Hell­blau­er Vi­ze­meis­ter

Vor 60 Jah­ren: KSC ver­liert das Fi­na­le um die deut­sche Meis­ter­schaft

Der Sonntag (Mittelbaden) - - Sport - Tho­mas Liebs­cher

Zehn Mi­nu­ten sind ge­spielt im Berliner Olym­pia­sta­di­on. Der KSC zeigt gleich Mut in die­sem Fi­na­le um die deut­sche Meis­ter­schaft 1956. Heinz Rup­pen­stein zieht im Mit­tel­feld an ei­nem Dort­mun­der vor­bei, der lan­ge Pass auf Kun­kel ge­lingt. Flü­gel­stür­mer Ernst Kun­kel täuscht an, zwei Dort­mun­der be­hin­dern sich ge­gen­sei­tig – Kun­kel, zu­vor beim VfB Mühl­burg der Spiel­ma­cher, schießt und trifft rechts ins Eck. Die 1500 KSC-An­hän­ger un­ter den rund 70000 im nicht aus­ver­kauf­ten Sta­di­on ju­beln. Der Au­ßen­sei­ter führ­te an die­sem 24. Ju­ni 1956, als in ei­nem ech­ten End­spiel der deut­sche Fuß­ball­meis­ter er­mit­telt wur­de. Wie je­des Jahr bis zur Ein­füh­rung der Bun­des­li­ga 1963. Vor 60 Jah­ren schafft es der KSC nach ei­ner kräf­te­rau­ben­den Sai­son in das al­les ent­schei­den­de Spiel um die Meis­ter­scha­le. Zu­nächst hol­ten die Blau-Wei­ßen den Ti­tel der süd­deut­schen Ober­li­ga, das war da­mals die höchs­te Spiel­klas­se. Der VfB Stutt­gart, Ein­da­von. tracht Frankfurt oder der 1. FC Nürn­berg lan­de­ten hin­ter den Ba­de­nern. In der deut­schen End­run­de lag der KSC in sei­ner Vie­rer­grup­pe am En­de punkt­gleich mit Schal­ke 04 und dem 1. FC Kai­sers­lau­tern vor­ne. Kurios: Die 7:5 To­re des KSC wa­ren bes­ser als die 16:12 von Schal­ke. Um das Tor­ver­hält­nis zu er­mit­teln, wur­de nicht sub­tra­hiert, son­dern di­vi­diert! Haus­ho­her Fa­vo­rit im Fi­na­le an ei­nem reg­ne­ri­schen Tag war West­meis­ter Bo­rus­sia Dort­mund mit sei­nen „drei Al­f­re­dos“. Kei­ne Ar­tis­ten, son­dern die Ball­künst­ler Al­f­red Preiß­ler, Al­f­red Kel­bas­sa und Al­f­red Nie­pe­klo. Al­le drei tra­fen ge­gen den KSC. Die Bo­rus­sen gli­chen nach 15 Mi­nu­ten aus, la­gen zur Halb­zeit in Füh­rung und zo­gen auf 4:1 Bei ei­nem Tor fälsch­te KSC-Ver­tei­di­ger Sieg­fried Gee­s­man leicht ab und beim 1:4 patz­te Tor­wart Ru­di Fi­scher. Ein Ei­gen­tor der Bo­rus­sen zum 2:4 mach­te den Ba­de­nern mit Trai­ner Adolf Pa­tek aus Wi­en noch ein­mal Hoff­nung. Aber die Stür­mer Heinz Beck, Kurt Som­mer­latt, Os­wald Traub oder Ber­ni Ter­math müh­ten sich ver­geb­lich. Der BVB hol­te sei­nen ers­ten Meis­ter­ti­tel. Mit Trai­ner Hel­mut Schnei­der aus Mann­heim. Die Bo­rus­sen-Do­mi­nanz war zu groß für den fai­ren KSC. Des­sen Auf­tre­ten in neu­en hell­blau­en Tri­kots wur­de all­ge­mein ge­lobt. Man ha­be „den Sü­den wür­dig ver­tre­ten“, hieß es in den BNN. Und dass das Le­ben wei­ter­ge­he. Selbst der Be­rufs­fuß­ball war einst ein­fach nur schö­ne Ne­ben­sa­che. Dass nur 1 500 An­hän­ger mit in Ber­lin wa­ren, er­klärt sich aus der da­mals be­schwer­li­chen An­rei­se durch die DDR mit lang­wie­ri­gen Grenz­kon­trol­len. Da­für wur­de die Mann­schaft bei der Rück­kehr be­geis­tert emp­fan­gen.

24. Ju­ni 1956 in Ber­lin Dort­mund – KSC 4:2

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