Der Sonn­tag bei …

Jür­gen Hör­ner | Thea­ter­lei­ter der Ba­disch Bühn’ und Stü­cke­au­tor

Der Sonntag (Mittelbaden) - - Die Region - Tho­mas Liebs­cher

Wenn er ei­ni­ges an Zeit üb­rig hat und mal nicht im Lin­ken­hei­mer Ar­beits­zim­mer über ei­ner neu­en Mun­d­art­ko­mö­die brü­tet; wenn er nicht den klei­nen fei­nen Gar­ten pflegt; wenn er nicht wie oft sonn­tags wan­dernd un­ter­wegs ist und wenn er nicht ge­müt­lich in dem hel­len und mit ei­ni­gen ge­schmack­vol­len al­ten Mö­bel­stü­cken ein­ge­rich­te­ten Haus sitzt – dann steigt Jür­gen Hör­ner in sein Dach­ge­schoss. „Da steht et­was, was mir seit ei­ni­gen Jah­ren sehr am Her­zen liegt – ich bin Märk­li­nist“ver­rät der viel­sei­ti­ge Thea­ter­mann. Er ent­wirft nicht nur in ganz Deutsch­land ge­spiel­te Mun­d­art­ko­mö­di­en, son­dern auch Voral­pen­land­schaf­ten für die Mo­dell­bahn. Er führt seit 30 Jah­ren Re­gie an der „Ba­disch’ Büh“n Karls­ru­he, steu­ert aber auch die zahl­rei­chen Loks sei­ner Mo­dell­ei­sen­bahn­an­la­ge in Spur H0. Mit Hin­ga­be und ex­ak­ter Zeit­ein­tei­lung wid­met sich der 59-Jäh­ri­ge zu­dem ver­schie­de­nen Be­ru­fen. Dass er Schau­spie­ler wer­den wür­de, lag in der Fa­mi­lie. Be­reits der Groß­va­ter stand auf Ama­teur­büh­nen, schon der Schü­ler Jür­gen dach­te sich Sze­nen aus und wäh­rend der Gym­na­si­al­zeit in Lan­dau grün­de­te er in die Thea­ter-AG. Nach Aus­bil­dung an der pri­va­ten Karls­ru­her Schu­le von Wer­ner We­de­kind, der auch die al­te Büh­ne der „In­sel“führ­te, spiel­te Hör­ner in Karls­ru­he, Ett­lin­gen, Mün­chen oder Bad Hers­feld. „Die Bö­se­wich­ter im­mer lie­ber als die jun­gen Lieb­ha­ber“. Er wirk­te in Dia­lekt-Hör­spie­len wie Fern­seh­pro­duk­tio­nen mit, spür­te aber im Al­ter von 30 Jah­ren ei­ne Ve­rän­de­rung: „Ich war mit Leib und See­le Schau­spie­ler, lief aber Ge­fahr, die Lie­be zum Be­ruf zu ver­lie­ren.. Ich woll­te nicht nur aus­füh­ren­des Or­gan sein, doch es war nicht im­mer ein­fach, sich mit Ide­en bei den Re­gis­seu­ren ein­zu­brin­gen.“Der Ak­teur wech­sel­te 1990 die Haupt­rol­le und fand ei­nen zu­n­ächst ganz ein­fa­chen Job bei der Ver­si­che­rung „Aa­chenMün­che­ner“in Karls­ru­he. Heu­te ist er dort Per­so­nal­re­fe­rent und froh, dass der Ar­beit­ge­ber ihm im­mer er­mög­lich­te, die künst­le­ri­sche Sei­te zu pfle­gen. Den idea­len Ort da­für fand Hör­ner in Grün­win­kel, beim „Schu­pi“, al­so bei Pe­ter Schus­ter und sei­nem Volks­thea­ter. Manch­mal gab’s hin­ter und auf der Büh­ne, nach ei­nem be­son­ders er­folg­rei­chen Ti­tel, „Nix wie Kud­del­mud­del“, aber at­mo­sphä­risch war für den Pfäl­zer Schau­spie­ler jetzt „Al­les in But­ter“. Mit viel Er­fah­rung und Lust am Ge­stal­ten ent­stan­den ei­ge­ne Stü­cke, die, bis hin zum Ohn­sorg­thea­ter Ham­burg, auf­ge­führt wer­den. Seit „Schu­pis“Tod leitet Hör­ner zu­sam­men mit Tho­mas Munz die Büh­ne. Er probt drei Mal die Woche mit den er­fah­re­nen wie jun­gen Ak­teu­ren. „Ich schrei­be ih­nen in den neu­en Stü­cken die Rol­len schon auf den Leib und zwar auf breit Ba­disch, das geht mitt­ler­wei­le sehr gut bei mir“, schmun­zelt Hör­ner. Über­haupt hat der hör­ba­re Pfäl­zer Land und Leu­te rechts­rhei­nisch so ins Herz ge­schlos­sen, dass er gar nicht mehr in die al­te Hei­mat wech­seln woll­te. Für die Lie­be zur Mun­d­art und zum Thea­ter hat Hör­ner sein idea­les ba­di­sches Bio­top er­obert. Li­te­ra­ri­schen „Stoff“fin­det er dort ge­nug. „Do braut sich was zam­me“, kann er ver­kün­den – mit dem Ti­tel sei­nes nächs­ten Stücks.

Sei­ne neu­es­te Mun­d­art­ko­mö­die „Dob­bel­mord im Al­ders­heim“wird der­zeit frei­tags und sams­tags in der Ba­disch Bühn’ Karls­ru­he ge­spielt. Dort ist der Pfäl­zer Jür­gern Hör­ner zu­dem künst­le­ri­scher Lei­ter. Foto: Ar­tis

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