Be­geg­nun­gen mit Ver­stor­be­nen?

Ger­not Mei­er von der Lan­des­kir­che: Sol­che Be­rich­te müs­sen wir ernst neh­men

Der Sonntag (Mittelbaden) - - DIE REGION -

Er war im­mer da, wenn man mor­gens auf­ge­wacht ist. Und dann ist er ge­stor­ben. Oder ist er doch noch da? Man­che Trau­ern­den ha­ben den Ein­druck, ei­nem Ver­stor­be­nen wie­der zu be­geg­nen. Bei ei­ner Ta­gung der Evan­ge­li­schen Aka­de­mie in Ba­den im April plä­dier­ten Ver­tre­ter der Evan­ge­li­schen Lan­des­kir­che in Ba­den da­für, sich die­ses The­mas in der Seel­sor­ge und der Li­t­ur­gie an­zu­neh­men. Auch Ger­not Mei­er, Wel­t­an­schau­ungs­be­auf­trag­ter der Lan­des­kir­che und Stu­di­en­lei­ter an der Evan­ge­li­schen Aka­de­mie, setz­te sich da­für ein. Im In­ter­view mit dem SONN­TAG ver­rät der Pfar­rer, was es mit ver­meint­li­chem Kon­takt mit Ver­stor­be­nen auf sich hat und wie die Lan­des­kir­che mit dem The­ma um­ge­hen möch­te.

Stel­len Sie sich vor, ein Pär­chen hat vie­le Jahr­zehn­te mit­ein­an­der in ei­ner Woh­nung ge­lebt. Wenn dann der Part­ner oder die Part­ne­rin ver­stor­ben ist, kann man bei­spiels­wei­se den Ein­druck ha­ben, der­je­ni­ge kommt zur Tür her­ein und macht die­se auch wie­der zu. Oder wenn der Ver­stor­be­ne im­mer zu ei­ner ge­wis­sen Uhr­zeit vor dem Fern­se­her saß, kommt der An­ge­hö­ri­ge nach Hau­se und hört den Fern­se­her. Das er­scheint den Be­trof­fe­nen völ­lig re­al. sie be­we­gen. Das müs­sen wir ernst neh­men. Es geht nicht, ein­fach zu sa­gen „Das gibt es nicht“oder „Du spinnst“. An­de­re mög­li­che An­sprech­part­ner, wie et­wa Eso­te­ri­ker, lie­fern oft zwei­fel­haf­te Er­klä­run­gen. Es wird ge­fähr­lich, wenn wir an­fan­gen, sol­che Er­fah­run­gen ei­ner Geis­ter­sphä­re, hö­he­ren Mäch­ten oder Dä­mo­nen zu­zu­ord­nen. Wir wol­len ge­mein­sam mit den Trau­ern­den die Be­deu­tung ih­rer Er­leb­nis­se her­aus­fin­den und Be­wäl­ti­gungs­hil­fen an­bie­ten. Di­rekt nach ei­nem To­des­fall und der Be­er­di­gung sind Trau­ern­de sehr emp­find­sam. Da kann es leicht pas­sie­ren, dass man bei­spiels­wei­se das Par­füm des Ver­stor­be­nen wie­der riecht. Sol­che Er­fah­run­gen eb­ben je­doch mit der Zeit ab, wie auch die Trau­er.

Oft trau­en sich Be­trof­fe­ne nicht, of­fen dar­über zu spre­chen, weil sie Angst ha­ben, es wird nur als „spoo­ky“ab­ge­stem­pelt. Aber sie soll­ten die Mög­lich­keit ha­ben, in ei­nem ge­schütz­ten Raum dar­über zu re­den. Stel­len Sie sich vor, Sie sei­en der ein­zi­ge Mensch, der weiß, wie es ist, ver­liebt zu sein, und al­le er­klä­ren Sie für ver­rückt.

Die Er­fah­run­gen mit Ver­stor­be­nen, von de­nen uns Trau­ern­de be­rich­ten, ba­sie­ren dar­auf, was sie wirk­lich mit der Per­son er­lebt ha­ben. Bei eter­ni.me geht es mei­nes Wis­sens dar­um, Er­fah­run­gen zu schaf­fen. Das ist ei­ne tech­ni­sche Ent­wick­lung, die auf un­se­re Angst vor End­lich­keit ein­geht, auf das Be­dürf­nis, dass die Kommunikation mit dem Ver­stor­be­nen nicht auf­hört. Der Avat­ar kann uns le­bens­nah imi­tie­ren. Das könn­te sich sehr auf un­ser Ge­fühls­le­ben aus­wir­ken und wird Trau­er­pro­zes­se si­cher­lich mas­siv be­ein­flus­sen. Ich fin­de das sehr schwie­rig. Wir wer­den We­ge fin­den müs­sen, da­mit um­zu­ge­hen.

Herr Mei­er, wie kann man sich die Be­geg­nun­gen mit Ver­stor­be­nen vor­stel­len, von de­nen Trau­ern­de Ih­nen be­rich­tet ha­ben? Hat sich seit der Ta­gung der Evan­ge­li­schen Aka­de­mie be­reits et­was ge­tan? Tre­ten sol­che Wahr­neh­mun­gen kurz nach dem Tod ei­nes An­ge­hö­ri­gen oder Freun­des auf oder auch mal Jah­re spä­ter? Ger­not Mei­er ist Wel­t­an­schau­ungs­be­auf­trag­ter der Evan­ge­li­schen Lan­des­kir­che in Ba­den. Er meint, dass Be­geg­nun­gen mit Ver­stor­be­nen für vie­le Men­schen ganz nor­mal sei­en. Fo­to: Con­ny Ehm in Frei­burg / pr

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