Bel­gi­en kommt nicht zur Ru­he

Groß an­ge­leg­ter An­ti-Ter­ror-Ein­satz we­gen „un­mit­tel­ba­rer Be­dro­hung“

Der Sonntag (Mittelbaden) - - Erste Seite -

We­gen ei­ner „un­mit­tel­ba­ren Be­dro­hung“hat die bel­gi­sche Po­li­zei in ei­nem groß an­ge­leg­ten An­ti-Ter­ror-Ein­satz zahl­rei­che Woh­nun­gen durch­sucht und zwölf Ver­däch­ti­ge fest­ge­nom­men. Nach An­ga­ben der Staats­an­walt­schaft gab es in der Nacht zum Sams­tag meh­re­re dut­zend Ein­sät­ze in 16 Städ­ten. Ei­nem Me­dien­be­richt zu­fol­ge woll­ten At­ten­tä­ter wäh­rend des EM-Spiels Bel­gi­en–Ir­land zu­schla­gen. Re­gie­rungs­chef Charles Mi­chel be­schloss aber nach ei­ner Dring­lich­keits­sit­zung, kei­ne Fan-Ver­an­stal­tun­gen ab­zu­sa­gen. „Die ver­schie­de­nen Ver­an­stal­tun­gen, die für die kom­men­den Ta­ge vor­ge­se­hen sind, wer­den bei­be­hal­ten“, sag­te Mi­chel nach ei­ner Dring­lich­keits­sit­zung des Si­cher­heits­ra­tes. Es wür­den „zu­sätz­li­che und an­ge­mes­se­ne Maß­nah­men“er­grif­fen. Der Mi­nis­ter­prä­si­dent rief die Be­völ­ke­rung auf, die An­wei­sun­gen der Si­cher­heits­be­hör­den zu be­fol­gen. Die meis­ten Raz­zi­en fan­den im Groß­raum Brüs­sel statt, un­ter an­de­rem in den Ge­mein­den Mo­len­beek, Scha­er­beek und Fo­rest – die Brenn­punkt­vier­tel gel­ten als Hoch­bur­gen der bel­gi­schen Is­la­mis­ten­sze­ne und ste­hen seit den Pa­ri­ser An­schlä­gen im No­vem­ber und den Brüs­se­ler An­schlä­gen im März un­ter ver­stärk­ter Be­ob­ach­tung. Wei­te­re Raz­zi­en gab es un­ter an­de­rem in Za­ven­tem am Brüs­se­ler Flug­ha­fen so­wie in Fleu­rus un­weit des zweit­größ­ten bel­gi­schen Flug­ha­fens Char­le­roi. Die Ein­sät­ze ver­lie­fen nach An­ga­ben der Staats­an­walt­schaft oh­ne grö­ße­re Zwi­schen­fäl­le. Die Po­li­zei ver­hör­te 40 Ver­däch­ti­ge, zwölf von ih­nen wur­den in Ge­wahr­sam ge­nom­men. Zur Iden­ti­tät der Ver­däch­ti­gen mach­te die Staats­an­walt­schaft kei­ne An­ga­ben. Waf­fen oder Spreng­stoff wur­den bei den Raz­zi­en nicht ge­fun­den. Nach An­ga­ben des Fern­seh­sen­ders VTM er­hiel­ten die Be­hör­den ei­nen Hin­weis, dass wäh­rend des EM-Spiels der bel­gi­schen Fuß­ball-Na­tio­nal­mann­schaft ge­gen Ir­land am Sams­tag­nach­mit­tag An­schlä­ge ver­übt wer­den soll­ten. Die At­ten­tä­ter woll­ten dem­nach mög­li­cher­wei­se Fuß­ball­fans auf Fan­mei­len in Bel­gi­en at­ta­ckie­ren. We­gen ei­ner eben­falls „un­mit­tel­ba­ren“Be­dro­hung wa­ren erst am Frei­tag die Si­cher­heits­vor­keh­run­gen für meh­re­re bel­gi­sche Po­li­ti­ker ver­schärft wor­den, un­ter an­de­rem Re­gie­rungs­chef Charles Mi­chel, Au­ßen­mi­nis­ter Di­dier Reyn­ders, In­nen­mi­nis­ter Jan Jam­bon und Jus­tiz­mi­nis­ter Ko­en Ge­ens. Ein Zu­sam­men­hang zu den Raz­zi­en in der Nacht zum Sams­tag be­stand dem­nach aber nicht. Der Groß­ein­satz er­folg­te knapp drei Mo­na­te nach den ver­hee­ren­den Ter­ror­an­schlä­gen in Brüs­sel. Selbst­mord­at­ten­tä­ter hat­ten am 22. März am Brüs­se­ler Flug­ha­fen und in ei­ner Me­tro­sta­ti­on in der In­nen­stadt 32 Men­schen mit in den Tod ge­ris­sen.

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