Das Wort zum Sonn­tag

Der Sonntag (Mittelbaden) - - Die Region - von Kat­ja Do­brocsi, Re­fe­ren­tin für Frau­en­pas­to­ral, Diö­ze­san­stel­le

Zeit, dass sich was dreht – heu­te Abend ist es end­lich so­weit, für uns und DIE MANN­SCHAFT. Wuss­ten Sie, dass die drit­te Fuß­ball-EM der Frau­en 1989 in der BRD statt­fand und von un­se­rem Team im Elf­me­ter­schie­ßen ge­won­nen wur­de? Es war das ers­te li­ve im Fern­se­hen über­tra­ge­ne Frau­en­fuß­ball­spiel. Und die Prä­mie des DFB an die Spie­le­rin­nen? Ein 41-tei­li­ges Kaf­fee­ser­vice. Ich war damals in der Ober­stu­fe, hat­te Sport im ge­misch­ten Leicht­ath­le­tik-Grund­kurs, und wir wa­ren die Ein­zi­gen, die die Schnö­sels vom Sport-LK im Vol­ley­ball schla­gen konn­ten. Beim Sport­fest setz­te un­ser Leh­rer auf uns – und der Kas­ten, den er hin­ter­her spen­dier­te, war wirk­lich ei­ne le­cke­re Prä­mie an die­sem Som­mer­tag ’89. Vom Frau­en­fuß­ball ha­be ich zu der Zeit nichts mit­ge­kriegt. Und für ein Kaf­fee­ser­vice hät­te ich mich be­dankt. Das Evan­ge­li­um im ka­tho­li­schen Got­tes­dienst heu­te ist ei­ne Steil­vor­la­ge, um ent­we­der ein Kaf­fee­ser­vice zu über­rei­chen oder ein paar Din­ge in Sa­chen Frau­en und Kir­che klar­zu­stel­len. Lu­kas 7, 36–8, 3. Dar­in be­gibt sich ei­ne na­men­lo­se Frau stark, sinn­lich und oh­ne Wor­te in ei­ne Män­ner­run­de und zeigt da­durch un­ver­hofft den Zu­sam­men­hang zwi­schen Lie­ben und Ver­ge­bung. So­wie den Un­ter­schied zwi­schen ech­ter Be­geg­nung und skep­ti­schem In­ter­es­se. Im nächs­ten Ab­schnitt wer­den Frau­en auf­ge­lis­tet, die ge­nau­so mit Je­sus un­ter­wegs wa­ren, un­ter ih­nen Ma­ria aus Mag­da­la. Die­se Stel­len sind al­so fast so was wie ein Ti­tel­ge­winn. Aber oft ge­nug blei­ben „Schwes­tern“ne­ben „Brü­dern“un­ge­nannt. Die Über­set­zung mach­te hier aus den Frau­en Die­ne­rin­nen der Män­ner statt Dia­ko­nin­nen Je­su. Und Ma­ria von Mag­da­la wur­de in der pa­tri­ar­cha­len Aus­le­gungs­ge­schich­te fan­ta­sie­voll ver­mischt mit der Sün­de­rin. Das ver­dräng­te sie in ih­rer Au­to­ri­tät als Zeu­gin der ers­ten St­un­de und Leh­re­rin in Sa­chen Le­ben, das den Tod über­win­den kann. All dies ist auch in der heu­ti­gen Les­art mög­lich, die fa­vo­ri­siert, bei­de Tex­te in ei­nem Fluss zu le­sen, ob­wohl sie in­halt­lich nicht zu­sam­men­ge­hö­ren. Falls Sie heu­te in der Kir­che wa­ren, wer­den sie da­zu et­was ge­hört ha­ben. Von ei­nem Pries­ter. Er darf pre­di­gen. Zeit, dass sich was dreht! Al­lez, al­lez, al­lez!

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