Sanf­te Sei­ten des Och­sen­kop­fes

Ak­ti­ver Ur­laub im Fich­tel­ge­bir­ge

Der Sonntag (Mittelbaden) - - Reise & Urlaub - Hf

Rund um den Och­sen­kopf im Her­zen des Fich­tel­ge­bir­ges kom­men Wan­de­rer auf ih­re Kos­ten – hier war­ten bis in den spä­ten Herbst Na­tur­er­leb­nis­se, die ih­res­glei­chen su­chen. Kurz­weil bie­ten The­men­wan­der­we­ge, bei­spiels­wei­se auf den Spu­ren der Berg­leu­te. Die­ser berg­bau­his­to­ri­sche Wan­der­weg führt über elf Etap­pen zu den Stol­len und Schäch­ten des ehe­ma­li­gen Fluss­spat- und Ei­sen­erz­ab­bau­ge­biets in der Re­gi­on von War­men­stein­ach. Die rund 2200 Ein­woh­ner zäh­len­de Ge­mein­de ist ei­ne von vier Ort­schaf­ten am Och­sen­kopf, dem zweit­höchs­ten Berg der Re­gi­on. Die­ser mar­kan­te So­li­tär ist auch Na­mens­ge­ber und Qu­ell­ge­biet für meh­re­re Flüs­se: die Fich­tel­na­ab, die St­ei­n­ach und der Wei­ße Main, der spä­ter als Main in den Rhein mün­det. Die­se leg­ten einst den Grund­stein für den Berg­bau so­wie fürs Glas­ma­cher­hand­werk. Die mit dem Berg­bau ver­bun­de­nen Ge­wer­ke wie et­wa die Glas­her­stel­lung konn­ten sich ent­lang der obe­ren St­ei­n­ach gut an­sie­deln. Stol­len­ein­gän­ge, Schmelz­öfen, Ham­mer­schmie­den und Ze­chen­häu­ser säu­men bis heu­te den in rund zwei St­un­den zu ge­hen­den Wan­der­weg. Rund 130 Hö­hen­me­ter sind zu be­wäl­ti­gen und ma­chen ihn so auch für Fa­mi­li­en gut geh­bar. Das im Tag- oder Stol­len­bau ge­won­ne­ne Ei­sen­erz der um­lie­gen­den Ber­ge wur­de schon An­fang des 16. Jahr­hun­derts im Ham­mer­werk am Fu­ße des Mit­tel­bergs ver­ar­bei­tet. Mit Hil­fe von Was­ser und Holz­koh­le wur­den die Bro­cken zer­klei­nert, um dann mit Fluss­spat das Erz her­aus­zu­wa­schen, das dann un­ter dem Ham­mer in Form ge­bracht wur­de. In­for­maWer an den al­ten Glas­in­dus­trie­stand­or­ten in­for­mie­ren zur Ge­schich­te. Ei­ne de­tail­lier­te Be­schil­de­rung macht Ver­lau­fen na­he­zu un­mög­lich. Ei­nem wei­te­ren Er­werbs­zweig ist der Glas­wan­der­weg ge­wid­met. Über 400 Jah­re hin­weg wur­de im obe­ren St­ei­n­ach­tal Glas her­ge­stellt. Das ur­al­te Glas­ma­cher­zei­chen, ei­ne lie­gen­de Acht auf ei­nem Kreuz, weist den Weg. Es sei „ein un­end­li­ches Kreuz, gu­tes Glas her­zu­stel­len“, sagt Bern­hard Ra­ab, der Glas­blä­ser ge­lernt hat und heu­te ein Gast­haus be­wirt­schaf­tet. Er kennt noch die Be­deu­tung die­ses Aus­spruchs. Knöp­fe wie­sen vor we­ni­gen Jah­ren den Weg in die al­te Tra­di­ti­on des Glas­ma­cher­hand­werks am Och­sen­kopf. Heu­te in­for­miert der rund elf Ki­lo­me­ter lan­ge Glas­wan­der­weg auf bis in den Herbst hin­ein gut geh­ba­ren We­gen über die­se al­te Kunst. 42 Ki­lo­me­ter lang ist der gro­ße Glas­wan­der­weg zwi­schen Wei­den­berg und Bi­schofs­grün. Acht bis zehn St­un­den dau­ert die­se mit­tel­schwe­re Ma­ra­thon­dis­tanz. Der The­men­wan­der­weg will ei­ne Mi­schung aus Kul­tur- und Na­tur­pfad sein. Wei­te­re Wan­der­viel­falt ver­spre­chen der fünf Ki­lo­me­ter lan­ge Echowald­weg oder der über meh­re­re Ta­ges­etap­pen zu ge­hen­de Frän­ki­sche Ge­birgs­wan­der­weg. Im Wan­der­zen­trum Bi­schofs­grün kön­nen In­ter­es­sier­te auch Wan­der­füh­rer für ih­re Tour bu­chen. Ge­nuss­rad­ler kom­men auf dem et­wa 43 Ki­lo­me­ter lan­gen „Fich­tel­na­ab-Rad­weg“auf ih­re Kos­ten. Klei­ne Na­tur­wun­der und Se­hens­wür­dig­kei­ten wie et­wa das Sil­be­rei­sen­Berg­werk, die Fels­for­ma­tio­nen im St­ein­wald, die ba­ro­cke Le­on­har­di­kir­che oder das Ham­mer­schloss in Hopf­au la­den zum Be­sich­ti­gen. Bei ver­schie­de­nen Rad­tou­ren brin­gen zwei Bus­li­ni­en die Rad­fah­rer auch wie­der zum Aus­gangs­punkt zu­rück. At­trak­ti­ve Er­mä­ßi­gun­gen bie­tet al­len Ur­lau­bern die

Wan­der­we­ge zu ur­al­tem Hand­werk

neue Och­sen­kopf-Gäs­te­kar­te, die be­reits ab ei­ner Über­nach­tung gül­tig ist. Wer et­wa ein Moun­tain-, Kin­der- oder Tou­ren­bike mie­tet, er­hält 15 Pro­zent Nach­lass. Bi­kern prä­sen­tiert sich der Bi­ke-Fun­park & Tech­nik­par­cours di­rekt am Bullhead Hou­se auf der Süd­sei­te des 1024 Me­ter ho­hen Na­mens­ge­bers der Re­gi­on als per­fek­tes Spaß- und Übungs­ge­län­de: Zwei Stre­cken mit North Sho­res, Ta­bles, Wall Ri­des und Drops be­geis­tern vor al­lem Down­hill-Bi­ker und Free­ri­der. Und der an­spruchs­vol­le Tech­nik­par­cours hat gleich meh­re­re Stre­cken mit zahl­rei­chen Übungs­ele­men­ten in un­ter­schied­li­chen Schwie­rig­keits­gra­den für Cross Coun­try und Tou­ren­bi­ker. Der ge­sam­te Park ist kos­ten­frei zu­gäng­lich und steht je­dem Bi­ker of­fen. Die An­la­gen bie­ten auch ein per­fek­tes Trai­nings­ti­ons­ta­feln ge­län­de für Moun­tain­bike-Ver­ei­ne zur Wett­kampf­vor­be­rei­tung. Aber auch sonst gibt es viel zu er­le­ben: Ìm Wild­park Wald­haus Mehl­mei­sel lockt frän­ki­sche Wild­nis. Das gro­ße mul­ti­me­dia­le An­ge­bot im Wald­haus lässt die Be­su­cher zu Ent­de­ckern wer­den und auf den fast vier Me­ter ho­hen Platt­for­men im neu­en Wild­park spa­ziert man mit si­che­rem Ab­stand zwi­schen den Ge­he­gen: Das Luchs­pär­chen trollt sich mit sei­nen Jun­gen, Wild­schwei­ne suh­len sich im Schlamm und der Au­er­hahn ist ein sel­te­nes Ur­tier, das hier im ho­hen Fich­tel­ge­bir­ge noch an­säs­sig ist. Wäh­rend der Lan­des­gar­ten­schau Bay­reuth – ein wei­te­rer Hö­he­punkt in die­sem Som­mer – ist das Wald­haus täg­lich von 10 bis 18 Uhr ge­öff­net. Wild­park­tou­ren im­mer um 14 Uhr und um 16.30 Uhr. mehr über das Le­ben in der Re­gio­jn wis­sen will: Im Frei­land­mu­se­um Gras­se­mann in War­men­stein­ach ge­währt das Schwär­zer­haus von 1698 Ein­blick in das einst kar­ge Le­ben der Berg­bau­ern. Be­glei­tend zur Lan­des­gar­ten­schau ste­hen re­gel­mä­ßi­ge Kräu­ter­se­mi­na­re auf dem Pro­gramm: „Wie schmeckt die Wie­se?“, „Dru­cken mit Pflan­zen“, „Fich­ten­spit­zen und Mai­wuchs“oder „Re­zep­te mit Ho­lun­der“. „Men­schen und Wäl­der“heißt ei­ne ak­tu­el­le Aus­stel­lung. Im Au­ßen­be­reich lockt ein ein­stün­di­ger Spa­zier­gang, der an­hand von 17 Sta­tio­nen die lo­ka­le Kul­tur­land­schaft vor­stellt. Das Frei­land­mu­se­um ist von mitt­wochs bis sonn­tags von 11 bis 16 Uhr ge­öff­net.

Er­leb­nis­re­gi­on in Ober­fran­ken: Idyl­lisch liegt der Fich­tel­see zwi­schen Och­sen­kopf und Schnee­berg. Das Mit­tel­ge­bir­ge ist ein Do­ra­do für Wan­de­rer und Rad­fah­rer, aber auch für ge­schichts­be­wuss­te Ur­lau­ber. Fo­to: Heiss

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