Ein­bli­cke in die Gr­ab­ka­pel­le

Kunst­füh­rer entschlüsselt vie­le Ge­heim­nis­se

Der Sonntag (Mittelbaden) - - DIE REGION - SO avs SO An­net­te Bor­chardt-Wen­zel

Bum­meln und Fah­ren am Was­ser, Ein­keh­ren am Ufer und je­de Men­ge Un­ter­hal­tungs­pro­gramm mit­neh­men: Die­se Per­spek­ti­ven bie­tet das Ha­fen-Kul­tur-Fest heu­te in Karls­ru­he. Kin­der könn­ten sich ins Pi­ra­ten­la­ger von Käpt’n Kal­li und sei­ne Man­nen stür­zen oder die El­tern bit­ten, Fahr­kar­ten für den Dampf­zug zu kau­fen, der auf den Schie­nen bis zum Ha­fen­sperr­tor pen­delt. Kos­ten­los und des­halb be­gehrt sind die Ha­fen­rund­fahr­ten ab 12 Uhr al­le zwei St­un­den. Für Mu­sik­pro­gramm sor­gen die Spey­er Ci­ty Stom­pers (11 Uhr), der Mu­sik­ver­ein Knie­lin­gen (14 bis 16 Uhr) und die Ma­ri­ne­sin­gers Rhein­stet­ten 16.30 Uhr. Das deut­sche Spiel muss man auch nicht ver­pas­sen und der Mu­sik­ver­ein Har­mo­nie sorgt für den Ab­schluss. Das vom Re­gen ver­ur­sach­te Rhein­hoch­was­ser hat den Stech­mü­cken pri­ma Start­hil­fe ver­schafft. Nun ma­chen sie sich vie­ler­orts be­merk­bar – und die Be­kämp­fer der Schna­ken, wie die Pla­ge­geis­ter land­läu­fig hei­ßen, kom­men kaum hin­ter­her. „Wir müs­sen bei der Be­völ­ke­rung um Ver­ständ­nis bit­ten“, sag­te der wis­sen­schaft­li­che Di­rek­tor der Kom­mu­na­len Ar­beits­ge­mein­schaft zur Be­kämp­fung der Schna­ken­pla­ge (KABS), Nor­bert Be­cker: „Im Mo­ment spürt man na­tür­lich die Mü­cken.“Das sei Fol­ge des Hoch­was­sers, wer­de sich aber in ei­ni­gen Wo­chen än­dern, ver­si­cher­te er. Be­ckers Hel­fer sind nach sei­nen An­ga­ben der­zeit von mor­gens bis abends im Ein­satz. „Das geht an die Sub­stanz.“ Das Dur­la­cher Alt­stadt­fest lockt am nächs­ten Frei­tag und Sams­tag, 1. und 2. Ju­li, zum 40. Mal in den Karls­ru­her Stadt­teil. Das stim­mungs­vol­le und sehr be­lieb­te Fest in den Gas­sen und Plät­zen der al­ten „Mark­gra­fen­stadt“wird am Frei­tag um 17 Uhr auf der Rat­haus­büh­ne er­öff­net. Mit da­bei sind dann un­ter an­de­rem Zöl­ler Net­work und Ei­ran mit ei­ner „Rap-Hym­ne an Dur­lach“Ein mu­si­ka­li­scher Ta­lent­wett­be­werb fin­det am Sams­tag um 14 Uhr statt. Bis in die Nacht­stun­den wird auch am zwei­ten Tag ge­fei­ert. 40 Stän­de sind An­lauf- und Hal­te­stel­len im Ge­drän­ge. Mu­sik in vie­len Stil­rich­tun­gen heizt die Ge­sel­lig­keit an. An elf Stän­den gibt es Sport- und Spiel­mög­lich­kei­ten für Kin­der.

Sie ist ei­nes der we­ni­gen Bau­denk­ma­le Karls­ru­hes aus dem 19. Jahr­hun­dert, die im Zwei­ten Welt­krieg nicht zer­stört wur­den: Die Groß­her­zog­li­che Gr­ab­ka­pel­le im Hardtwald blieb bis heu­te na­he­zu ori­gi­nal er­hal­ten. Der neo­go­ti­sche Bau, in dem 17 Mit­glie­der des ba­di­schen Fürs­ten­hau­ses ru­hen, wird von den Staat­li­chen Schlös­sern und Gär­ten (SSG) be­treut; seit fünf Jah­ren ist die Ober­kir­che von April bis Ok­to­ber re­gel­mä­ßig für die Öf­fent­lich­keit zu­gäng­lich. Wer nicht ge­ra­de Kunst- oder Bau­his­to­ri­ker ist, wird sich frei­lich schwer tun, oh­ne sach­kun­di­ge Be­glei­tung die Fein­hei­ten des kunst­voll aus­ge­stat­te­ten Mau­so­le­ums zu er­ken­nen. Seit die­ser Sai­son nun gibt es ei­nen 48 Sei­ten um­fas­sen­den Kunst­füh­rer der SSG, der die Ge­heim­nis­se des Or­tes entschlüsselt, der nicht nur dem To­ten­ge­den­ken, son­dern zu­gleich der Re­prä­sen­ta­ti­on dien­te. Zu­dem wird der Le­ser in al­ler Kür­ze mit ei­ni­gen Aspek­ten der ba­di­schen Lan­des- und Fürs­ten­ge­schich­te ver­traut ge­macht. Die Pla­nun­gen für die Gr­ab­ka­pel­le be­gan­nen 1888, dem Jahr, in dem Prinz Lud­wig Wil­helm, ein Sohn des Groß­her­zo­gen­paa­res Fried­rich I. und Lui­se, im Al­ter von nur 22 Jah­ren starb. Die Mit­glie­der der groß­her­zog­li­chen Fa­mi­lie wur­den seit 1830 üb­li­cher­wei­se in der evan­ge­li­schen Stadt­kir­che am Markt­platz be­stat­tet – doch Lui­se wünsch­te, in ei­nem we­ni­ger von der Öf­fent­lich­keit be­ach­te­ten Raum um ihr jüngs­tes Kind trau­ern zu kön­nen. Man ent­schied sich für ein Mau­so­le­um in der „Ab­ge­schie­den­heit des tie­fen Wald­frie­dens“, das gleich­wohl ein Denk­mal für die ba­di­sche Dy­nas­tie sein soll­te. Der Kunst­füh­rer, den Pe­tra Pechacek, Pau­lLud­wig Schnorr, Al­ma-Ma­ra Bran­den­burg und San­dra Eber­le ver­fasst ha­ben, er­läu­tert das We­sen des Mau­so­le­ums und geht kurz auf die frü­he­ren Grab­le­gen des Hau­ses Ba­den in Backnang, Klos­ter Lich­ten­thal, Ba­den-Ba­den, Pforzheim und Karls­ru­he ein. Vor­ge­stellt wer­den zu­dem die Bau­her­ren und die Bau­ge­schich­te der Gr­ab­ka­pel­le im Hardtwald. Zehn Sei­ten sind der In­nen­aus­stat­tung ge­wid­met, wo­bei ein be­son­de­rer Fo­kus auf die von Her­mann Volz ge­stal­te­ten Gr­ab­denk­ma­le des Prin­zen Wil­helm Lud­wig so­wie sei­ner El­tern in der Ober­kir­che ge­legt wur­de – die 150 Zent­ner schwe­ren Denk­mä­ler gel­ten als ein­zig­ar­tig in Ba­den-Würt­tem­berg. Er­läu­tert wird auch die Fürs­ten­gruft, die man frei­lich nicht auf ei­ge­ne Faust er­kun­den kann – sie ist nur bei Füh­run­gen zu be­sich­ti­gen. Im Ka­pi­tel über die Gr­ab­ka­pel­le im 20. und 21. Jahr­hun­dert wird das Rät­sel ge­löst, war­um in der Gruft, in der 18 Sär­ge ste­hen, nur 17 Mit­glie­der der ehe­ma­li­gen Herr­scher­fa­mi­lie ru­hen – 1953 lie­ßen die Mark­gra­fen von Ba­den die Über­res­te des Prin­zen Wil­helm (1829–1897), des Stamm­va­ters ih­rer Li­nie, nach Salem über­füh­ren. Kurz­bio­gra­fi­en der Bei­ge­setz­ten, ein Stamm­baum des Hau­ses Ba­den, ei­ne eZeit­ta­fel so­wie Über­sichts­plä­ne für die Ober­kir­che und die Gruft run­den das hilf­rei­che Büch­lein ab.

Die Fürs­ten­gruft mit den 18 Sär­gen ist nur bei Füh­run­gen zu be­sich­ti­gen. Fo­to: SSG

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