, braucht es ei­gent­lich nur 680 ver­schie­de­ne Sti­cker, al­so 136 Tüt­chen mit je fünf Sti­ckern im Ge­samt­wert von rund 100 Eu­ro,“sagt er. „Doch da die Sti­cker nach dem Zu­falls­prin­zip ein­ge­tü­tet und ver­kauft wer­den, steigt der fi­nan­zi­el­le Auf­wand enorm, wenn man sich sein kom­plet­tes Al­bum er­kau­fen wol­len wür­de. Man müss­te et­wa 4685 Sti­cker kau­fen, da­mit man ei­ne 50-pro­zen­ti­ge Chan­ce auf ein kom­plet­tes Al­bum hat – oder so­gar 6 455 Sti­cker für ei­ne 99pro­zen­ti­ge Chan­ce – und so­mit rund 650 bis 900 Eu­ro in­ves­tie­ren.“Ein­fa­cher wä­re die Sa­che wo­mög­lich, hät­te man ei­ne at­trak­ti­ve Tan­te. Der spa­ni­sche Schrift­stel­ler Xa­vier Ma­ri­as be­kann­te vor Jah­ren in ei­nem In­ter­view mit dem „Spie­gel“, dass er in sei­ner Kind­heit ein­mal ein Bild sei­ner Tan­te ge­gen ein Fuß­ball­sam­mel­bild ein­ge­tauscht ha­be. „Es war ganz schwie­rig, das Bild von Men­don­ca, ei­nem Spie­ler von At­le­ti­co Ma­drid, zu be­kom­men. Ich ha­be es im Tausch er­hal­ten ge­gen vie­le an­de­re Bil­der, ein­schließ­lich des klei­nen Fotos mei­ner Tan­te Ti­na. Sie war sehr hübsch.“

Tau­sche Fuß­bal­ler ge­gen hüb­sche Tan­te

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